Auslandsexpansion
RWE setzt russischen Konzern auf Einkaufsliste

Der neue RWE-Chef Jürgen Großmann macht mit der angestrebten Auslandsexpansion Ernst: Der Energiekonzern ist offenbar wie zuvor Konkurrent Eon ernsthaft an der Übernahme eines russischen Unternehmens interessiert. Damit schlägt Großmann wie angekündigt einen aggressiveren Wachstumskurs ein als sein Vorgänger Harry Roels.

DÜSSELDORF. Nach einem Bericht der russischen Nachrichtenagentur Interfax hat RWE den Kraftwerksbetreiber OGK-1 im Visier. RWE wollte dies auf Anfrage zwar nicht kommentieren. In Konzernkreisen wurde das grundsätzliche Interesse aber bestätigt. Allerdings sind die Überlegungen offenbar noch in einer frühen Phase.

OGK-1 ist einer von sechs Großkraftwerksbetreibern, die Russland im Rahmen der Privatisierung der Stromwirtschaft zum Verkauf gestellt hat. Der bisherige Quasi-Monopolist UES hatte vor Monaten begonnen, nach und nach die sechs OGKs und 14 kleinere Heizkraftwerksgesellschaften mit den nummerierten Kürzeln TGK zu verkaufen. Zahlreiche Auktionen sind bereits abgeschlossen. Erst am vergangenen Montag machte Eon die Übernahme von OGK-4 perfekt. Das Unternehmen bezahlt für einen Anteil von 70 Prozent rund 4,1 Mrd. Euro. Der italienische Konkurrent Enel hatte sich an OGK-5 beteiligt. An OGK-2 will sich der russische Gasriese Gazprom die Mehrheit sichern.

RWE hatte sich bislang nicht an den Auktionen beteiligt, weil Ex-Chef Harry Roels dem Konzern bei Akquisitionen Zurückhaltung verordnet hatte und insbesondere im russischen Strommarkt hohe Risiken sah. Sein Nachfolger Jürgen Großmann, der am 1. Oktober sein Amt antrat, will aktiver agieren. Vor einer Woche betonte er im Rahmer einer Analystenkonferenz, dass RWE genügend Finanzkraft für Zukäufe habe. Ausdrücklich zeigte er dabei auch Interesse am russischen Strommarkt.

Viel Zeit bleibt ihm freilich nicht mehr: OGK-1 ist eines der wenigen noch verblieben lukrativen Objekte. Das Unternehmen betreibt sechs große Kraftwerke, überwiegend in der Ural-Region. Die Anlagen haben eine Leistung von 9,5 Gigawatt für die Strom- und 2,9 Gigawatt für die Wärmeproduktion. 89 Prozent des Brennstoffes ist Gas, neun Prozent Kohle und der Rest Öl. Ende 2006 hatte das Unternehmen 6 200 Mitarbeiter.

Nach dem Interfax-Agenturbericht ist der Verkaufsprozess aber noch in einer frühen Phase. RWE habe noch keine Vertraulichkeitserklärung mit OGK-1 unterzeichnet, hieß es. Auch habe der Konzern noch keinen Zugang zum Datenraum, der im November geöffnet wird. Der Verkauf der OGK-1-Aktien ist vorläufig für Februar 2008 geplant. Neben RWE gilt unter anderem der finnische Energiekonzern Fortum als Interessent, Branchenexperten rechnen aber auch mit russischen Bietern.

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