Ausgaben für Forschung und Marketing steigen
Generikahersteller setzen den Pharmariesen zu

Schweirige Lage in der Pharmaindustrie: Bei Astra Zeneca und Glaxo Smithkline herrscht Stagnation, nur Aventis bleibt zuversichtlich.

FRANKFURT/M. Bei mehreren europäischen Pharma-Konzernen verliert das Geschäft aufgrund von Generika-Konkurrenz zusehends an Schwung. Das bestätigten die gestern vorgelegten Quartalszahlen aus der Branche, insbesondere die Daten der beiden britischen Pharmariesen Glaxo Smithkline und Astra Zeneca. Beide Konzerne verbuchten währungsbereinigt nur noch stagnierende Erlöse sowie – als Folge steigender Forschungs- und Marketingausgaben – zweistellige Gewinnrückgänge. Diese Performance steht in deutlichem Kontrast zu den starken Zahlen, die in der vergangenen Woche unter anderem Novartis, Roche und die französische Sanofi-Synthelabo vorlegten.

Etwas günstiger sieht es bei Aventis, dem angehenden Fusionspartner von Sanofi, aus. Der Straßburger Pharmakonzern konnte im 1. Quartal seinen Reingewinn erwartungsgemäß um 15 % auf 556 Mill. Euro steigern. Der Umsatz legte auf währungsbereinigter Basis um rund 6 % auf 3,9 Mrd. Euro zu, konnte damit allerdings mit dem derzeitigen Marktwachstum von gut 8 % ebenfalls nicht Schritt halten. Die jüngsten Zahlen bestätigen insofern die Erwartung, dass Aventis die Dynamik in dem geplanten französischen Pharma-Riesen vorerst bremsen wird. Sanofi ist im ersten Quartal immerhin rund dreimal so schnell gewachsen.

Aventis-Finanzchef Patrick Langlois sprach dessen ungeachtet von einer weiterhin positiven Entwicklung, insbesondere mit Blick auf eine Reihe weiterer Produktzulassungen im ersten Quartal. So hat Aventis unter anderem in den USA grünes Licht für ein neues Antibiotikum und eine neue Insulinvariante erhalten. Für das Gesamtjahr stellt Langlois unverändert ein Umsatzwachstum von 6 - 7 % und eine Gewinnsteigerung von rund 15 % in Aussicht. Das Geschäft wird von Aventis wird dabei weiterhin von stark von dem Thrombose-Medikament Lovenox und dem Krebsmittel Taxotere geprägt, die deutlich zweistellige Zuwächse verbuchten. Bei dem Allergiemittel Allegra und einer Reihe älterer Produkte gehen die Umsätze dagegen stark zurück.

Der Straßburger Konzern hatte sich – nach dreimonatigem Übernahmekampf – am Wochenende überraschend mit Sanofi auf einen friedlichen Zusammenschluss unter Führung von Sanofi-Chef Jean-Francois Dehecq geeinigt. Aus dem Zusammenschluss soll der nach Pfizer und GSK drittgrößte Pharmakonzern der Welt hervorgehen.

Langlois hat die Entscheidung zugunsten von Sanofi gestern erneut verteidigt mit dem Hinweis auf deutlich verbesserte Konditionen für die Aktionäre und größeren Management-Einfluss für die Aventis-Seite. Die Risiken bei der Umsetzung der Fusion seien damit geringer geworden. Unter dem Eindruck der hohen Barkomponente von 16 Mrd. Euro, die Sanofi für die Übernahme von Aventis zahlen will, und möglicher Hürden bei der Realisierung von Synergien, reagierte die Börse zunächst deutlich negativ auf den Deal. Nach einen Kursrückgang von rund 10 % in den Vortagen konnten Sanofi und Aventis gestern allerdings wieder leicht zulegen

.

Unsicherheit herrscht weiterhin mit Blick auf die Reaktion des Aventis-Großaktionärs Kuwait Petroleum Corporation (KPC), der nach eigenen Angaben das Sanofi-Angebot noch prüft. Langlois sagte gestern, KPC habe keine spezifischen Einwände gegen die Fusion mit Sanofi.

Skeptiker der Großfusion könnten unterdessen auf die beiden britischen Konkurrenten Astra Zeneca und Glaxo Smithkline verweisen. Beide Konzerne sind Ende der 90er Jahren aus Fusionen entstanden und entwickeln sich seither unterdurchschnittlich. GSK wird dabei vor allem durch Generika-Wettbewerbeim Depressionsmittel Paxil gebremst und rechnet auch für das Gesamtjahr mit Stagnation. Astra Zeneca leidet vor allem unter verstärkter Konkurrenz für das Magenmedikament Nexium und einem eher verhaltenen Start beim Hoffnungsträger Crestor, einem Mittel gegen erhöhte Cholesterinwerte. Die Börse war davon nicht überrascht. Die AZN-Aktie notierte nahezu unverändert. GSK legte sogar um 2 % zu.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%