Auswirkung der Finanzkrise
RAG-Stiftung bremst bei Evonik-Börsengang

Wegen der Turbulenzen an den Kapitalmärkten wackelt der Zeitplan für den Börsengang des Mischkonzern Evonik. Denn der neue Eigentümer von Evonik, die RAG-Stiftung, will die Anteile an dem Essener Unternehmen nur dann an die Börse bringen, wenn sich ein angemessener Preis erzielen lässt.

DÜSSELDORF. „Niemand von uns kann wissen, wie sich der Kapitalmarkt und das Interesse von Investoren im nächsten Jahr entwickeln werden. Deshalb möchte ich für die Stiftung keinen Termin setzen“, sagte Stiftungschef Wilhelm Bonse-Geuking in Düsseldorf.

Nach dem bisherigen Zeitplan von Evonik -Chef Werner Müller sollte der in den Sparten Chemie, Energie, Immobilien tätige Mischkonzern bis zum Sommer 2008 an die Börse gehen. Evonik ist aus der früheren RAG hervorgegangen. Mit einem Unternehmenswert, den Analysten auf sechs bis acht Mrd. Euro schätzen, wäre Evonik eine der größten Neuemissionen in Deutschland im nächsten Jahr. Mit den Einnahmen aus dem Aktienverkauf sollen die Folgekosten des deutschen Steinkohlebergbaus, die etwa durch das notwendige Abpumpen des Grubenwassers und der Grundwasserreinigung entstehen, gedeckt werden. Ein Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG beziffert diese Kosten mit 6,9 Mrd. Euro. Diese Summe muss die RAG -Stiftung, die allein für die Finanzierung der Bergbaualtlasten aufkommt, bis zum voraussichtlichen Ende der Steinkohlenförderung in Deutschland im Jahr 2018 erwirtschaftet haben.

Deshalb wollen die Stiftung und der Evonik -Vorstand die Vorbereitungen für den Börsengang vorantreiben. Parallel prüfen Bonse und Müller einen Verkauf eines Aktienpakets an Investoren. Beobachter gehen davon aus, dass die Stiftung wegen der durch faule Immobilienkredite in den USA ausgelösten Finanzkrise Abstriche beim Preis machen muss. Einige Investoren haben geplante Übernahmen bereits abgesagt, da die Banken Fremdkapital nicht mehr so großzügig bereit stellen wie bisher. Ungeachtet der deutlich verschlechterten Rahmenbedingungen hält die Stiftung daran fest, 2008 bis zu ein Drittel der Evonik -Aktien zu verkaufen. „Unser oberstes Ziel lautet, zügig einen Kapitalstock aufzubauen“, sagte Bonse.

Das Interesse an Evonik sei ungebrochen, es hätte bereits „Orientierungsgespräche“ mit Investoren gegeben. Ein konkretes Angebot liege aber noch nicht auf dem Tisch. Die Stiftung suche vorrangig nach langfristigen Investoren, die nicht "nach kurzer Zeit wieder draußen sind“. Während Evonik -Vorstandschef Müller verstärkt für den Einstieg eines Finanzinvestors wirbt, setzt die Stiftung vorrangig auf den Börsengang. Diesen sehe die Stiftungs-Satzung als "Hauptoption“ vor.

Nach dem Ausstieg der bisherigen RAG -Aktionäre Eon, RWE, Thyssen -Krupp und Arcelor-Mittal will sich die aus der RAG hervorgegangene Evonik in mehreren Schritten für neue Anteilseigner öffnen. Geplant sei der Verkauf von drei Tranchen in den Jahren 2008, 2010 und 2012, präzisierte Bonse den Zeitplan für die Verwertung des Stiftungsvermögens.

Die Stiftung will dauerhaft einen Anteil von 25,1 Prozent an Evonik halten. Mit dieser Sperrminorität kann sie verhindern, dass Investoren den Mischkonzern zerlegen und in Einzelteilen verkaufen. Eine "Wertbremse“ sieht Bonse in der Sperrminorität nicht, obwohl die Stiftung von der Politik und den Gewerkschaften stark beeinflusst wird.

Bonse, ab Januar 2008 neuer Aufsichtsratschef von Evonik, sieht sich in dieser Rolle nicht als bloßer Aufseher des Evonik -Vorstands. „Die Stiftung sieht sich als unternehmerischer Eigentümer“, sagte er. Deshalb werde die Frage einer Kapitalerhöhung bei Evonik erörtert, zudem schloss er Veränderungen im Portfolio nicht aus. "Der Konzern muss nicht in zehn Jahren noch seine jetzige Struktur haben“. Finanzkreise spekulieren etwa seit langem über einen Verkauf der Immobilien.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Redakteur
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