Außenhandel
Aktivität in der Fremde stärkt Firmen

Der Horizont für den Außenhandel liegt für die deutschen Unternehmen schon lange nicht mehr an den kontinentaleuropäischen Grenzen. Dabei gilt allen Befürchtungen in punkto Produktionsverlagerung ins Ausland zum Trotz: Erfolg im Ausland bedeutet nicht automatisch Personalabbau im Inland.

BERLIN. Der Erfolg des deutschen Außenhandels beruht auf der breiten Aufstellung der Unternehmen – sie bearbeiten sehr ambitioniert neue Märkte. Im Durchschnitt sind auslandsaktive deutsche Firmen auf 16 Märkten in aller Welt tätig. Selbst kleine Unternehmen mit einem Jahresumsatz von bis zu 500 000 Euro sind im Schnitt auf mehr als sechs Märkten aktiv, Firmen mit mehr als 50 Millionen Euro Umsatz sogar auf durchschnittlich 27 Märkten.

Die größte Dynamik der Geschäftsentwicklung sehen mittelständische Unternehmen mittelfristig nicht nur bei den viel diskutierten Riesenmärkten in Fernost und in den BRIC-Staaten, sondern gerade auch bei den vielen „Hidden Champions“, wie beispielsweise Rumänien, Griechenland und den lateinamerikanischen Staaten außerhalb Brasiliens. Echte Wachstumspotenziale liegen für kleine und mittelständische Unternehmen häufig auf kleineren Märkten, die für sie leichter zu bearbeiten sind als die großen, bei denen sich die Wettbewerber bereits die Klinke in die Hand geben: Weißrussland, Ukraine Südafrika, Baltikum, Ungarn, Mexiko und Türkei.

Der Erfolg deutscher Unternehmer im Ausland zeigt sich nicht nur beim Umsatz, Gewinn und beim Personalaufbau im Ausland, sondern gerade als Jobmaschine im Inland. Auslandsaktive Unternehmen haben gerade in den letzten Jahren in Deutschland in erheblichem Maße neue Mitarbeiter eingestellt.

Allen Befürchtungen in punkto Produktionsverlagerung ins Ausland zum Trotz: Auch Industrieunternehmen, die im Ausland investiert haben, verzeichnen ein starkes Beschäftigungsplus im Inland. Nach aktuellen Berechnungen des statistischen Bundesamtes sind im vergangenen Jahr bereits 23 Prozent der Erwerbstätigen im Inland vom Export abhängig gewesen. Bei einem Plus von 633 000 Erwerbstätigen im Inland sind im Zeitraum Juli 2006 bis Juli 2007 über alle Branchengrenzen hinweg durch den Export mindestens 150 000 neue Arbeitsplätze hierzulande geschaffen worden.

Entscheidend für den Erfolg sind auch die Motive eines Auslandsengagements. Dem Großteil aller Unternehmen geht es darum, neue Märkte zu erschließen, ihre Wettbewerbssituation zu verbessern und die Nähe zum Kunden zu suchen. Sie ziehen viel weniger ins Ausland, weil sie hoffen, dort bessere staatliche Rahmenbedingungen als in Deutschland vorzufinden. Reine standort- und kostenbezogene Gründe spielen daher nur eine untergeordnete Bedeutung.

Das Engagement auf unerschlossenen Märkten birgt häufig Fußangeln, denen man im vornherein durch rechtzeitige Vorbereitung begegnen kann: Die Suche nach dem verlässlichen Partner, die Strategie der richtigen Marktbearbeitung und die Beschaffung verlässlicher Marktinformationen. Standortbezogene Faktoren und Rahmenbedingungen im Ausland, wie Sprache, Kultur und rechtliche Bedingungen, sind von nachgeordneter Bedeutung. Der Erfolg steht und fällt mit einer gründlichen und effizienten Vorbereitung. Hierbei können die Industrie- und Handelskammern und die deutschen Auslandshandelskammern einen entscheidenden Beitrag leisten.

Der Autor ist Leiter des Referats Außenwirtschaftsförderung beim DIHK Berlin.

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