Aussichten auf größere Beteiligung im Kraftwerksgeschäft verbessern sich
Siemens findet neue Partner in Russland

Die Siemens AG baut ihr Russland-Engagement deutlich aus. Nach Handelsblatt-Informationen aus unternehmensnahen Kreisen führen die Münchner Verhandlungen über eine größere Beteiligung am russischen Maschinenbauer Silowyje Maschiny und wollen in Kürze den Bau einer Fabrik für Bosch-Siemens-Hausgeräte bekannt geben.

mbr MOSKAU. Zudem vereinbarte Vorstandschef Heinrich von Pierer vorige Woche eine strategische Partnerschaft mit dem Moskauer Mischkonzern AFK Sistema. Und der Umsatz der Telekommunikationssparte in Russland ist inzwischen zu einer festen Größe im Siemens-Konzern geworden.

Ein Siemens-Sprecher bestätigte, dass der Konzern „grundsätzliches Interesse“ an einem breiteren Einstieg bei Silowyje Maschiny habe, an dem das deutsche Unternehmen bisher schon knapp fünf Prozent der Anteile hält. Eine Übernahme sei aber „Spekulation“. Dass verhandelt wird, vor allem wegen der Gasturbinensparte der Russen, verlautete aus diplomatischen Kreisen am Rande des Kanzlerbesuchs vorige Woche in Moskau. Bei dieser Gelegenheit unterzeichnete von Pierer zunächst aber nur ein Abkommen mit der Finanzholding AFK Sistema des Moskauer Oligarchen Wladimir Jewtuschenkow.

Silowyje Maschiny ist Russlands größter Anbieter auf dem wachsenden Markt für Turbinen. Ein Siemens-Einstieg könnte jetzt wahrscheinlich werden, weil Anfang des Monats die Fusion von Silowyje Maschiny mit den Vereinten Schwermaschinenwerken (OMZ) des jetzt als Wirtschaftsminister nach Georgien gewechselten Großunternehmers Kacha Bendukidse faktisch gescheitert ist. Dabei wäre der größte Maschinenbaukonzern Osteuropas entstanden mit einem Jahresumsatz von einer Milliarde Dollar. Silowyje Maschiny gehört bisher zum Interros-Imperium des russischen Oligarchen und früheren Vizepremiers Wladimir Potanin. Der erklärte: „OMZ hat kein Interesse mehr an einem Zusammengehen .“

Deshalb könnte Siemens jetzt zum Zuge kommen. Unterdessen vereinbarten Siemens und AFK Sistema strategische Kooperationen in den Bereichen Medizin-, Bahn-, Energietechnik, Informationstechnologien, Mikroelektronik und Telekommunikation. Bisher halten die Moskauer die Mehrheit am Versicherer Rosno, an dem auch die Allianz AG beteiligt ist, sie haben Unternehmen im Einzelhandel, im Technologie-, Finanz- und Immobilien- Sektor. Vor allem aber hält Sistema die Mehrheit der Anteile an Osteuropas größtem Mobilfunker MTS, an dem die Deutsche Telekom-Tochter T-Mobile zu rund einem Viertel beteiligt ist.

Der Telekom-Sektor wird derweil auch für Siemens in Russland immer wichtiger: Mit 850 Mill. Euro Umsatz, der laut von Pierer für dieses Jahr allein im Telekom-Sektor in Russland erwartet wird, ist das östliche Riesenreich inzwischen zur festen Größe im Konzern geworden. Je nach Sparte – Telekom-Ausrüstung oder Handy-Absatz – machen die Russland-Verkäufe zwischen fünf und zehn Prozent des gesamten Konzern-Telekomumsatzes aus, sagte der für den Bereich zuständige Vorstand Rudi Lamprecht dem Handelsblatt in Moskau.

„Russland ist eines der Schwerpunktländer für Siemens Mobile, deshalb gucken wir hier nach Investitionsmöglichkeiten“, sagte Lamprecht. Mit dem Ausbau des Internationalen Software-Zentrums in St. Petersburg sowie dem Aufbau eines internationalen Service-Centers erhält Russland zu einen wichtigen Platz im Siemens-Konzern.

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