Aussterbendes Handwerk
Der schleichende Tod der Bäckerei

Supermärkte und Discounter verkaufen immer mehr Brot und Brötchen zum Billigpreis. Deshalb gehen in vielen Backbetrieben die Lichter aus. 6000 Bäckereien sollen in den nächsten Jahren schließen.
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DüsseldorfSteigende Rohstoff- und Energiekosten beschleunigen das Bäckereisterben in Deutschland. Vier von zehn Backbetriebe werden bis zum Jahr 2020 vom Markt verschwinden, prognostiziert der Verband der Großbäckereien. Die Gesamtzahl der Backunternehmen werde innerhalb von 5 bis 8 Jahren von rund 14 000 auf etwa 8000 schrumpfen, sagte Verbandspräsident Helmut Klemme am Montag in Düsseldorf. Neben wirtschaftlichen Gründen spielten auch Probleme wegen fehlender Nachfolger eine Rolle.

Bei Brot und Brötchen droht nun ein Preisanstieg quer durch die Verkaufsstätten: Nach den Handwerksbäckern klagen auch Großbäckereien über steigende Kosten insbesondere bei Energie, Logistik, Verpackung und Personal. Dazu kämen höhere Weltmarktpreise für Rohstoffe durch Missernten wie in den USA sowie Spekulationen mit Nahrungsmitteln. Einige Unternehmen hätten schon die Preise erhöht, andere kämpften darum, schilderte Klemme die Situation in der Branche. Wegen des harten Wettbewerbs sei es jedoch für Großbäckereien nicht einfach, Kostensteigerungen an Supermärkte und Discounter weiterzureichen.

Zum Ausmaß des drohenden Preisanstiegs machte der Verband der Großbäckereien keine Angaben. Bereits eine Woche zuvor hatte der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks von Kostensteigerungen berichtet. Die Bäcker kämen um „eine moderate Preiserhöhung“ nicht herum, sagte der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes, Amin Werner, damals. Bereits im vergangenen Jahr seien Preise an der einen oder anderen Stelle gestiegen, erklärten die Großbäcker. Das Wachstum des Branchenumsatzes um etwa 200 Millionen auf 17,6 Milliarden Euro im Jahr 2011 gehe auf Preiserhöhungen zurück. Der Pro-Kopf-Verbrauch sei mit rund 57 Kilogramm Brot und Brötchen im Jahr stabil geblieben.

Durch die zunehmende Zahl an Backstationen in Supermärkten und bei Discountern kämen Bäcker im direkten Umfeld unter Druck. Die Hälfte der Verbraucherausgaben für Brot und Backwaren erfolgten bereits im Lebensmittelhandel. Zu den 15 000 Backstationen in Supermärkten und Discountern könnten binnen 2 bis 3 Jahren etwa 10 000 hinzukommen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Ein Beweis mehr dafür, dass Michel den Unterschied zwischen "preiswert" und "billig" leider nicht versteht...

    -Es gibt kaum ein Lebensmittel, bei dem man den Qualitätsunterschied zwischen handgemacht und grossindustriellmassengefertigt dermassen schmeckt wie bei Brot!

  • Sehr geehrte Damen und Herren!

    Leider haben Sie mit Ihrem Bericht recht.
    Ein großes Stück Kulturgut geht immer mehr den Bach runter.
    Wir (die Bäcker-Brüder) wollen mit bester Backwarenqualität (bio und Demeterprodukten) und Kundennähe um das Vertrauen und die Gunst der Verbraucher werben.
    Viele Kunden lernen den Wert von echten Lebensmitteln erst kennen wenn Sie einmal krank waren.
    Bei vielen Menschen müssen die ernährungsbedinten Krankheiten von billigen Essen mit teueren Medikamenten und Therapien ausgeglichen werden. Warum nicht gleich beste Lebensmittel kaufen und selber kochen.
    Außerdem übernimmt man Verantwortung für das was mann isst.
    Das tut gut.

    Bitte informieren Sie die Bevölkerung immer öfter über die rücksichtslosen Machenschaften der Lebensmittelmaschinerie.

    Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

    Hochachtungsvoll

    Alfons Neumeier

  • Tja, sehr schade. Aber das ist der Trend in der zivilisierten Welt. Es gibt ja fast eh nur noch Ketten, die die kleinen Einzelhändler verdrängen. Der Verbraucher will weniger zahlen und bekommt dafür nur noch Einheitsklamotten. Vielleicht gibt es ja auch bald das Euro-Brötchen, welches Geschmacks- und Größenvorgaben der EU-Kommission erfüllen muss.
    Guten Appetit

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