Die Autoindustrie von morgen

Ford-Manager Armstrong Kooperationen sind die Zukunft

Ford hat sich vorgenommen, intelligente Lösungen für Großstädte zu entwickeln. Man könne versuchen, der Erste zu sein, sagte Ford-Europa-Chef Steven Armstrong beim Auto-Gipfel. „Oder man kann planen, der Beste zu sein.“
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Armstrong kann sich vorstellen, dass bereits 2021 die ersten kommerziellen autonom fahrenden Fahrzeuge auf den Markt kommen. Quelle: Andy Ridder für Handelsblatt
Steven Armstrong

Armstrong kann sich vorstellen, dass bereits 2021 die ersten kommerziellen autonom fahrenden Fahrzeuge auf den Markt kommen.

(Foto: Andy Ridder für Handelsblatt)

StuttgartFür einen so traditionsreichen Autobauer wie Ford sind die Umbrüche in der Branche eine besondere Herausforderung. Erst vor kurzem hatte der US-Konzern einen Strategieschwenk hin zu autonomem Fahren und Elektromobilität verkündet. Man könne versuchen, der Erste zu sein, sagte Ford-Europa-Chef Steven Armstrong am Mittwoch beim Auto-Gipfel. „Oder man kann planen, der Beste zu sein.“

Ford hat sich vorgenommen, intelligente Lösungen für die Großstädte dieser Welt zu entwickeln. Bis 2050 werde sich die Zahl der Menschen, die in Städten leben, auf 3,5 Milliarden mehr als verdoppeln, sagte Armstrong. Viele Metropolen riefen um Hilfe, die Infrastruktur stoße vielerorts an ihre Grenzen. 90 Stunden verbringe jeder Autofahrer jedes Jahr im Stau, so Armstrong: „Stellen Sie sich vor, welchen Spaß Sie in dieser Zeit haben könnten.“ Mit einem neuen „City Solutions Team“ will Ford Lösungen für intelligente Autos und ihre Vernetzung entwickeln.

Um seine Zukunftsvision zu veranschaulichen, hatte Armstrong Virtual-Reality-Brillen für die Teilnehmer des Auto-Gipfels mitgebracht, mit denen er ein Video vorführte. Darin liefert ein autonomes E-Auto von Ford eine Pizza aus. Eine Drohne bringt das Essen schließlich zum Endkunden in eine schicke Wohnung hoch über der Stadt. Armstrong weiß selbst, dass diese Visionen nur Wirklichkeit werden, wenn die Autobauer Geld in die Hand nehmen.

Der neue Ford-Chef Jim Hackett hatte daher vor einigen Wochen angekündigt, ein Drittel weniger als bisher in die Entwicklung von Verbrennungsmotoren zu investieren und das Geld stattdessen in den Bereich E-Mobilität zu stecken - zusätzlich zu einem bereits angekündigten, 4,5 Milliarden Dollar schweren Förderprogramm.

Zeitgleich verschärft der Ford-Chef seinen Sparkurs: Trotz der geplanten Zukunftsinvestitionen will er 14 Milliarden Dollar Kosten einsparen, zehn Milliarden in der Produktion und vier Milliarden in der Entwicklung. So sollen bis 2022 fünf der 17 verschiedenen Motoren nicht mehr gebaut werden.

Ein weiterer Schwerpunkt der Zukunftsinvestitionen soll das autonome Fahren sein. Ford hatte dazu kürzlich unter anderem ein Bündnis mit dem US-Fahrdienstvermittler Lyft verkündet. Auf einer gemeinsamen Technologieplattform wollen die Partner eines Tages selbstfahrende Fahrzeuge von Ford einsetzen. Auch der Ford-Konkurrent General Motors oder die Google-Schwesterfirma Waymo setzten auf die Zusammenarbeit mit Lyft.

Kooperationen sind die Zukunft - davon ist auch Armstrong überzeugt. Keine Firma könne bei Themen wie dem autonomen Fahren alles allein machen. Ford hat deswegen ein neues Büro in London inmitten von Start-ups eröffnet. Zudem kooperiert der US-Konzern mit Universitäten. Armstrong kann sich vorstellen, dass bereits 2021 die ersten kommerziellen autonom fahrenden Fahrzeuge auf den Markt kommen. Mit Milliarden-Investitionen und starken Kooperationspartnern sieht er Ford bestens gerüstet.

Visionen für die Zukunft
Handelsblatt Auto-Gipfel 2017
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Der Handelsblatt Auto-Gipfel ist in diesem Jahr zu Gast bei Mercedes. Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart kündigte einen intensiven Austausch über entscheidende Zukunftsthemen wie Elektromobilität, autonomes Fahren und neue Konzernstrukturen an. Daimler-Chef Dieter Zetsche begrüßte die 650 Gäste des Auto-Gipfels am Mittwoch nur kurz. Er hatte bereits am Vorabend seinen großen Auftritt beim Kaminabend im Mercedes-Museum in Stuttgart.

Gipfel im Kundencenter
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Der Autogipfel ist in diesem Jahr im Mercedes Kundencenter in Sindelfingen zu Gast, in dem Kunden normalerweise ihre Neuwagen in Empfang nehmen. Auch hier wird Fortschritt groß geschrieben. „Unsere Autos fahren bald autonom vom Band“, verriet Zetsche. Einen detailliertere Einblick lieferte Markus Schäfer. „Sindelfingen ist unsere Traumfabrik für Traumautos“, sagte der Mercedes-Benz Produktionschef. Schäfers Rede war untermalt mit Hollywood-Bildern, schließlich sind die neuesten Modelle derzeit und in naher Zukunft gleich in mehreren Spielfilmen zu sehen. Aber: „Unsere Mitarbeiter machen auch ohne Superkräfte einen heldenhaften Job.“

VW zu Gast bei Mercedes
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VW-Chef Matthias Müller freue sich, auch mal „Mercedes-Luft zu schnuppern“, die rieche ziemlich sauber – seine Art, Dankeschön für die Einladung zu sagen.

VW-Chef Matthias Müller
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Der Volkswagen-Chef gab sich zu Beginn seiner Rede demütig: „Bei Volkswagen wurden schwere Fehler gemacht. Dafür tragen wir die Konsequenzen und räumen das jetzt aus.“ Doch Müller blickt auch nach vorne: „Gleichzeitig – und auch das gehört zur Wahrheit – war die Krise der Startpunkt für eine grundlegende Neuausrichtung unseres Unternehmens.“

Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart (r.) und Chefredakteur Sven Afhüppe (l.) im Gespräch mit VW-Chef Matthias Müller
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Es ärgere ihn, wenn der Eindruck erweckt werde, es fehle der Branche an Weitblick und Pragmatismus. „Und noch mehr ärgert es mich, wenn wir selbst dazu beigetragen haben“, so Müller. Auch eine Spitze gegen Tesla konnte Müller sich nicht verkneifen. „Der Durchbruch neuer Technologien kommt nicht von den Ankündigungsweltmeistern“, sagte er. „Ich mag Wettbewerb, aber teile romantische Verklärung von Tesla nicht.“

Logo des Auto-Gipfels
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Über den Umbau der urbanen Mobilität sprach am Mittwoch Steven Armstrong, Europa-Präsident von Ford. Und er zeichnete ein spannendes, mitunter aber auch verstörendes Bild. Highlight seines Vortrags war eine Demonstration mit VR-Brillen, die den Gästen des Auto-Gipfels einen Eindruck davon lieferte, wie wir in einigen Jahren wohl leben werden. Die Pizza wird dann autonom geliefert.

Mercedes-Benz Automuseum
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Der Handelsblatt Auto-Gipfel im Herbst gehört zu den Highlights der Branche. In diesem Jahr ist der Gipfel zu Gast bei Mercedes-Benz in Stuttgart.

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