Auslandsinvestitionen deutscher Unternehmen

„Made outside Germany“

Deutschlands führende Konzerne beschäftigen immer mehr Mitarbeiter im Ausland. Fern der Heimat werden nicht nur Fußbälle für Adidas produziert, sondern es wird auch geforscht. „Made in Germany“ ist häufig Vergangenheit.
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Jedes dritte Auto verkauft VW inzwischen im Reich der Mitte. Quelle: dapd

Jedes dritte Auto verkauft VW inzwischen im Reich der Mitte.

(Foto: dapd)

DüsseldorfAls der Ost-Westhandel über Land noch blühte, war das entlegene Xinjiang den Händlern ein bekannter Name. Hier verlief die berühmte Seidenstraße. Das ist Geschichte. Die Republik im Nordwesten Chinas liegt so weit von einer Küste entfernt, wie kaum eine andere Region auf der Welt. Kilometerlange Wüsten und haushohe Dünen prägen die karge Landschaft, in der die Temperaturen zwischen Sommer und Winter bis zu 100 Grad schwanken können. Obendrein bekämpfen sich Uiguren und Han-Chinesen, was das Vertrauen in die unwirtliche Gegend noch schmälert.

Trotzdem hat Xinjiang eine Zukunft, und die heißt Volkswagen. Der größte europäische Automobilkonzern will hier 170 Millionen Euro in ein neues Werk investieren. Künftig sollen 50 000 Autos pro Jahr vom Band rollen. Das Engagement im abgelegenen Xinjiang ist nicht ganz freiwillig. Die kommunistische Regierung in Peking hat ein wenig nachgeholfen, weil sie in der umstrittenen Region Vorzeigeprojekte braucht.

Auch steht die Fabrik angesichts der geplanten weltweiten Gesamtinvestitionen von 14 Milliarden Euro bis 2016 nicht unbedingt im Zentrum der Aufmerksamkeit von VW-Chef Martin Winterkorn. Doch es zeigt, wie wichtig dem deutschen Automobilbauer die Präsenz im boomenden China ist. Jedes dritte Auto verkauft VW inzwischen im Reich der Mitte.

Das Auslandinvestment deutscher Firmen zeigt vor allem in Regionen wie China steil nach oben.

Der Anteil des Investitionsbestandes in Asien ist mit 77 Milliarden Euro, das sind 7,7 Prozent des weltweiten Investments deutscher Firmen, noch vergleichsweise niedrig. Das Versäumte wird nachgeholt. Für viele Firmen ist derzeit Asien die Investitionsregion Nummer eins. Im Zentrum steht China. Dort wuchsen die Neuinvestitionen der deutschen Wirtschaft binnen zehn Jahren von knapp 900 Millionen auf 10 Milliarden Euro.

"Zur Internationalisierung und den hohen Auslandsinvestitionen gibt es keine Alternative. Nur mit dem Inlandsgeschäft wären die Firmen niemals so fulminant aus der schweren Krise vor drei Jahren gekommen", sagt der Bilanzexperte Karlheinz Küting vom Centrum für Bilanzierung und Prüfung (CBP) in Saarbrücken. Zudem sind die Zeiten der verlängerten Werkbänke vorbei. Heute wird vor Ort produziert und verkauft, weil die Kunden beispielsweise in Schwellenländern oft ganz andere Produkte oder Ausstattungen haben wollen als Kunden aus entwickelten Industrieländern. Es reiche nicht mehr aus, den Schwellenländern die Endmontage zu überlassen, so Thomas Kautzsch von der Unternehmensberatung Oliver Wyman: "Die komplette Wertschöpfungskette aus Entwicklung, lokaler Beschaffung, Produktion und Vertrieb wird in die Märkte von morgen wandern."

Die Auslandsquoten steigen
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11 Kommentare zu "Auslandsinvestitionen deutscher Unternehmen: „Made outside Germany“"

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  • --@ DerBernd

    Sie lügen! (wahrscheinlich ohne es zu wissen).

    VW hat keine chiesische Zulieferer für den Markt in Zentraleuropa.

    Merken sie es überhaupt noch?
    Oder sind sie schon so weit weg von der Realität, dass Sie die Medien-Darstellungen ungeprüft für Wahrheit halten?

  • Gerade die unteren Einkommensschichten sollten aufpassen, wenn sie sich hierzu äußeren. Ohne gerade die asiatischen Produkte, wäre der Lebensstandard dieser allwissenden Lebensstandard extrem gefährdet.

    Damit H4 & Co sich überhaupt TV, PC usw. leisten können, muss man in Asia einkaufen.

    Asia produziert eben billiger, weil sie auf den Luxus des Sozialstaates verzichten. Wer dort Essen will, muss eben arbeiten und nicht nur viel Gebrüll machen. Man sollte eben die Hand küssen, die einem das Futter reicht.

  • In Deutschen Firmenzentralen sitzen viele Verwaltungs- und Büroangestellten, die es ohne die Töchter im Ausland nicht gäbe.
    Besser isses, die Unternehmen forschen im Ausland, als gar nicht.
    Aber ja, die Entwicklung ist eigentlich bedauernswert. WÜnschenswert wäre Forschund un Produktion in Deutschland.
    Aber jeder konsumiert eben bei gleicher Qualität das preisgünstigere. Wenn China mir Zuschüße von x Mrd. anbietet, würde ich kfr. auch x Mio. vorübergehend investieren. Siehe Nokia in Bochum. Nachhaltig ist/war das nicht.

  • @ Alfred Neumann
    Falsch gedacht. Wenn 'der Deutsche' teure Produkte kaufen würde, hätten die Unternehmen nur noch größere Gewinne. Denn die Möglichkeit im Ausland zu Produzieren bliebe ja davon unberührt.

    Vielmehr sollten Unternehmen Know How (Hochschulen/Volksvermögen) nicht über die Staatsgrenzen nach ins Billiglohnland geben dürfen. Und wer mit Kinderarbeit, ohne Arbeitsschutzgesetze, ohne Umweltschutz, ohne Mutterschutz, ohne Urlaubsregelung und ohne Menschenrechte produziert, der sollte eine deftige Einfuhrsteuer zahlen. Andernfalls bluten nicht nur unsere Kassen sondern auch unsere westlichen politischen Systeme aus und die Revolutionen müssen von neuem beginnen.

  • Die Welt ist ein Dorf und je größer das Unternehmen, umso größer auch das Engagement im Ausland zu produzieren und zu forschen. Schlimm ist nur, wenn globale Unternehmen auf "ein Image made in Germany" hindeuten, es aber nicht unternehmerisch leben. Der Kunde meint "made in germany" zu erwerben, erhält aber nur ein made in sonstwo-Produkt. Gegen die glöbale Produktion ist nichts einzuwenden, das ist nicht die Frage. Nur gegen die bewußte Verdummung der Kunden durch einzelne Unternehmen; praktiziert eigentlich schon lange bei vielen Lebensmittelnherstellern. Es wird mit ital. Bildern geworben (aber Produkte aus xyz sind drin), mit Bauernhofidylle (aber eine Massentierhaltung gelet), etc..
    Wenn Marken nur Herkuntsbeziehungen emotional oder vom Designursprung verschleiern, aber nahezu komplett in Billigländern mit anderen Standards erfolgen lassen, ist es zu verurteilen. Es geht hier aber nur um eine Ehrlichkeit im Markenkernauftritt. Marken beschädigen sich hier nur selbst.

    Es gibt aber auch andere positive Beispiele, die nachwievor einen großen Anteil in nationalen Produktionen umsetzen: MIELE (Deutschland), MINI (England), viele Mittelständler (Deutschland), u.a. .

    Es gibt aber nicht den einen Weg. Wie gesagt, kritisch ist nur eine "marketing Kommunikation", die nur mit emotionalen Bildern die nationale Karte spielt, aber produktionspraktisch eine Importware ist. Wenn z.B. Chinaroller ital. Produktnamen, -designs, Modelverträge und Vertriebsadessen verwenden, um zu verschleiern.

    Der informierte Kunde schaut jedoch genauer hin. Geschützte Herkunftsbezüge haben auch Ihren Wert, der bewußt entlohnt wird.

  • Gekauft und verbraucht aber soll es in Deutschland werden - schon weil die Preise hier eben auch hoch sind. Aber wo kommt das Geld zum Kaufen her? Ist anscheinend doch ganz einfach! Der Staat leit es sich von Banken und bringt es unter die Leute. Manchmal als Beihilfe oder als öffentlicher Auftraggeber.

    Dass das nur begrenzt funktionieren kann, sollte eigentlich auch den Hinterbänklern aller Parteien im Parlament klar sein. Die Globalisierung ist das Mittel der Ausbeutung des Kapitalmarktes zu Lasten der anderen Produktionsfaktoren geworden! Die Politik muss dringend anfangen 'im Ganzen' zu denken statt in einzelnen Verordnungen. Ein Mittel dazu ist Vereinfachung. Statt alles zu komplizieren, bis keiner mehr versteht, was läuft.

  • @ HansWurst: Da liegt in der Tat das Loch im System. Weil die Deutschen - Geiz ist geil - die billigen Importwaren kaufen, graben sie selbst ihrer Industrieproduktion das Wasser ab. Ich habe mich lange darüber geärgert, aber andererseits: auch der Chinese hat eine Familie, die er ernähren muss. Das ist ein humaner Aspekt, den man in der Delokalisierungsdiskussion leicht aus den Augen verliert.

  • Die deutsche Politik het seit Kohl immer nur eine Politik für die Industrie, Kapital und die Finanzflüsse gemacht und sich für deren Interessen prostituiert.

    Den bundesdeutschen Bürger interessiert gesellschaftspolitisch überhaupt keinen mehr, nie war und ist das klarer als heute in der Finanzkrise, die eine keine Krise ist, sondern die Schlacht um die "Eigentümerschaft" des Euros.

    Das und nur das ist der Grund hinter dem Inszenierten Getöse !

  • @ Alfred Neumann "Durch die hohe Abgabenbelastung ist die Arbeit in Deutschland so teuer geworden, dass wir sie uns nicht mehr leisten können. Also wandert die Arbeit ab ... "

    Soso - Du meinst also am Besten den VW in China produzieren zu chinesischen Löhnen und dann hierherkarren und das Ding als "deutsche Wertarbeit" zu Preisen im Verhältnis zu deutschen Löhnen verkaufen wollen.

    DAS ist echtes Schmarotzertum - nicht der gemeine Hartz IV-Empfänger!

    Denn hier werden nicht nur Milliarden an Steuergeldern dem Staat vorenthalten, sondern auch noch die Kunden betrogen, die diese Kiste "im guten Glauben an die Förderung und den Erhalt deutscher Arbeitsplätze" gekauft haben und dafür letztendlich Mondpreise bezahlt haben. W I D E R L I C H ! ! !

  • Das Problem ist denkbar einfach: Durch die hohe Abgabenbelastung ist die Arbeit in Deutschland so teuer geworden, dass wir sie uns nicht mehr leisten können. Also wandert die Arbeit ab ... zu Viele wollen auf dem Rücken von zu wenigen Leistungsträgern leben. In der Natur ist dies Phänomen wohlbekannt. Zuviel Parasiten töten das Wirtstier. Und so stirbt der parasitäre Wohlfahrtsstaat von selbst.

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