Industrie

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Ausverkauf: Biotech-Boom geht an Deutschland vorbei

Das Rheumamittel Humira von BASF war ein großer Erfolg. Doch dann machten der Konzern den Fehler und verkaufte das Patent - das große Geld dafür streichen nun andere ein. Mit diesem Problem kämpfen viele deutsche Firmen.

Drei Fahnen, die das BASF-Logo zeigen, wehen vor dem Werk in Schwarzheide im Wind. Quelle: dapd
Drei Fahnen, die das BASF-Logo zeigen, wehen vor dem Werk in Schwarzheide im Wind. Quelle: dapd

FrankfurtDer Erfolg ist ebenso unerwartet wie spektakulär. Das Rheumamittel Humira hat nach Berechnungen des Handelsblatts den Cholesterinsenker Lipitor als weltweit umsatzstärkstes Medikament abgelöst. Der Verkauf des Pharmazeutikums brachte allein im zweiten Quartal 2012 Erlöse von 2,4 Milliarden Dollar ein.

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Im Gesamtjahr wird Humira an die Umsatzschwelle von zehn Milliarden Dollar herankommen und einen Gewinn von drei Milliarden Dollar einspielen. Die Erfolgsgeschichte des gentechnisch hergestellten Antirheumatikums hätte eine deutsche Erfolgsgeschichte sein können.

Sie ist es aber nicht. Denn bereits im Dezember 2000 hat der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF seine gesamte Pharmasparte inklusive des Patents für den Humira-Wirkstoff D2E7 für 6,9 Milliarden Dollar an den US-Konzern Abbott Laboratories verkauft. Verglichen mit den heutigen Umsätzen, war dieser Preis nur ein Taschengeld und der Verkauf der Pharmasparte wohl einer der größten strategischen Fehlentscheidungen in der BASF-Geschichte. BASF ist kein Einzelfall.

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Der Ausverkauf deutscher Biotechunternehmen hält ungebrochen an. Im Januar 2012 übernahm der US-Konzern Amgen die Münchener Firma Micromet. Fünf Monate später kaufte Johnson & Johnson die deutsche Biotechfirma Corimmun. Bereits vor Jahren hatte die Schweizer Roche-Gruppe den deutschen Pharmahersteller Boehringer Mannheim erworben.

Deutschland verkauft Zukunftschancen. "Die deutsche Pharmaindustrie war traditionell stark chemiedominiert und hat daher nicht gesehen, welche Möglichkeiten in der Biotechforschung steckten", sagt Siegfried Bialojan von der Unternehmensberatung Ernst & Young.

Biotechnologie

Hinzu kommt: In der deutschen Bevölkerung trifft die Gentechnik nicht nur bei Nahrungsmitteln, sondern auch in der Medizin traditionell auf starke Vorbehalte. So musste etwa der Hoechst-Konzern fast zehn Jahre lang gegen den Widerstand von Politik und Bürgern um die Genehmigung einer gentechnischen Insulinanlage kämpfen - und fiel damit im internationalen Diabetesgeschäft hoffnungslos zurück. Heute ist das Unternehmen nur noch Teil des französischen Sanofi-Konzerns.

Die Konsequenz: Deutsche Biotechnologieunternehmen erzielen heute nur noch einen Umsatz von 1,1 Milliarden Dollar. Die US-Konkurrenten hingegen setzen 58,8 Milliarden Dollar um und dominieren den Weltmarkt. Von den zehn umsatzstärksten Medikamenten der Welt stammen sechs aus gentechnischer Forschung. Und jedes zweite der Top-Ten-Arzneien kommt aus den USA.

  • 18.09.2012, 10:47 UhrDialogos

    Die Entscheidung der BASF, die Pharmasparte zu verkaufen, erweist sich mitnichten als eine einmalige Fehlentscheidung, sondern stellte nur die letzte einer langanhaltenden Serie von Fehlentscheidungen und Mißmanagement in diesem Geschäftsfeld dar

  • 08.09.2012, 17:04 UhrRevisor

    Ach so ist das.... na dann haben wir ja eigentlich gar kein Problem.

    Eigentlich klar. Dann ist der systematische deutsche Braindrain und die Auswanderung deutscher Spitzenkräfte und Hochschullehrer nach USA, der Schweiz und Singapur natürlich nur eine Fatamorgana......

  • 08.09.2012, 16:08 UhrTomGross

    Es scheint so als wäre in Deutschland die wissentschaftliche oder wirtschaftliche Basis in einer globalisierten Welt für manche Tehnologiefälder nicht vorhanden, oder zumindest das ist was die Unternehmer denken. Das mit der Biotech ist nicht die Ausnahme. Unternehmen sollten beser langfristig denken und mehr Risiko eingehen sonst wird langfristig die ganze wirtschaft allein vom Auto und Maschinenbau abhängen

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