Auto-/Industriekonzern
Fiat bestätigt Ziele – und enttäuscht Anleger

Fiat hat 2010 seinen Handelsgewinn verdoppelt. Der italienische Konzern hat seine Ziele bis ins Jahr 2014 bestätigt. Dennoch enttäuschte er die Anleger.
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MailandDer mittlerweile aufgespaltene Fiatkonzern hat mit seinem letzten gemeinsamen Konzernergebnis die Erwartungen des Markts übertroffen. Der Nettogewinn lag im vergangenen Jahr bei 600 Millionen Euro. Noch im Jahr zuvor hatte der italienische Traditionskonzern 848 Millionen Euro Verlust geschrieben. Der Umsatz legte um mehr als zwölf Prozent auf 56,3 Milliarden Euro zu. Das positive Ergebnis verdankt Fiat vor allem den Iveco-Lastwagen, den Land- und Baumaschinen von Case New Holland (CNH) und den starken Autoverkäufen in Brasilien.

Seit dem Jahreswechsel gehen die Autosparte unter dem Namen Fiat SpA und die LKW-und Nutzfahrzeug-Sparte unter dem Namen Fiat Industrial getrennte Wege. Beide sind auch separat an der Börse notiert. Von dem Nettogewinn des vergangenen Jahres ging mit knapp zwei Dritteln der Großteil auf das Konto der heutigen Fiat Industrial mit Inveco und CNH. Beim Umsatz dagegen macht Fiat SpA mit knapp zwei Dritteln den Großteil aus.

Fiat hat das Geschäft aufgespaltet, weil Konglomerate nach Ansicht des Vorstandsvorsitzenden Sergio Marchionne nicht mehr zeitgemäß sind. Außerdem macht es die Trennung nicht den Sparten leichter, Kooperationen mit anderen Herstellern einzugehen. Schon heute kontrolliert Fiat den US-Hersteller Chrysler, den Marchionne neben Fiat in Personalunion führt.

Fiat hat derzeit vor allem in Europa mit dem herben Verlust an Marktanteilen zu kämpfen. Nachdem das Unternehmen inmitten der Finanz- und Wirtschaftskrise von den Verschrottungsprämien für spritsparende Autos profitiert hat, brach der Absatz mit Auslauf der Prämien wieder ein. Im vergangenen Jahr hat Fiat auf dem wichtigen Heimatmarkt Italien 16 Prozent weniger Autos verkauft. In Deutschland fiel der Absatz sogar um mehr als die Hälfte. Nur einzelne kleinere Benelux-Länder, Dänemark, Portugal und Brasilien konnten die Lage noch halbwegs retten, sodass der Umsatz der Autos insgesamt um sechs Prozent gestiegen ist.  

Für die kommenden vier Jahre bestätigte Fiat seine bisherigen Ziele. Im laufenden Jahr will Fiat SpA 37 Milliarden Euro umsetzen, also drei Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Der Nettogewinn soll um fast ein Drittel auf 300 Millionen Euro steigen. Für die LKW- und Land-und Baumaschinen von Fiat-Industrial strebt das Management beim Umsatz ebenfalls einen dreiprozentigen Anstieg auf 22 Millionen Euro an. Der Nettogewinn soll sich dort jedoch sogar verdoppeln.

Investoren hatten gehofft, dass Fiat die Latte vor allem für die gut laufende Industrie-Sparte noch höher setzt. Der Aktienkurs von Fiat Industrial verlor daher trotz der guten Ergebnisse gestern deutlich an Wert. Der Kurs der traditionellen Fiat-Aktie verlor ebenfalls. Beide Aktien hatten nach der Abspaltung zum Jahreswechsel deutlich zugelegt. „Jetzt, da der Alltag Fiat zurück hat, sieht man, dass es denen gar nicht so gut geht“, sagt Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Fiat habe keine neuen Automodelle im Angebot und werde im laufenden Jahr Marktanteile verlieren.

In jüngster Zeit bereiten auch die eigenen Mitarbeiter dem Vorstandsvorsitzenden Kopfschmerzen. Sie haben jüngst im Stammwerk Mirafiori dem Referendum zu den neuen Arbeitsregeln nur mit einer knappen Mehrheit zugestimmt. Für Freitag hat die Gewerkschaft Fiom bereits einen neuen Streik gegen die neuen Regeln angekündigt.

 

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

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