„Auto Shanghai 2005“
Deutsche Autobauer hat es in China eiskalt erwischt

Auf dem weltweit wichtigsten Wachstumsmarkt China drohen die deutschen Autobauer in Anbetracht sinkender Margen und kräftiger Gewinneinbrüche unter die Räder zu kommen. Fast verzweifelt suchen die Hersteller nach Wegen aus der Flaute.

HB SCHANGHAI. Der Marktführer Volkswagen hat vor wenigen Tagen einen Wechsel in der Führung seines wichtigsten Auslandsmarkts angekündigt und will mit Einsparungen Kosten senken. BMW und Audi haben ebenso wie VW die Preise um bis zu 13 % gesenkt, um die Nachfrage anzukurbeln. Mit einer Vielzahl neuer Asienpremieren auf der Automesse Schanghai wollen die Hersteller von diesem Donnerstag an (21.) neue Kunden locken.

Rund 1000 Aussteller werden auf der „Auto Shanghai 2005“ (21.-28. April) ihre Wagen präsentieren, darunter auch 50 deutsche Autozulieferer. Die Veranstalter erwarten etwa 350 000 Besucher. Mercedes setzt mit der A-Klasse ebenso wie Audi mit dem A6 auf Langversionen, die extra für den chinesischen Markt und das Raumbedürfnis der Chinesen gebaut werden. BMW zeigt die 3er Limousine und den überarbeiteten 7er, Volkswagen den Golf GTI. Die VW-Tochter Skoda kündigte an, den Mittelklasse-Wagen Octavia von 2007 an in Schanghai zu produzieren.

Besonders schlimm hat es den Pionier und Marktführer in China erwischt, Volkswagen. Das operative Geschäft der chinesischen Gesellschaften hatte sich 2004 auf 222 Mill. € mehr als halbiert. In diesem Jahr drohe ein Verlust von mindestens 400 Mill. €, heißt es in einer Studie des Investmenthauses Goldman Sachs. Die früher üblichen Margen von 10 % sind für VW längst Vergangenheit. Kritiker werfen dem Konzern eine falsche Modellpolitik vor. „Ehrlich gesagt war es die völlig falsche Entscheidung, den Polo in China einzuführen“, räumte VW-Chef Bernd Pischetsrieder ein.

Der Verdrängungskampf ist in vollem Gang, vor allem Japaner und Koreaner rollen auf den Markt. General Motors und Hyundai haben im vergangenen Jahr VW Marktanteile abgejagt und sind mit zweistelligen Prozentraten gewachsen - VW dagegen schrumpfte von 30 auf 25 % Marktanteil. „Der weltgrößte Autobauer General Motors (GM) hat mit Rabatten von 20 % einen verrückten Preiskrieg angezettelt und macht die Preise kaputt“, sagt Autoanalyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. „Alle Hersteller haben Schwierigkeiten.“

Wenn die deutschen Autobauer ihren Anteil von rund 35 % in diesem Jahr halten könnten, sei das ein großer Erfolg, sagen die Analysten. Seitdem die chinesische Regierung nach den Boomjahren 2004 die Kreditvergabe einschränkte, hat sich das Wachstum auf nur noch 15 % reduziert. Die Überkapazitäten nehmen stetig zu.

Wegen der schwierigen Lage haben die deutschen Hersteller ihre Ziele für 2005 nach unten geschraubt. BMW will nach einem Absatzrückgang im vergangenen Jahr von zehn Prozent nun wieder „ein Plus sehen“. Viele Hersteller verfolgen ihre Ausbaupläne mit weniger Elan als ursprünglich. Der Ratschlag der Marktkenner lautet: nach den guten Jahren in China müssen die deutschen Marken effizienter werden.

„Sie müssen die Kosten senken, sie müssen Modelle anbieten, die den Geschmack der Kunden treffen, und die Werke gut auslasten“, sagt Analyst Hans-Peter Muntzke von der Dresdner Bank. Wichtig sei auch ein eigenes Finanzierungsgeschäft. Als zweiter deutscher Autokonzern nach VW hat Daimler-Chrysler die Zulassung für eine Kfz-Finanzierung erhalten und will im Herbst 2005 starten. Langfristig wird keiner an China vorbei kommen, sind sich alle einig. „In Zukunft wird der goldene Markt China nur noch ein silberner Markt sein - aber allemal besser als der europäische Markt“, sagt Pieper.

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