Die Autoindustrie von morgen

Autonomes Fahren Wie die japanischen Autobauer das Rennen machen wollen

Die Tokyo Motor Show zeigt einen Trend: Japans Hersteller wollen die Ära des autonomen Fahrens mitbestimmen. Bei der Einführung neuer Fahrassistenten setzen sie massiv auf die automobile Mittelklasse.
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Beim japanischen Autobauer sollen die Fahrer künftig nahtlos zwischen der Steuerung durch den Menschen und dem Roboauto wechseln können. Quelle: dpa
Toyotas Vize-Präsident Didier Leroy

Beim japanischen Autobauer sollen die Fahrer künftig nahtlos zwischen der Steuerung durch den Menschen und dem Roboauto wechseln können.

(Foto: dpa)

TokioAi heißt auf japanisch Liebe. Und genau mit diesem Schriftzeichen schreibt Toyota den japanischen Namen seines Stars auf der Tokyo Motor Show: des „Concept i“. Flach duckt sich die weiße Elektroflunder am Messestand, das Toyotas Ideal eines autonomen Autos verkörpert. Dank künstlicher Intelligenz soll das Auto nichts weniger als der beste, intimste Partner des Menschen werden, um ihn emotional an die Marke zu binden. So sagen es die Ingenieure.

Außen blinzelt es dazu mit den Scheinwerferaugen und kommuniziert über Schriftbänder mit der Außenwelt. Innen wird es künftig nicht nur die Aufmerksamkeit des Fahrers, sondern vor allem dessen Gefühle erkennen und darauf reagieren, ihn aufmuntern oder beruhigen können. Das Steuer muss der Mensch jedoch nicht aus der Hand geben – der „Concept i“ soll nahtlos zwischen der Steuerung durch den Menschen und dem Roboauto wechseln können.

Toyotas Konzeptauto steht damit Beispielhaft für Weg der japanischen Autohersteller auf dem Weg zum autonomen Fahren. Anders als andere Hersteller, die voll auf Roboterautos setzen, wollen Toyota, Nissan und Honda zwar den Fahrern auf Wunsch das Steuer aus der Hand, aber nicht gänzlich wegnehmen.  

Auf den ersten Blick erscheint es, dass Japans Hersteller beim autonomen Fahren technologisch zurück liegen. So kann kein Auto aus Japan, was bei Audis Limousine A8 längst möglich ist: Völlig freihändiges Fahren bis 60 Kilometer pro Stunde. Ab 2020 soll Audis neuer e-Tron Sportback sogar bei 130 km/h freihändig fahren. Japans Autofahrer müssen selbst in den Top-Modellen mindestens eine Hand am Steuer lassen.

Das sind die Bestseller von Toyota
Platz 10 - Hilux - 35.719 verkaufte Fahrzeuge in Europa
1 von 10

Der japanische Pickup schafft es in Europa nur knapp in die Spitzenränge. In Thailand ist der Riese sogar das meistverkaufte Modell der Japaner.

Stand: Gesamtjahr 2014

Platz 9 - Verso - 37.339 verkaufte Fahrzeuge in Europa
2 von 10

Der Familienkutsche sieht man die Verwandtschaft zum Auris an. Doch der Siebensitzer ist noch ein wenig geräumiger als sein Schwestermodell.

Platz 8 - Camry - 39.884 verkaufte Fahrzeuge in Europa
3 von 10

In den USA ist die Mittelklasse-Limousine ein absoluter Verkaufsschlager. In Europa konzentriert man sich mit dem Modell auf die Wachstumsmärkte im Osten. Allerdings reicht das noch für einen Platz in der Top Ten.

Platz 7 - Land Cruiser - 52.158 verkaufte Fahrzeuge in Europa
4 von 10

Der Land Cruiser war schon da, bevor SUV so beliebt wurden. Doch er schwimmt mit auf der Erfolgswelle.

Platz 6 - Auris Touring Sports - 56.351 verkaufte Fahrzeuge in Europa
5 von 10

Die Familienkutsche gibt es - wie viele Modellreihen von Toyota - auch mit Hybrid-Antrieb. Ingesamt erfreut sich das Modell außerordentlicher Beliebtheit.

Platz 5 - Aygo - 70.542 verkaufte Fahrzeuge in Europa
6 von 10

Der kleinste der Japaner hat sich ein freches Äußeres zugelegt und dreht damit auch seine Runden in der Absatzstatistik.

Platz 4 - Corolla - 83.301 verkaufte Fahrzeuge in Europa
7 von 10

Über alle Generationen hinweg ist der Corolla das meistverkaufte Auto der Welt. Auf den deutschen Markt ist das Modell zwar gerade erst zurückgekehrt, in Süd- und Osteuropa ist er allerdings ein Hit.

Aber der mögliche Eindruck der Rückständigkeit täuscht, meint Elmar Degenhart, Vorstandsvorsitzender des deutschen Zulieferers Continental. „Ich glaube nicht, dass irgendeiner der großen amerikanischen, europäischen oder japanischen Hersteller zurückliegt.“ Allerdings gebe es unterschiedliche Stärken und Strategien.

Statt die neusten und teuersten Funktionen in ihren Luxusautos zu verbauen, setzten die Japaner darauf, bezahlbare Technik im Massenmarkt möglichst breit anzubieten, so Degenhart

Der japanische Staat fördert diese Demokratisierung autonomer Fahrtechniken mit. So hat die Regierung hat das Ziel ausgegeben, dass zur Sommer-Olympiade in Tokio im Jahr 2020 die ersten Robotertaxis fahren – zumindest auch einigen, festgelegten Routen. Ministerpräsident Shinzo Abe will das globale Sportfest als Schaufenster für High-Tech Made in Japan nutzen. „Beim autonomen Fahren im Massenmarkt handelt der Staat sehr proaktiv“, sagt auch Takao Asami, Vizepräsident von Nissan.

So investiert die Regierung massiv in den Ausbau der Infrastruktur: Ampeln werden mit Sensoren und Kommunikationsmodulen ausgestattet, die künftig den Verkehr an Kreuzungen erfassen und die Informationen mit den Autos teilen können – ein erster Schritt zum vernetzten Auto. Auch im All wird aufgerüstet: Ab 2018 sollen ein eigenes Satellitensystem zentimetergenaue GPS-Daten in Echtzeit an die Autos funken. Vier Satelliten des Technikkonzerns Mitsubishi Electric hat die Regierung dafür bereits ins All geschossen.

So soll sichergestellt werden, dass immer ein Satellit über Japan steht und das GPS-Signal auch in Hochhausschluchten und Bergtälern stark genug ist. Bisher war Satellitenortung nur auf zehn bis 30 Meter genau – für autonome Autos ist das nicht präzise genug.

Zudem haben die Auto- und Landkartenhersteller unter der Federführung von Mitsubishi Electric das Konsortium Dynamic Map Platform gegründet, das zentimetergenaue 3D-Karten von Japans Straßen erstellt. Der Technikkonzern liefert die Laser- und Kamerasysteme, mit denen die Kartenhersteller schon zu Dutzenden die Fahrwege erfassen. Ab 2018 werden die Autobahnen mitsamt der Umgebung in Laserpunktwolken und 3D-Bildern zur Verfügung stehen.

Der Daimler, BMW und Audi gehörende globale Kartenriese Here kooperiert bereits eng mit einem Kartenhersteller des Unternehmens und spricht mit Dynamic Map Platform über eine Zusammenarbeit. „Die Japaner müssen nun entscheiden, was sie wollen“, sagte Here-Chef Edzard Overbeek in Tokio dem Handelsblatt.

Gleichzeitig hat sich Here den Motor des Konsortiums, Mitsubishi Electric, als strategischen Partner geangelt. Am Freitag stellten Here und der japanische Technikkonzern, der sein Geschäft als Automobilzulieferer massiv ausdehnen will, ihren Plan vor, gemeinsam basierend auf Hardware und Software zentimetergenaue Navigation für autonome Autos anzubieten und Dienste zu entwickeln.

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