Aussichten für 2005 sind sehr gut – Konzerne stellen sich auf Pläne des Pentagons für eine High-Tech-Truppe ein
Rosige Zeiten für US-Rüstungsindustrie

Es ist alles halb so schlimm: Die Befürchtungen über schmerzhafte Kürzungen des US-Verteidigungsbudgets, die jüngst die Aktienkurse der führenden Rüstungskonzerne der USA unter Druck gesetzt hatten, haben sich als unbegründet erwiesen. Denn insgesamt sollen die Rüstungsausgaben in den nächsten Jahren weiter steigen.

je PORTLAND. Zwar soll bei einzelnen Waffensystemen gespart werden, weil sie zu teuer oder nach dem Ende des Kalten Krieges überflüssig sind. Aber gegen solche Entscheidungen haben sich die führenden US-Rüstungsschmieden doppelt abgesichert. Zum einen haben die Unternehmen nach den Konsolidierungswellen der vergangenen zwanzig Jahren ein so breites Produktportfolio, dass sie Streichungen bei einem Waffensystem meist mit erhöhter Nachfrage nach einem anderen kompensieren können.

Zum anderen gehört die Rüstungslobby zu den einflussreichsten in Washington – gegen sie sind Streichungen nur schwer durchzusetzen. Hinzu kommt: Die Konzerne haben die Produktion von Großwaffensystemen strategisch auf viele Bundesstaaten und Wahlkreise verteilt. Lockheed Martin etwa fertigt Teile des Kampfflugzeuges F/A-22 in 43 Bundesstaaten. Der für den Einsatz gegen sowjetische MIGs konzipierte Jet brauchte 20 Jahre vom Reißbrett bis zur Produktion. Er ist mit einem Stückpreis von fast 260 Mill. Dollar nicht nur das teuerste, sondern auch das überflüssigste Kriegsfluggerät der US-Geschichte.

Aber eine Streichung bedeutet den möglichen Verlust von Arbeitsplätzen in 43 Bundesstaaten, und weil das sofort heftigen politischen Widerstand provoziert, haben Großwaffensysteme neun Leben. Schon die im neuen Haushaltsentwurf von der Regierung ins Auge gefasste Reduzierung der F/A-22-Käufe um ein Drittel löste Proteste im Kongress aus, und Brancheninsider bezweifeln stark, dass Verteidigungsminister Donald Rumsfeld diese Pläne durchsetzen kann. Zudem stehen die Kürzungen frühestens in zwei Jahren an, bis dahin könne sich noch viel ändern.

Und selbst wenn sich Rumsfelds Sparkommissare durchsetzen, steht für den führenden US-Rüstungskonzern Lockheed Martin schon der nächste Großauftrag auf dem Plan: Die Anlauffinanzierung für die F-35, das einheitliche Kampfflugzeug für alle Waffengattungen der USA, ist im Budgetentwurf für 2006 gesichert. Mit rund 200 Mrd. Dollar Gesamtkosten über die Lebenszeit des F-35-Programms wird es das teuerste Waffensystem des Pentagon.

Lockheed Martin verteidigt ebenso wie die Konkurrenten Boeing, General Dynamics, Northrop Grumman und andere Waffenschmieden öffentlich vehement die Waffensysteme für das Militär der Vergangenheit, während sie sich gleichzeitig auf Rumsfelds Strategie einstellen, der eine hochmobile, elektronisch vernetzte und mit modernsten Waffen ausgerüstete High-Tech-Truppe schaffen will.

Marktführer Lockheed Martin, der im vergangenen Jahr mit 35,5 Mrd. Dollar Jahresumsatz einen Reingewinn von 1,27 Mrd. Dollar erzielte, verzeichnete die stärksten Wachstumsraten bei Gefechtsfeld-Elektronik und Informationssystemen für Militär und „Homeland Security“, die Sicherung der Heimat. Boeing – seit der Fusion mit McDonnell Douglas die zweitgrößte Waffenschmiede der USA – hat unter anderem die Federführung bei den Future Combat Systems, einem milliarden-teuren Gefechtsfeld-Kommunikationssystem für die Armee.

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