Australien
Öl- und Gaskonzerne ächzen unter hohen Kosten

Den australischen Rohstoffkonzernen geht es im Grunde blendend. Doch gerade der Boom der vergangenen Jahre sorgt nun für Probleme: Hohe Lohnkosten, Entwicklungsinvestitionen und eine allzu starke Währung.
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SydneyEine starke Währung und steigende Entwicklungskosten machen den australischen Öl- und Erdgasförderern zu schaffen. Gemäß einer Studie der Consultingfirma Deloitte ist der Gesamtwert der an der australischen Börse gelisteten Öl- und Gasförderer im letzten Quartal des am 30. Juni abgelaufenen Geschäftsjahres um 14 Prozent gefallen. Laut dem Deloitte-Analysten Stephen Reid ist die Sorge über die „steigenden Geschäftskosten in Australien“ verantwortlich für die Situation. Erschwerend auf das Geschäft ausgewirkt habe sich auch ein Fall des Rohölpreises um 25 Prozent.

Drei Unternehmen dominieren in Australien den Sektor: Woodside Petroleum, Santos und Origin Energy. Alle mussten jüngst bei verschiedenen Projekten deutlich höhere Entwicklungskosten bekanntgeben als erwartet. So sah sich Santos gezwungen, das Budget für das massive Gladstone-Flüssiggasprojekt im Bundesstaat Queensland um 2,5 Milliarden australische Dollar aufzustocken, das die Firma im Verbund mit der malaysischen Petronas, der französischen Total und koreanischen Kogas entwickelt.

Die Papiere von Santos verloren nach der Ankündigung ein Viertel ihres Wertes. Nicht im Index der Öl- und Gasproduzenten an der australischen Börse aufgenommen sind diversifizierte Rohstoffunternehmen wie BHP Billiton, deren Aktivität in diesem Sektor nur einen Teil des Gesamtgeschäfts ausmacht.

Die Kosten für die Erschließung und den Betrieb von Gasvorkommen in Australien beschäftigt seit geraumer Zeit Unternehmen, Analysten, Investoren und Politiker. Internationale Konzerne wie ExxonMobil, Royal Dutch Shell und Chevron – die drei sind Partner in der 43 Mrd. australische Dollar teuren Erschließung des Gorgon-Gasfeldes in Westaustralien – warnen regelmäßig vor zu hohen Kosten.

In erster Linie beklagen die Unternehmen den als Folge des Rohstoffbooms hohen australischen Dollar, Probleme mit der Produktivität und vor allem eskalierende Lohnkosten. Die landesweit steigende Zahl von Bergbauprojekten und ein akuter Mangel an Beschäftigten hat vor allem im rohstoffreichen Bundesstaat Westaustralien zu einer Situation geführt, wo Jahresgehälter von 150.000 australische Dollar (127.961 Euro) selbst für ungelernte Mitarbeiter als normal gelten.

Der Unternehmenschef von Shell warnte jüngst vor möglichen Verspätungen bei der Entwicklung der australischen Gasfelder. „Wir werden langsamer arbeiten, wenn wir langsamer arbeiten müssen“, so Peter Voser gegenüber der Australian Financial Revue. Das Unternehmen müsse sicher stellen, „die korrekte Balance zwischen Profitabilität und Kosten zu haben“. Auch Exxon Mobil klagt über die eskalierenden Gehaltskosten.

Laut der Deloitte-Studie konnten sich die Aktien von kleineren Gas- und Ölproduzenten dem Trend entziehen. Sie sind in der Regel nicht in an den Milliardenprojekten beteiligt, die dereinst tausende, wenn nicht zehntausende von Mitarbeitern beschäftigen werden – Arbeiter, die allerdings erst noch gefunden werden müssen.

Urs Wälterlin
Urs Wälterlin
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Australien: Öl- und Gaskonzerne ächzen unter hohen Kosten"

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  • Ach die armen Ölkonzerne .Nagen sie schon am Hungertuch ,
    dann muß ich wohl ein Monatsgehalt an die armen Zocker
    spenden .

    Es ist nicht zu fassen ,der Ölpreis schon seit 2011 auf Dauerhöchststand u.die Spekulanten sind immer noch gierig .
    Der Zusammenbruch der Weltwirtschaft muss hier den Markt regulieren u. zwar die Preise schnellstens runter.

    Nur so ist Marktwirtschaft realistisch .

    Heizöl u. Benzin ist nicht mehr bezahlbar .

  • Beten, daß die Kosten weiter steigen, denn der Ölpreis ist imstande, die EU zu zersteuben.

    Das ist wirklich mal eine schöne Programmvorschau:

    http://www.handelsblatt.com/images/ezb_2_08_2012_4/6954792/3.jpg?format=format4

    Habe ich mir als Hintergrund auf den Schirm geheftet.



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