Ausgelagerte Pensionslasten
Konzerne tricksen bei Bilanzen

Führende deutsche Industriekonzerne weisen für das Jahr 2009 deutlich höhere Gewinne aus, als sie tatsächlich erwirtschaften. Viele Unternehmen hübschen mit einem Bilanztrick ihre Bücher auf, indem sie ihre Pensionslasten auslagern. Diese Tricks sind vollkommen legal, können aber in Krisen das Eigenkapital belasten.
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DÜSSELDORF. Allein die führenden 24 Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen aus dem Deutschen Aktienindex (Dax) tragen eine Last von fast 170 Mrd. Euro. Auf Druck der internationalen Ratingagenturen haben sie aber inzwischen einen Großteil ihrer Betriebsrenten an Treuhandgesellschaften oder Pensionsfonds übertragen.

Nur noch knapp 40 Prozent der Pensionsverpflichtungen sind durch entsprechende Rückstellungen gedeckt, bereits mehr als 60 Prozent durch ausgelagertes Vermögen. Viele Bilanzen sehen damit optisch besser aus - die Risiken der Verpflichtungen tragen die Konzerne aber weiter.

Dank der Vorschriften der internationalen Rechnungslegung IFRS gelingt es einigen Konzernen mit Treuhandkonstruktionen sogar, sich in der aktuellen Krise schönzurechnen. Sie weisen für 2009 deutlich höhere Gewinne aus, als sie tatsächlich erwirtschaftet haben. Diese Scheingewinne summieren sich auf sechs Milliarden Euro - allein für die Dax-Unternehmen ohne Banken und Versicherungen.

Die Scheingewinne gehen auf das Konto einer zum Jahresbeginn verbuchten Rendite von knapp sechs Prozent auf das ausgelagerte Pensionsvermögen. Die 24 Konzerne von Adidas bis Volkswagen hatten Anfang des Geschäftsjahres 2009 Vermögenswerte im Wert von insgesamt 104 Mrd. Euro in Treuhandgesellschaften oder Pensionsfonds ausgelagert. Das zeigt eine Analyse des Handelsblatts in Zusammenarbeit mit dem Centrum für Bilanzierung und Prüfung (CBP) an der Universität des Saarlandes und dem Beratungsunternehmen Mercer.

Keiner der Dax-Konzerne verschleiert diese Buchungen. Im Gegenteil, sie bilanzieren gemäß den internationalen Rechnungslegungsvorschriften (IFRS) korrekt. Nach IFRS sind die Unternehmen verpflichtet, jeweils am Beginn des Geschäftsjahres die Rendite auf das zur Finanzierung der betrieblichen Altersvorsorge ausgelagerte Pensionsvermögen zu prognostizieren. Das Ergebnis dieser Schätzung fließt als Ertrag in die Gewinn-und-Verlust-Rechnung ein - völlig unabhängig davon, welche Rendite am Ende tatsächlich eingefahren wird.

Ungeachtet der heftigen Turbulenzen auf den Kapitalmärkten gingen acht Unternehmen davon aus, dass sie 2009 einen höheren Ertrag auf das für die Altersvorsorge reservierte Vermögen erwirtschaften werden als 2008. Sechs Konzerne stellten eine unveränderte Verzinsung in Aussicht. Weitere acht Unternehmen - und damit nur jedes dritte - prognostizierten sinkende Renditen auf das Pensionsvermögen.

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  • Tricksen, Aufhübschen, Scheingewinne.
    Liest sich wie eine betrugswarnung von Eduard Zimmermann. Absurd, dass so etwas durch internationale bilanzierungsregeln legal ist. Da wünscht man sich die bilanzierung nach dem HGb zurück, wonach sich keine Kaufmann reicher machen darf als er wirklich ist.

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