Aussichtsreiche Verhandlungen
Käufer für Thyssens US-Autosparte in Sicht

Der Düsseldorfer Mischkonzern Thyssen-Krupp steht vor dem Verkauf seines Automobilzuliefergeschäftes in den USA. Nach Angaben aus Finanzkreisen strebt der Konzern an, die Transaktion noch bis Ende September über die Bühne zu bringen.

gil/hz DÜSSELDORF. Die Verhandlungen mit potenziellen Investoren über die schwächelnde US-Autosparte, die Thyssen-Krupp in seiner Budd Company zusammengefasst hat, sind demnach weit gediehen.

Thyssen-Krupp hatte den Verkauf erst Mitte August auf einer Aufsichtsratssitzung beschlossen. Der Konzern wollte keine Angaben über einen Zeitplan für den angekündigten Verkauf des nordamerikanischen Autogeschäfts machen. „Wir stehen in aussichtsreichen Verhandlungen“, sagte ein Sprecher lediglich. Analyst Nils Lesser vom Bankhaus Merck Finck äußerte sich nicht überrascht: „Nach dem Quartalsbericht war eigentlich klar, dass sich Thyssen-Krupp in konkreten Verhandlungen befindet.“ Die Börse reagierte kaum. Die Thyssen-Aktie legte zeitweise gut ein Prozent zu.

Als mögliche Interessenten für Thyssen-Krupp Budd gelten der kanadische Zulieferkonzern Magna und der Stuttgarter Branchenprimus Bosch. Ein Sprecher im europäischen Hauptquartier von Magna im österreichischen Graz lehnte einen Kommentar dazu ab. In Branchenkreisen hieß es allerdings, eine Übernahme gelte als unwahrscheinlich. Auch Bosch wollte zu den Spekulationen nicht Stellung nehmen. Insider winkten jedoch ebenfalls ab. Laut Informationen der Tageszeitung „Welt“ verhandeln die Düsseldorfer mit mehreren industriellen Partnern, die bereits in ähnlichen Aktivitäten engagiert seien.

Nach Angaben aus Finanzkreisen hatte Thyssen-Krupp im vergangenen Jahr schon einen Interessenten aus der Finanzbranche als möglichen Käufer für die US-Autosparte gefunden. Die amerikanischen Autokonzerne hätten sich gegen eine solche Transaktion jedoch gesperrt, was Thyssen-Krupp von den Plänen habe abrücken lassen.

Thyssen-Krupp hatte vor zwei Wochen verkündet, die Sparte Automotive deutlich zu verkleinern und ab Oktober mit dem Technologiebereich zu verschmelzen. Das US-Autogeschäft steuerte bisher mit rund 4 000 Beschäftigten einen Umsatz von rund einer Mrd. Euro zum Konzernerlös bei. Erfolglos hatte Thyssen in der Vergangenheit aber versucht, das schwierige US-Geschäft auf gesündere Füße zu stellen. Die Autozulieferersparte wird von hohen Stahlpreisen und der Krise der amerikanischen Autoindustrie belastetet. Denn das Geschäft der US-Autosparte von Thyssen-Krupp ist vor allem von den heimischen Autoherstellern General Motors, Ford und Chrysler abhängig, die alle mit Problemen kämpfen und Marktanteile verlieren. Mit dem Verkauf blasen die Düsseldorfer nun zum Rückzug im strategisch wichtigen US-Autogeschäft. Thyssen-Krupp stellt in den USA Karosserie- und Fahrwerkteile her, unter anderem Autohauben, Stoßstangen, Ladeflächen und Türen.

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