Außenwirtschaftspolitik
Partnerschaft und Wettbewerb mit Asien

Deutschlands Konkurrenz aus Asien holt mächtig auf. Doch die Länder sind nicht nur Herausforderer im Kampf um den Titel des Exportweltmeisters – asiatische Unternehmen sind auch wichtige Handelspartner der bundesrepublikanischen Firmen.

BERLIN. Deutschland bleibt nicht nur Chinas wichtigster Technologie- und Handelspartner in Europa, sondern China bleibt auch Deutschlands wichtigster Wirtschaftspartner in Asien. Allein die deutschen Exporte nach China haben sich in 20 Jahren versechsfacht. Die bisherige „Werkbank“ der Welt strebt dabei kontinuierlich auch in den Bereichen Wissenschaft, Forschung, Entwicklung und Technologie an die Weltspitze. Insbesondere der deutsche Maschinen- und Anlagenbau profitiert derzeit vom Wirtschaftsboom in China, das mit zweistelligen Wachstumsraten inzwischen zu den weltweit wichtigsten Absatzmärkten avanciert ist.

Auch Indien holt mit rasantem Tempo auf, das bilaterale Handelsvolumen mit Deutschland hat seit einigen Jahren Zuwachsraten zwischen 30 und 40 Prozent – mit einem Handelsüberschuss für Deutschland wohlgemerkt. Die deutschen Exporte nach Indien sind allein in den vergangenen zwei Jahren um rund die Hälfte gestiegen. Für die deutsche Wirtschaft ergeben sich im Konsumgüterbereich, Infrastruktur, Automobilindustrie, Maschinenbau und Elektrotechnik große Chancen.

Ferner gibt es großen Bedarf an umweltfreundlichen Technologien, da Indien ebenso wie China zunehmend bestrebt ist, den immens steigenden Energiehunger und die daraus resultierenden Umweltbelastungen mit klimafreundlicher energieeffizienter Umwelttechnik abzufedern.

Das Asiengeschäft der deutschen Wirtschaft ist aber längst nicht nur auf die beiden Megamärkte beschränkt. Asiens Technologieführer Japan hat für die deutsche Wirtschaft weiterhin enormes Zukunftspotenzial, insbesondere in den Bereichen Umwelttechnik, Luxusgüter oder dem „Silvermarket“. Und an dritter Stelle der wichtigsten deutschen Wirtschaftspartner in Asien steht weiterhin Südkorea, das als Hightech-Standort insbesondere für Automobilindustrie, Maschinenbau und Chemie lukrative Chancen für die deutsche Wirtschaft bietet.

Auch das Potenzial der ASEAN-Staaten in Südostasien mit insgesamt über 560 Millionen Menschen, sollte nicht unterschätzt werden. Stärkeres Augenmerk verdient hierbei das neue WTO-Mitglied Vietnam, das nicht nur eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften ist, sondern bereits jetzt zu den attraktivsten Investitionsstandorten in Asien zählt. Im Wettbewerb mit China und Indien können sich die ASEAN-Staaten indes künftig am besten als gemeinsamer Wirtschaftsraum behaupten. Die Wirtschaftsdynamik der Giganten wirkt dabei als Katalysator für weitere Integrationsbemühungen der ASEAN, die einen gemeinsamen Binnenmarkt nach EU-Vorbild bereits 2015 statt 2020 etablieren will. Zu Recht erwarten hierbei auch Länder wie etwa Malaysia oder Singapur – Deutschlands wichtigste Wirtschaftspartner bei ASEAN und gefragte regionale Handelsdrehscheiben – neue Impulse als Standort für Produktion und Dienstleistungen.

Die künftige wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Asien, die ebenso von Partnerschaft wie Wettbewerb um Märkte, Ressourcen und Know-how geprägt sein wird, erfordert einen neuen Umgang mit den asiatischen Partnern. Deutsche Außenwirtschaftspolitik sollte daher ihre Wirtschaftsinteressen gegenüber asiatischen Regierungen auch künftig selbstbewusst vertreten. Populistische Rufe nach Abschottung und Protektionismus, oder gar Panikmache vor dem vermeintlichen „Angriff aus Fernost“, wären jedoch der falsche Weg. Stattdessen sollte auch in der öffentlichen Debatte stärker darauf hingewiesen werden, dass etwa asiatische Investitionen am Wirtschaftsstandort Deutschland keine Bedrohung, sondern vielmehr eine Bereicherung darstellen – leisten diese doch einen wichtigen Beitrag zur Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen hierzulande. Schätzungen zufolge haben rund 500 Unternehmen aus der Region Asien-Pazifik knapp 20 Milliarden Euro in Deutschland investiert. Diese Investitionen sind immerhin für knapp 60 000 Arbeitsplätze und einen Umsatz von knapp 60 Milliarden Euro verantwortlich.

Zweifellos wird politische Flankierung im Asiengeschäft gerade für den deutschen Mittelstand künftig noch an Bedeutung gewinnen. Themen wie staatlich oktroyierter Technologietransfer, Auflagen zu local content, Marktzugangsbarrieren, Schutz geistigen Eigentums oder Produkt- und Markenpiraterie werden auch in den kommenden Jahren auf der Agenda stehen. Bei der Vorbereitung beim Markteintritt können die deutschen Auslandshandelskammern (AHKs), die an den 16 wichtigsten Standorten in der Region Asien-Pazifik präsent sind, wichtige Hilfestellung leisten.

Die Autorin ist Leiterin des Referats Asien-Pazifik beim DIHK Berlin.

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