Auto-Krisengipfel
Die Bettler aus Detroit

Allein der Staat kann die US-Autoindustrie noch vor dem finanziellen Kollaps retten. Die Konzernchefs von GM, Ford und Chrysler pilgern heute erneut als Bittsteller nach Washington. Die einstigen Macher der ehemaligen US-Vorzeigeindustrie sind längst zu Getriebenen und zum Spielball der Politik geworden.

NEW YORK. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz in Amerika: Wer den Staat als letzte Rettung vor der Pleite ruft, hat als Manager verloren. Schon die beiden Konzernchefs von Fannie Mae und Freddie Mac wurden mit Schimpf und Schande entlassen, nachdem die US-Regierung im September 2008 das Kommando bei den wankenden Hypotheken-Riesen übernommen hatte. Robert Willumstad erging es ähnlich: Er war noch keine vier Monate Chef des Versicherungs-Riesen AIG, da musste er auf Druck von Washington bereits wieder gehen. US-Finanzminister Henry Paulson lieferte AIG nicht nur eine lebensverlängernde Kapitalspritze, sondern einen neuen Konzernchef gleich mit.

Rick Wagoner ist bei General Motors (GM) nach wie vor im Amt, aller Kritik zum Trotz. Es sei "ein kleines Wunder", dass Wagoner noch einen Job habe, spottete die sonst so seriöse New York Times kürzlich. Schließlich sieht die persönliche Bilanz des hoch aufgeschossenen Auto-Managers, der seit acht Jahren an der Spitze der Opel-Konzernmutter steht, mit jedem Quartal verheerender aus: Fast 80 Mrd. Dollar hat GM allein seit 2005 verloren - mithin in einer Phase, in der die Autoindustrie weltweit gesunde Wachstumsraten aufwies. Derzeit verbrennt der größte US-Autokonzern mehr als zwei Mrd. Dollar Liquidität pro Monat, ohne Aussicht auf rasche Besserung. Branchenexperten verweisen bei der Frage, weshalb Wagoner noch im Amt sei, auf die Ratlosigkeit im 14-köpfigen Board des größten US-Autokonzerns. GM sei in dieser Phase nicht damit geholfen, den Konzernchef zu feuern, glaubt Gerald Meyers, Wirtschaftsprofessor an der Universität Michigan. Schließlich könne auch ein Nachfolger nichts mehr tun, um die Firma aus eigener Kraft zu retten.

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