Ausgabe-Auflagen
Schaeffler blockiert Contis Anleihe

Der stark verschuldete Autozulieferer Continental muss noch eine Weile auf neues frisches Geld warten. Auflagen des Großaktionärs Schaeffler verhindern vorerst die Ausgabe der geplanten hochverzinslichen Anleihe - und machen das Instrument für Conti erheblich teurer.
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Auflagen des Großaktionärs Schaeffler verhindern zumindest vorerst die Ausgabe der geplanten hochverzinslichen Anleihe des massiv verschuldeten Autozulieferers Continental. Der für die Refinanzierung wichtige sogenannte High Yield Bond kann frühestens im März begeben werden, erfuhr das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen.

Die Conti-Spitze hätte die Anleihe spätestens am Montag beschließen müssen, um noch die vorliegenden Geschäftsdaten der ersten neun Monate des Jahres 2009 für den notwendigen Anlegerprospekt nutzen zu können. Jetzt müssen Conti-Chef Elmar Degenhart und sein Finanzvorstand Wolfgang Schäfer die Veröffentlichung der Bilanz für 2009 am 23. Februar abwarten. Damit dürfte die Anleihe in Höhe von 1,5 bis zwei Milliarden Euro frühestens im März begeben werden, heißt es in Finanzkreisen. Citibank und Deutsche Bank sollen den Bond strukturieren.

Continentals Gläubigerbanken hatten eigentlich fällige Kredite verlängert und im Gegenzug vom Unternehmen erwartet, das Eigenkapital zu stärken. Dazu kommt: Niemand weiß, wie lange das zurzeit günstige Umfeld für Hochzinsanleihen noch hält. Derzeit sei die Nachfrage nach langfristigen, hochverzinslichen Anleihen hoch, sagt Wolfgang Wiehe, Senior-Kreditanalyst von UBP Asset Management in Genf. Deswegen sei eine Verzögerung ungünstig.

Der Knackpunkt: Der mit gut zwölf Mrd. Euro verschuldete Großaktionär Schaeffler will den Zeichnern der Anleihe als Sicherheit nur nachrangig Zugriff auf Contis Finanzströme einräumen. Die Auszahlung einer Dividende, von der vor allem Schaeffler profitiert, soll Vorrang haben vor der Zahlung von Zinsen für die Anleihe. Der 75,1-Prozent-Großaktionär besteht zudem auf einer möglichen Ergebnisabführung. Außerdem will sich Schaeffler den Kreisen zufolge die Möglichkeit offenhalten, bei einer Fusion einzelner Bereiche eigene Schulden auf Conti zu übertragen.

Unter diesen Bedingungen hätte die Anleihe laut Finanzkreisen von Standard & Poor's (S&P) aber nur das Rating B- bekommen. Für einen solchen Junk-Bond hätte Conti einen erheblichen Aufschlag auf die marktüblichen Zinsen zahlen müssen.

Ein Schaeffler-Sprecher verwies darauf, dass die Refinanzierung der Continental AG mit der jüngst platzierten Kapitalerhöhung, die 1,1 Mrd. Euro eingebracht hat, gesichert und zunächst abgeschlossen sei. Auch sei in den Verträgen mit den Banken die Kapitalerhöhung nicht fest mit der Platzierung eines Bonds verknüpft. Mögliche Verhandlungen über einen Bond würden bei Conti geführt. Ein Conti-Sprecher verneinte auf Nachfrage jeden Zeitdruck bei der Platzierung.

Ein Ausweg könnte Finanzkreisen zufolge darin bestehen, dass Schaeffler sich entschlösse, Continental die für einen Junk-Bond anfallenden höheren Kosten zu ersetzen. Ansonsten würden alle Anteilseigner inklusive der freien Aktionäre, die nach der Kapitalerhöhung 24,9 Prozent der Conti-Papiere halten, benachteiligt. Doch Experten halten dies angesichts der hohen Schaeffler-Schulden für unwahrscheinlich.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München
Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur

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