Auslandsbeteiligungen
Porsche-Chef behält sein Gehalt für sich

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking wird sein bestes Geheimnis weiter hüten. Die Hauptversammlung des Sportwagenbauers soll am 27. Januar 2006 beschließen, dass die individuellen Bezüge des Vorstandschefs und der übrigen Porsche-Vorstände für fünf Jahre nicht veröffentlicht werden müssen.

STUTTGART. Das geht aus Punkt 6 der Einladung zur Hauptversammlung hervor. An der Zustimmung der Anteilseigner besteht kein Zweifel: Alle stimmberechtigten Aktien liegen in den Händen der Familien Porsche und Piëch.

Das Zuffenhausener Unternehmen nutzt damit die einzige Möglichkeit, die Offenlegung der Einzelbezüge zu verhindern. Denn das neugefasste Handelsgesetzbuch sieht vor, dass in den Geschäftsberichten 2006 generell „unter Namensnennung die Bezüge jedes einzelnen Vorstandsmitglieds“ ausgewiesen werden. Nur wenn die Hauptversammlung dies mit mindestens 75 Prozent des vertretenen Grundkapitals ablehnt, muss nicht veröffentlicht werden. Vor Porsche hatte bereits Sixt diesen Weg gewählt, um die Veröffentlichung zu umgehen. Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz, kritisiert die Ausnahmeklausel stark und wirft dem Gesetzgeber „Angst vor der eigenen Courage“ vor.

Porsche-Chef Wiedeking gilt als einer der am besten verdienenden deutschen Manager und lehnt die Veröffentlichung der Einzelgehälter vehement als „Sozialismus auf Vorstandsebene“ ab. Bis zum August 2005 mussten börsennotierte Aktiengesellschaften die Vorstandsbezüge nur gemeinsam ausweisen. Bei Porsche lagen die Einkünfte der sechs Vorstände im Jahr 2003/04 bei zusammen 30,4 Mill. Euro.

Die Konkurrenten in der Automobilindustrie, Daimler-Chrysler und BMW, halten sich bislang ebenfalls bedeckt und weisen nur die gesamten Vorstandsbezüge aus. Beide Unternehmen hatten aber angekündigt, sich an die neuen Gesetze zu halten. Pikanterweise war Volkswagen-Chef Bernd Pischetsrieder aus der Phalanx ausgeschert und hat sein Gehalt veröffentlicht – pikant deshalb, weil Porsche nach dem Einstieg bei VW größter Aktionär der Wolfsburger mit 18,5 Prozent ist.

Auf der Hauptversammlung will Wiedeking auch den Weg frei für Beteiligungen im Ausland machen. Zur Förderung des Geschäftszwecks sollen die Aktionäre die Satzung ändern und dem Unternehmen erlauben, Firmen jeder Art im In- und Ausland erwerben oder pachten zu können. Bisher sei dies nur in Deutschland möglich gewesen, begründete ein Sprecher die geplante Satzungsänderung.

Konkrete Vorhaben im Ausland gebe es derzeit aber nicht. Die Änderung erfolge nur „pro forma“, sagte der Sprecher. Porsche zählt zu den profitabelsten Autobauern der Welt und hatte mit dem Einstieg bei VW im Oktober für Furore gesorgt. Detaillierte Zahlen legt Porsche am 7. Dezember vor.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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