Ausblick
VW verzichtet kurzfristig auf Gewinn

Volkswagen hat das vergangene Jahr mit einem zweistelligen Milliardenrekordgewinn abgeschlossen. 2012 wird der Konzern ihn wohl nicht weiter steigern - auch um künftig noch mehr Gas zu geben.
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WolfsburgHohe Anlaufkosten für ein neues Produktionssystem zwingen den rekordverwöhnten Wolfsburger Autokonzern im laufenden Jahr zu einer Verschnaufpause. Vorstandschef Martin Winterkorn gab am Montag das Ziel aus, beim operativen Ergebnis das Vorjahresniveau wieder zu erreichen. Schon das ist allerdings ein ehrgeiziges Vorhaben, denn im abgelaufenen Ausnahmejahr steigerte der Elf-Marken-Konzern den Betriebsgewinn um 60 Prozent auf 11,3 Milliarden Euro. 

Als Grund für den Zwischenstopp führte der VW-Chef die Umrüstung der Werke auf den Modularen Querbaukasten an, dessen Einführung sich der Konzern zunächst viel Geld kosten lässt. Durch das neue Produktionssystem sollen die Kosten in den nächsten Jahren aber um bis zu 30 Prozent sinken, da die Zahl an Gleichteilen steigt. Der Umsatz von zuletzt knapp 160 Milliarden Euro soll 2012 weiter zulegen.

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Dazu trägt alleine schon die volle Einbeziehung des Münchner Lkw-Bauers MAN in die Bilanz bei, den VW im Herbst unter seine Kontrolle gebracht hatte, und der mit der schwedischen VW-Tochter Scania enger zusammenarbeiten soll. 2013 will Volkswagen auch beim Gewinn wieder durchstarten. Winterkorn sagte im Gespräch mit Handelsblatt Online auf am Rande des Auto-Salons in Genf zum Vorsprung, den er sich vom modularen Querbaukasten gegenüber der Konkurrenz verspricht: „Was meinen Sie, wie lange die brauchen, um dahin zu kommen?“

Den Auftakt der nach der neuen Architektur gebauten Modelle macht der A3 von Audi, der erstmals auf dem Genfer Autosalon einem größeren Publikum präsentiert wurde. Im Herbst soll der Bestseller Golf in siebter Generation folgen. Das neue Baukastenprinzip kommt für alle kleineren Modelle und Kompaktwagen infrage, deren Motoren quer zur Fahrtrichtung eingebaut werden. Für die Ingenieure ist es das Ei des Kolumbus: Denn wenn sie künftig mit Vorständen und Designern zusammenkommen, um neue Modelle zu entwickeln, stecken sie aus Bauteilen wie Achsen, Vorder- und Hinterwagen, den Böden und Sitzgestellen einfach neue Fahrzeugvarianten zusammen - wie beim Lego-Prinzip. 

Alleine im laufenden Jahr will der Konzern mit acht Pkw-Marken, den beiden Lkw-Bauern MAN und Scania sowie der VW-Transportersparte mehr als 40 neue Modelle und Fahrzeugvarianten auf die Straße bringen. „Wir rechnen deshalb damit, unsere Auslieferungen an Kunden gegenüber dem Vorjahr zu steigern“, sagte Winterkorn. Die Höhe der Investitionen in das Baukastensystem bezifferte er nicht. Bisher ist nur soviel bekannt: Sie beträgt viele Milliarden. 

Im vergangenen Jahr hatte der Konzern mit weltweit inzwischen mehr als 500.000 Beschäftigten den Reingewinn auf 16 Milliarden Euro mehr als verdoppelt und damit soviel verdient wie kein anderes deutsches Unternehmen. Aufgebläht wurde der Gewinn dabei auch von Bilanzeffekten aus der geplatzten Fusion mit der Porsche Holding SE, die das Finanzergebnis antrieben. Der Gewinn vor Steuern schnellte deshalb auf gigantische 19 Milliarden Euro. Die Dividende an die Stammaktionäre, darunter die Porsche SE, das Land Niedersachsen und das Emirat Katar, soll um 80 Cent auf drei Euro angehoben werden.

Kommentare zu " Ausblick: VW verzichtet kurzfristig auf Gewinn"

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  • ....genau seh ich das auch, FlashGordon. Es ist für mich der einzig zu beachtende Autoladen auf der Welt. Warum? Nun, dort oben sitzen mit Winterkorn und Piech noch echte Konstrukteure, also Autobauer reinsten Wassers. Jeder Wagen wird verzinkt, man macht sich um das Gesamtpaket reichlich Gedanken, sei es Verarbeitung, Verbrauch und wendet sich neuen Technologien zu. Man sehe sich das Knochengerüst mercedes an. Diese Rostlauben, sie werden die braune Pest nach einigen Jahren alle bekommen, denken garnicht daran zu verzinken und neuen Technologien in kurzen Zeitabständen zuzuwenden. Wieso? Nun, dort oben sitzt seit vielen Jahren kein Konstrukteur mehr. Kaufleute entscheiden heute über den Zustand der Fahrzeuge. Zetsche soll nach Hause gehen. Er hat dem Unternehmen keinen Vorteil gebracht. Man bedenke, was aus dieser alten Schmiede geworden ist. Ich bin ein weit über 50 Jahre alter Mercedes-Kunde. Mit Grausen haben wir uns von dieser Firma abgewandt. Mercedes ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Zu groß, darum zu schlecht, und...und....zu teuer. Man würde ja zahlen, aber die Ware bringt es nicht mehr. Darum VW. Wenn sie diesen Status beibehalten und sich noch steigern können in der Qualität, werden sie die Besten sein. Ich gönne es ihnen, sie machen was draus....prima so.

  • Winterkorn ist klasse, und jeden Cent wert. Der Mann hat Benzin im Blut !

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