Auswirkungen der Finanzkrise
Industrie gerät unter die Räder

Die Folgen der Finanzkrise haben nun auch den deutschen Maschinenbau nach unten gezogen. Zum Teil brachen die Neuaufträge um mehr als 50 Prozent ein. Nach dem Auftragseinbruch im Oktober erwarten Experten und Unternehmer auch für 2009 weitere Rückschläge.

DÜSSELDORF/STUTTGART. "Der Auftragseingang ist sehr schlecht, und damit wird der Umsatz 2009 auch sehr schlecht ausfallen", sagte Alexander Malkwitz, Experte der Beratungsgesellschaft A.T. Kearney, nach Gesprächen mit Unternehmern aus der Metallbranche. Der Umsatzrückgang werde in einigen Feldern deutlich ausfallen.

Begonnen hat der massive Abschwung Mitte Oktober, wenige Wochen nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers. In der deutschen Großindustrie hatte der Einbruch im Maschinenbau unmittelbare Folgen. Schwergewichte wie Thyssen-Krupp oder BASF haben einschneidende Sparprogramme erlassen. Sie mussten ihre Budgetplanungen verwerfen und das schlechtere Marktumfeld einarbeiten. Die Unternehmen fahren nun auf Sicht. So hat Thyssen-Finanzvorstand Ulrich Middelmann eigenen Angaben zufolge wegen der unsicheren Lage das Controlling intensiviert und lässt Kennzahlen in kürzeren Abständen überprüfen, um böse Überraschungen zu vermeiden.

Nach dem Auftragseinbruch im Oktober erwarten Experten und Unternehmer auch für 2009 weitere Rückschläge. "Der Auftragseingang ist sehr schlecht, und damit wird der Umsatz 2009 auch sehr schlecht ausfallen", sagte Alexander Malkwitz, Experte der Beratungsgesellschaft A.T. Kearney, nach Gesprächen mit Unternehmern aus der Metallbranche. Der Umsatzrückgang werde in einigen Feldern deutlich ausfallen.

Vom schwarzen Oktober getroffen wurde auch die Klöckner-Werke AG, eine Tochter des Dax-Aufstiegskandidaten Salzgitter. In diesem Monat habe sich das Geschäft wie noch nie zuvor abgekühlt, sagte Vorstandschef Roland Flach dem Handelsblatt. Er senkte daher gestern den Ausblick für das gesamte Jahr. "In den vergangenen Wochen sind die Bestellungen bereits gefallen; das trifft uns wie auch andere Unternehmen." Statt eines operativen Gewinns auf dem Vorjahresniveau von 52,4 Mio. Euro erwartet Flach nun einen Rückgang.

Mit einer Prognose für seine Gesellschaft hielt er sich zurück, mahnte aber: "2009 wird für die Branche der Maschinenbauer ein schwieriges Jahr." Der Abschwung im mittelständisch geprägten Maschinenbau spiegelt sich in der Auftragslage für den Oktober wider. Nach Angaben des Branchenverbands VDMA bestellten die Kunden 16 Prozent weniger Maschinen und Anlagen bei den Herstellern, wobei vor allem die Nachfrage aus dem Ausland sank. "Solch einen Rückgang haben wir zuletzt im Jahr 2002 gesehen", sagte VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers gestern.

Für die Misere in der deutschen Schlüsselbranche machte er die Krise an den Finanzmärkten verantwortlich, die für eine Verunsicherung bei den Kunden gesorgt habe. Das Vertrauen in die Märkte müsse wieder hergestellt werden, damit die Branche wieder in ruhigeres Fahrwasser komme. Einer Umfrage der DZ-Bank zufolge rechnet knapp jeder dritte Mittelständler aus der Metallbranche mit einer Verschlechterung seines Geschäfts über die kommenden sechs Monate. So kommt es zu der außergewöhnlichen Situation, dass der Mittelstand zwar noch gute Umsätze vermeldet, jedoch außergewöhnlich schlechte Geschäfte erwartet. "Noch nie seit Bestehen unserer Umfrage wurden die Geschäftsaussichten so pessimistisch eingeschätzt, und noch nie klafften Lagebeurteilung und Erwartungen so weit auseinander", sagte der Chefvolkswirt der DZ-Bank, Hans Jäckel.

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