Auto-Design
Das Accessoire aus dem Auto-Salon

Junge Frauen waren schon immer auf japanischen Automessen zu finden, doch meist als Hostessen um die männliche Kundschaft zu locken. Das soll sich ändern: Japans Autokonzern wollen auch die autofernen jungen Frauen als Kundinnen gewinnen - und setzen besonders auf Strass und Japan-Kitsch.

TOKIO. Der Verkaufsraum würde einem Handtaschenhersteller zur Ehre gereichen. Ein grell rot lackierter Toyota "DecoPrius" steht in einem Verkaufsraum auf der schicken künstlichen Einkaufsinsel Odaiba, die vor der Tokioter Innenstadt liegt. Das Fahrzeug kommt bei den modebewussten jungen Erwachsenen recht gut an, versichert die 23-jährige Erika Horiki, die mit ihrem Cowboyhut, den auffälligen Stiefeln und der kurzen Jeans ganz in das Schema der angepeilten Zielgruppe passt. "Für Autos interessiere ich mich eigentlich nicht", bekennt sie, "aber ich denke, dieses Auto ist niedlich."

Damit hat der Showroom sein Ziel erfüllt. Er zählt zu einer Offensive, mit der Japans Auothersteller vor allem junge Frauen als Kunden gewinnen wollen. Auf ihrem Heimatmarkt haben Toyota Motor Corp. und Honda mit einem Imageverfall bei den ganz jungen Japanern zu kämpfen. Autos sind in der Welt der Generation um die 20 Jahre nicht länger cool. Toyota möchte nun die besonders autofernen jungen Frauen ansprechen. Damit tauchen mit Strass und allerlei Japan-Kitsch ausgestattete Hybrid-Fahrzeuge in den Schauräumen auf, die sich am Design von Handys orientieren. Honda setzt gar auf eine Art Retro-Manga-Ästhetik.

Honda sicherte sich sogar die Dienste von Cozy Tomato, einem angesagten Designer. Seine Graphiken sind eine kindgerechte Mischung europäischer Werbe-Piktogramme der fünfziger Jahre und bunten Vorschul-Kinderbüchern.

Das Thema für Honda: Junge Mütter und deren automobile Welt. "Wenn wir uns nicht selbst herausfordern und selbst merkwürdige Wege einschlagen, dann wäre es sinnlos", sagt Tomio Tsukagoshi von Amlux Toyota Co. Sein Unternehmen be-treibt den Showroom auf Odaiba.

Wie auch in vielen europäischen Metropolen, erlebt das Auto derzeit auch bei der jungen japanischen Generation einen drastischen Imageverfall. Unter den 25 populärsten Produkten und Dienstleistungen von Studenten kommen Autos gerade einmal auf den 17. Rang, wie der japanische Verband der Autoindustrie feststellen musste. Sie rangierten damit weit hinter Computern, Kleidung, Reisen, Handys und Musikplayern. In der Gruppe der 40 bis 50-jährigen erreichte das Auto mit Platz sieben eine weitaus bessere Position.

Die 24-jährige Entertainerin Shiho Fujita bringt die Haltung ihrer Generation auf den Punkt: "Wenn ich mich mit meinen Freundinnen treffe, und mein Freund kommt in einem Auto vorbei, um mich abzuholen, dann ist mir das irgendwie peinlich", sagt sie.

Entsprechend sinkt unter den jungen Japanerinnen auch die Quote der Führerscheinbesitzerinnen.

Dass Autos zunehmend als uncool gelten, verstärkt einen ohnehin bestehenden Trend in der japanischen Gesellschaft, die so schnell altert, wie kaum eine zweite: Fast jeder fünfte Japaner ist bereits älter als 65 und die Quote der ganz Jungen unter 15 ist so niedrig wie nirgendwo sonst. Der Markt sei mittlerweile zunehmend gesättigt und außerdem ist, wie Honda - Vize Koichi Kondo in einem Interview mit dem Informationsdienst Bloomberg sagte, der öffentliche Nahverkehr gut ausgebaut. Heute ist der typische Käufer eines Toyota Prius in 90 Prozent der Fälle männlich und zu 70 Prozent zwischen 50 und 60 Jahren alt, wie CSM Worldwide in Tokio herausfand.

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