Die Autoindustrie von morgen

Autobauer
Drohende CO2-Strafen setzen Konzerne unter Druck

Wenn es der Autobranche nicht gelingt, die CO2-Vorgaben der EU zu erfüllen, treffen die Hersteller hohe Strafen. Den Massenmarkt mit E-Autos abzudecken, geht nicht so schnell. Ingenieure hoffen auf eine „milde“ Hybridtechnik.
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Hamburg/München/FrankfurtNot macht erfinderisch: Die europäischen Autobauer arbeiten mit Hochdruck an neuer Technik, um den Spritverbrauch und damit den Ausstoß an klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2) für ihre Flotten zu senken. Denn 2021 drohen hohe Strafen, wenn es der Branche nicht gelingt, die CO2-Vorgaben der EU zu erfüllen. Schon einige Gramm zu viel können einen Autobauer dann Hunderte Millionen Euro Strafe kosten. „Die Ziele wird man nur erreichen, wenn man Null-Emissions-Fahrzeuge in die Flotte aufnimmt“, sagt Axel Schmidt von der Unternehmensberatung Accenture. Doch die Massenproduktion von reinen Elektroautos ist noch Zukunftsmusik. Deshalb tüfteln Ingenieure intensiv an bezahlbaren Alternativen - die „milde“ Hybridtechnik mit 48 Volt ist hier der heiße Kandidat.

Während die Politik schon über den dritten Schritt zur Reduktion des CO2-Ausstoßes von Fahrzeugen bis 2030 diskutiert, müssen die Autobauer erstmal Stufe zwei erreichen: Bis 2021 soll die Pkw-Neuwagenflotte in der EU im Schnitt die CO2-Emissionen auf 95 Gramm je Kilometer von 130 Gramm im Jahr 2015 senken. Nach Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes lag der Durchschnitt in Deutschland fast in jedem Monat dieses Jahres mit rund 128 Gramm leicht über dem Vorjahr. Damit sind 2017 voraussichtlich erstmals seit Inkrafttreten der Vorschriften 2009 die Emissionen nicht mehr gesunken. Für jedes Gramm über dem Limit muss der Hersteller 95 Euro Strafe je verkauftem Fahrzeug berappen.

Schuld an der Entwicklung ist nicht zuletzt der von der Branche selbstverursachte Abgasskandal, der die Nachfrage nach Diesel-Fahrzeugen hat einbrechen lassen. Sie stoßen zwar mehr Stickoxid aus, aber weniger CO2. Viele Kunden sind wegen drohender Fahrverbote in Großstädten verunsichert - und greifen lieber wieder zum Benziner. „Wenn die Diesel-Zulassungen auf diesem niedrigen Niveau bleiben, werden die CO2-Ziele 2021 dramatisch verfehlt“, prophezeit Autoprofessor Stefan Bratzel.

Besonders dramatisch ist die Lage bei Opel. So offenbarte der neue Eigner PSA kürzlich, dass nach aktuellem Stand die Marke mit dem Blitz-Logo ihr CO2-Ziel verfehlen und zahlen müsste. PSA-Chef Carlos Tavares will nun Geldstrafen verhindern, indem Opel im Konzern zusammen mit den Marken Peugeot und Citroen schnellstens „elektrifiziert“ wird.

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