Ausblick
Solarbranche zwischen Hoffen und Bangen

Die seit Jahren vom Erfolg verwöhnte deutsche Solarbranche steht vor ihrer ersten großen Bewährungsprobe. Finanzkrise und Rezession dürften dem rasanten Wachstum einen Dämpfer versetzen. Worauf die Branche jetzt hofft.

HB DÜSSELDORF. "Wir können nicht ausschließen, dass die Branche 2009 möglicherweise vorübergehend nicht ganz so stark wachsen wird wie in den Vorjahren", sagte Geschäftsführer Carsten Körnig vom Bundesverband Solarwirtschaft (BSW). Ein Wachstum von mehr als zehn Prozent sei aber weiterhin möglich.

"Nach unser jüngsten Mitgliederbefragung spürt der überwiegende Teil der deutschen Solarunternehmen bislang keine deutlich negativen Auswirkungen der Finanzkrise und ist zuversichtlich, dass es auch dabei bleibt", beteuerte Körnig. Die staatliche Förderung und die sinkenden Zinsen stimulierten in Deutschland die Nachfrage. Zudem führten sinkende Preise etwa bei Silizium und Modulen zu einer rascheren Wettbewerbsfähigkeit des Sonnenstroms. "Ich erwarte, dass Solarstrom vom eigenen Dach in Deutschland im Zeitraum 2014 bis 2016 günstiger wird als konventioneller Kraftwerksstrom."

Große Hoffnung setzt die Branche auf die USA. Dort hat der künftige Präsident Barack Obama Investitionen von 150 Mrd. Dollar in erneuerbare Energien angekündigt. Spätestens 2010/11 würden die USA an Schwungkraft gewinnen, prognostizierte Körnig. Die Nachfrageflaute in Spanien, bislang der zweitgrößte Solarmarkt nach Deutschland, könnten andere europäische Länder weitestgehend wettmachen.

Bei Experten überwiegt die Skepsis. Sie warnen seit Wochen, dass der unter Krediten ächzenden Branche das Geld ausgehen und die Nachfrage aufgrund der zurückhaltenden Kreditvergabe der Banken einbrechen könnte. SES-Analyst Karsten von Blumenthal rechnet für 2009 noch mit einem Wachstum um 15 bis 20 Prozent nach 35 Prozent in diesem Jahr. Kleinere Firmen werden seiner Einschätzung davon stärker in Mitleidenschaft gezogen, während er den Flaggschiffen der Branche wie Q-Cells gute Chancen einräumt.

Die Prognose des weltgrößten Solarzellenherstellers, ein Umsatzplus im 2009 von 70 Prozent, halten die Experten für unrealistisch. Die Wahrscheinlichkeit, dass Kunden ihre Aufträge stornieren, sei sehr groß, hieß es bei der UBS. Zudem gerieten die Preise über die gesamte Wertschöpfungskette unter Druck, vom Silizium über die Zellen und Wafer bis zum Modul. So klage der US-Wafer-Produzent MEMC bereits über den Sinkflug der Preise.

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