Ausrichtung von VW
Streit um Kurs von Volkswagen nimmt zu

Die neue Ausrichtung von Volkswagen nimmt Formen an: Während Konzernchef Martin Winterkorn mit der Strategie 2018 den japanischen Konkurrenten Toyota einholen will, weist die Einigkeit im Lager des Großaktionärs Porsche einem Bericht zufolge Risse auf – VW und Porsche weisen Gerüchte über einen angeblichen Kursstreit zurück.

DÜSSELDORF. Mitte Dezember will Winterkorn den wichtigsten Managern des Konzerns auf einer Tagung in Dresden die "Strategie 2018“ vorstellen. Am Freitag hatte der Aufsichtsrat Einzelheiten des Plans besprochen. Die Stimmung sei sehr sachlich gewesen, hieß es aus VW -Kreisen. Das Magazin "Focus“ meldete dagegen einen Machtkampf der beiden starken Männer der Kapitalseite im Kontrollgremium. Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und Porsche -Chef Wendelin Wiedeking hätten sich um den Kurs zerstritten. VW und Porsche wiesen dies als Spekulation zurück.

In den vergangenen Wochen hatte es Anzeichen eines Zerwürfnisses der beiden gegeben. Wiedeking hatte etwa davon gesprochen, es dürfe keine "heiligen Kühe“ mehr am Konzernsitz in Wolfsburg geben und damit die Angst vor Einschnitten in der Belegschaft geschürt. Zudem streitet Wiedeking sich mit dem bei VW traditionell einflussreichen Betriebsrat öffentlich und vor Gericht um den Einfluss der VW -Arbeitnehmervertreter bei der neuen Porsche Holding nach europäischem Recht. Ein als vertrauensbildende Maßnahme gedachter offener Brief, den Porsche am Mittwoch in mehreren Tageszeitungen als Anzeige abdrucken ließ, schürte den Missmut weiter.

Die mit markigen Worten geführte Auseinandersetzung war laut IG Metall auch der Grund für eine "Weckruf für Wiedeking“ genannte Aktion am Freitagmorgen. Nach einer Präsidiumssitzung des Aufsichtsrates am Vorabend übernachteten der Porsche -Chef und sein Finanzvorstand Holger Härter im Wolfsburger Hotel Ritz Carlton am Werksgelände, um Freitagvormittag an der Sitzung des gesamten Kontrollgremiums teilzunehmen. Am Morgen protestierten rund 100 VW -Werker vor dem Hotel für mehr Einfluss bei der Holding.

Volkswagens Patriarch Piëch war Donnerstag am ersten Verhandlungstag des Prozesses gegen den ehemaligen Betriebsratschef Klaus Volkert und den VW -Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer in der VW -Affäre in die Kritik geraten. Volkert hatte Dokumente vorgelegt, die Piëchs Beteiligung an aus Sicht der Staatsanwaltschaft unzulässigen Sonderbonuszahlungen für den damaligen Betriebsratschef nahe legen. In den Unterlagen, die Volkswagen der Staatsanwaltschaft zur Verfügung gestellt hatte, tauchten diese Papiere jedoch nicht auf, sagte eine mit den Vorgängen betraute Person.

Einmütig verabschiedete der VW -Aufsichtsrat einen neuen Investitionsplan bis zum Jahr 2010. Volkswagen wird im Konzernbereich Automobile rund 29 Mrd. Euro investieren oder als Entwicklungskosten aktivieren. Schwerpunkte sind neben neuen Fahrzeugen der Aufbau von Produktionskapazitäten in Russland und Indien.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
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