Auslandsgeschäft
Daimler verdient nur mit Bussen Geld

Die Bussparte von Daimler glänzt auch in der Krise. Die Werke sind voll ausgelastet, es gibt keine Kurzarbeit und die Sparte ist immer noch profitabel. Denn vor allem Stadtbusse sind derzeit gefragt: Allein für die Fußball-WM in Südafrika werden 500 Fahrzeuge benötigt.

STUTTGART. Viele Zuschauer der Fußball-WM in Südafrika werden im kommenden Jahr mit Omnibussen von Daimler in die Stadien fahren. Rund 500 Fahrzeuge hat Südafrika beim Konsortium Daimler/Marco Polo geordert. Die Schwaben ziehen für den Auftrag vor Ort extra ein Montagewerk hoch. „Wir sind bei der Erschließung neuer Märkte sehr flexibel“, sagt der Chef der Bussparte Hartmut Schick. Auch die aufstrebenden Märkte China, Russland und Indien sollen auf diese Weise künftig besser erschlossen werden.

Aufträge wie in Südafrika bescheren der Bussparte im Konzern eine Sonderstellung. Die Werke sind voll ausgelastet und es gibt keine Kurzarbeit. Zwar ging der Umsatz um rund zehn Prozent auf zwei Mrd. Euro im ersten Halbjahr zurück. Der Absatz verringerte sich um ein Viertel auf 15 112 Busse und Fahrgestelle der Marken Mercedes-Benz, Setra und Orion. Aber verglichen mit dem Einbruch im sonstigen LKW-Geschäft um 30 bis 50 Prozent erwies sich die Bussparte vergleichsweise stabil und vor allem noch profitabel. Während der Konzern wegen der andauernden Schwäche im Auto- und Nutzfahrzeuggeschäft Milliardenverluste in den erstens sechs Monaten auftürmte, erzielt die Bussparte trotz eines halbierten Ergebnisses vor Steuern und Zinsen von 114 Mio. Euro immerhin noch eine Umsatzrendite von knapp sechs Prozent. Auch im zweiten Halbjahr erwartet Schick ein positives Ergebnis vor Zinsen und Steuern. „Wir verdienen auf der ganzen Welt Geld und sind im Bus-Geschäft sehr gut unterwegs“, bekräftigte Schick. Eine konkrete Prognose für das Gesamtjahr und die Entwicklung in den einzelnen Regionen wollte Schick aber nicht wagen.

Daimler will seine führende Position in einem schrumpfenden Weltmarkt behaupten und im zweiten Halbjahr weiter Marktanteile hinzugewinnen. Nach aktuellen Studien wird in der Branche in diesem Jahr mit einem Rückgang auf 250 000 Einheiten gerechnet. Das Rekordniveau von 280 000 Fahrzeugen werde wohl erst wieder 2011 oder 2012 erreicht, erwartet Bus-Vertriebschef Holger Suffel. Die Talsohle sei aber bereits durchschritten. Das Reisebusgeschäft laufe wegen der allgemeinen Wirtschaftsflaute weiterhin schwächer. Die Bussparte profitiert vor allem von öffentlichen Großaufträgen für Stadtbusse. Die Kommunen investieren in schadstoffärmere neue Modelle. Die rund doppelt so teuren Hybridbusse mit Preisen bis zu 700 000 Euro verkauft Daimler bislang aber vor allem in den USA, wo die Technologie im Gegensatz zu Europa öffentlich stark gefördert wird.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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