Ausufernde US-Krise drückt Autokonzerne an die Wand
GM und Chrysler forcieren Notfusion

Die Ära der "Big Three" in der nordamerikanischen Autoindustrie nähert sich ihrem Ende. Wie führende US-Medien übereinstimmend berichten, forcieren der wankende Marktführer General Motors (GM) sowie Chrysler unter seinem Eigentümer Cerberus die Verhandlungen über einen Zusammenschluss noch vor den Präsidentschaftswahlen in 16 Tagen.

NEW YORK. Der Termin 4. November ist wichtig, weil die künftige US-Regierung eine entscheidende Rolle im Krisenmanagement der finanziell ausgezehrten Autokonzerne spielt. Die Kosten einer anstehenden Großkonsolidierung in Detroit, die vor allem aufseiten des Übernahmekandidaten Chrysler weitere Zehntausende Arbeitsplätze sowie Hunderte Zulieferer- und Händlerfirmen bedroht, könne GM in seiner aktuellen Verfassung nicht annähernd aufbringen, heißt es in Branchenkreisen.

GM verbrennt im Zuge der Auto-Krise derzeit mehr als 30 Mio. Dollar täglich und steuert auf einen Konkurs im nächsten Jahr zu, wenn der Vorstand um Konzernchef Rick Wagoner kein frisches Kapital beschaffen kann. Auf der anderen Seite machen die Hauptgläubiger des New Yorker Finanzinvestors Cerberus Druck, sich aus dem Abenteuer Chrysler zu verabschieden. Der stets im Hintergrund agierende Cerberus-Chef Stephen Feinberg plädiere inzwischen für eine rasche Fusion, weil er GM und Chrysler andernfalls "unumkehrbar geschwächt" sehe, schreibt die "Detroit News" unter Berufung auf Insider.

Einen Konkurs wollen die Beteiligten unter allen Umständen verhindern, heißt es in Branchenkreisen. Großbanken wie JP Morgan Chase, Citigroup, Bank of America und Wells Fargo haben bei GM, Cerberus und Chrysler zweistellige Milliardenbeträge im Feuer. Laut "Wall Street Journal" werden Cerberus und Chrysler von JP Morgan und Citigroup beraten, während GM bei den Verhandlungen von Morgan Stanley und Evercore Partners unterstützt wird.

Während des Wahlkampfs versprechen sich beide Parteien politische Unterstützung für ihren Konsolidierungsplan. Die aktuelle US-Regierung hat kürzlich bereits 25 Mrd. Dollar an Staatskrediten zugesichert - unter der Voraussetzung allerdings, dass das Geld ausschließlich für die Entwicklung alternativer Antriebe eingesetzt wird. Laut "Business Week" soll sich der demokratische Präsidentschaftsbewerber Barack Obama bereits dafür eingesetzt haben, die Kapitalspritze auf 50 Mrd. Dollar zu verdoppeln. Jetzt werde zudem darüber verhandelt, das Geld verwendungsfrei zu übergeben, schreibt das US-Magazin. GM könnte mit den Staatskrediten dann nicht nur die Entwicklung seines Elektroautos vorantreiben, sondern auch das laufende Geschäft finanzieren.

Das wird schon ohne die Milliardenlasten von Chrysler schwer genug: Der Konzern hat in den vergangenen 18 Monaten 57,5 Mrd. Dollar Nettoverlust aufgetürmt.

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