Auswirkungen der US-Immobilienkrise
Kreditklemme gibt US-Automarkt den Rest

In der Vergangenheit wurden Millionen Autos über Eigenheim-Kredite finanziert. Jetzt stehen GM, Ford & Co. vor einem schlimmen Absatzeinbruch: Im laufenden Jahr droht der Verkauf um rund eine Million Fahrzeugen gegenüber dem Vorjahr einzubrechen.

STUTTGART, NEW YORK, DÜSSELDORF. Die Krise im größten Automarkt der Welt spitzt sich zu und stellt die Vorstände der führenden US-Hersteller vor ein neues Rätsel. Kaum haben sich General Motors (GM), Ford und Chrysler zurechtgeschrumpft, um es kostenmäßig mit japanischen Rivalen wie Toyota oder Honda aufnehmen zu können, werden sie vom schlimmsten Absatzeinbruch seit Jahrzehnten getroffen. Eine Kombination aus Immobilienkrise, verschärften Kreditbedingungen und steigenden Benzinkosten hält immer mehr US-Konsumenten vom Autokauf ab. Industrievertreter gehen inzwischen davon aus, dass 2008 in Nordamerika mindestens eine Million Fahrzeuge weniger verkauft werden als im Vorjahr. Damit würde eine der Schlüsselbranchen Amerikas auf den Stand von 1995 zurückgeworfen, schreibt der Branchendienst J.D. & Associates.

Die jüngste Verkaufsstatistik zeigt insbesondere Modelle mit schwachen Verbrauchsdaten dramatisch im Minus. So brachen die Absatzzahlen des Ford-Kleinlasters F-150, dem seit Jahren meistverkauften Fahrzeug in den USA, im April um 27 Prozent ein. Auch die Wettbewerber GM und Chrysler leiden darunter, dass ihre Angebotspaletten auf den kollabierenden Markt für schwere Geländewagen und Kleinlaster ausgerichtet sind. "Die Menschen haben erkannt, dass die Preise nicht zurückgehen und richten sich auf höhere Energiekosten ein. Es ist eine Kapitulation", sagte Analystin Sara Johnson von Global Insight.

Ford hat diesmal als Erster reagiert, weitere Entlassungen angekündigt und seinen Plan, 2009 in die schwarzen Zahlen zu fahren, als unerreichbar bezeichnet. Branchenbeobachter erwarten, dass Marktführer GM in Kürze nachziehen wird. Vorstandschef Rick Wagoner wird auf der Hauptversammlung des Konzerns am morgigen Dienstag kaum daran vorbeikommen, zumindest die Eckpunkte eines neuerlichen Sparplans aufzuzeigen. Zwar hat Wagoner in den vergangenen drei Jahren schon neun Mrd. Dollar an Fixkosten aus dem Konzern geschnitten und dabei Zehntausende Jobs gestrichen. Investoren senken aber den Daumen, weil GM auch weiterhin hohe operative Verluste schreibt. Die Aktien des US-Schwergewichts sind in der Vorwoche unter 17 Dollar und damit auf den niedrigsten Stand seit 26 Jahren gefallen.

Allmählich werden die ganzen Hintergründe des Absatzeinbruchs offensichtlich. Wie große Teile der Wirtschaft haben auch GM, Ford und Chrysler die Kauflaune ihrer Konsumenten deutlich überstrapaziert. Der Absatz in den vergangenen Jahren war künstlich aufgebläht, geholfen haben billige Kredite und riskante Wetten auf die eigene Immobilie. Im US-Bundesstaat Kalifornien etwa wurden 2007 fast 30 Prozent aller Neuwagen über sogenannte "Home Equity Loans" gekauft, ein für deutsche Verhältnisse absurd hoher Prozentsatz. US-weit lag der Anteil des Autoabsatzes mit Krediten, die über das Eigenheim abgesichert wurden, im Vorjahr bei zwölf Prozent.

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