Die Autoindustrie von morgen

Handelsblatt Auto-Gipfel 2017 Die große Ethik-Debatte

Technik, Recht, Akzeptanz - autonomes Fahren wirft viele Fragen auf. Zwar gibt es erste gesetzliche Rahmen, aber auch neue Bedenken bei der Datensicherheit.
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„Wir müssen eine gesellschaftliche Akzeptanz schaffen“, sagte Daimler-Vorständin Jungo Brüngger. Allein könnten das die Autohersteller nicht bewerkstelligen. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
Renata Jungo Brüngger, Vorstandsmitglied bei Daimer

„Wir müssen eine gesellschaftliche Akzeptanz schaffen“, sagte Daimler-Vorständin Jungo Brüngger. Allein könnten das die Autohersteller nicht bewerkstelligen.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

StuttgartBeim Thema autonomes Fahren spalten sich die Meinungen in zwei Lager: Die einen sind froh, wenn das Fahrzeug eines Tages übernimmt, und sie die Zeit besser nutzen können. Die anderen sehen sich eher als passionierte Autofahrer - und wollen auch in Zukunft selbst Gas geben. Udo Di Fabio zählte sich eigentlich eher zu Letzteren - bis er einmal auf der Autobahn in einem Roboterauto saß und Starkregen einsetzte. Spaß mache da das Fahren nicht mehr. „Da habe ich es als Erleichterung empfunden, dass das System übernommen hat.“

Das autonome Fahren wird die Automobilbranche und ihre Geschäftsmodelle, aber auch die Gesellschaft verändern wie kaum eine andere Innovation. Laut einer Studie von Boston Consulting dürfte im Jahr 2030 in den USA bereits ein Viertel der gefahrenen Kilometer von autonomen Elektroautos geleistet werden.

Visionen für die Zukunft
Handelsblatt Auto-Gipfel 2017
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Der Handelsblatt Auto-Gipfel ist in diesem Jahr zu Gast bei Mercedes. Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart kündigte einen intensiven Austausch über entscheidende Zukunftsthemen wie Elektromobilität, autonomes Fahren und neue Konzernstrukturen an. Daimler-Chef Dieter Zetsche begrüßte die 650 Gäste des Auto-Gipfels am Mittwoch nur kurz. Er hatte bereits am Vorabend seinen großen Auftritt beim Kaminabend im Mercedes-Museum in Stuttgart.

Gipfel im Kundencenter
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Der Autogipfel ist in diesem Jahr im Mercedes Kundencenter in Sindelfingen zu Gast, in dem Kunden normalerweise ihre Neuwagen in Empfang nehmen. Auch hier wird Fortschritt groß geschrieben. „Unsere Autos fahren bald autonom vom Band“, verriet Zetsche. Einen detailliertere Einblick lieferte Markus Schäfer. „Sindelfingen ist unsere Traumfabrik für Traumautos“, sagte der Mercedes-Benz Produktionschef. Schäfers Rede war untermalt mit Hollywood-Bildern, schließlich sind die neuesten Modelle derzeit und in naher Zukunft gleich in mehreren Spielfilmen zu sehen. Aber: „Unsere Mitarbeiter machen auch ohne Superkräfte einen heldenhaften Job.“

VW zu Gast bei Mercedes
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VW-Chef Matthias Müller freue sich, auch mal „Mercedes-Luft zu schnuppern“, die rieche ziemlich sauber – seine Art, Dankeschön für die Einladung zu sagen.

VW-Chef Matthias Müller
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Der Volkswagen-Chef gab sich zu Beginn seiner Rede demütig: „Bei Volkswagen wurden schwere Fehler gemacht. Dafür tragen wir die Konsequenzen und räumen das jetzt aus.“ Doch Müller blickt auch nach vorne: „Gleichzeitig – und auch das gehört zur Wahrheit – war die Krise der Startpunkt für eine grundlegende Neuausrichtung unseres Unternehmens.“

Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart (r.) und Chefredakteur Sven Afhüppe (l.) im Gespräch mit VW-Chef Matthias Müller
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Es ärgere ihn, wenn der Eindruck erweckt werde, es fehle der Branche an Weitblick und Pragmatismus. „Und noch mehr ärgert es mich, wenn wir selbst dazu beigetragen haben“, so Müller. Auch eine Spitze gegen Tesla konnte Müller sich nicht verkneifen. „Der Durchbruch neuer Technologien kommt nicht von den Ankündigungsweltmeistern“, sagte er. „Ich mag Wettbewerb, aber teile romantische Verklärung von Tesla nicht.“

Logo des Auto-Gipfels
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Über den Umbau der urbanen Mobilität sprach am Mittwoch Steven Armstrong, Europa-Präsident von Ford. Und er zeichnete ein spannendes, mitunter aber auch verstörendes Bild. Highlight seines Vortrags war eine Demonstration mit VR-Brillen, die den Gästen des Auto-Gipfels einen Eindruck davon lieferte, wie wir in einigen Jahren wohl leben werden. Die Pizza wird dann autonom geliefert.

Mercedes-Benz Automuseum
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Der Handelsblatt Auto-Gipfel im Herbst gehört zu den Highlights der Branche. In diesem Jahr ist der Gipfel zu Gast bei Mercedes-Benz in Stuttgart.

Von den Vorteilen sind die meisten überzeugt. Allerdings sind in Deutschland noch viele technologische, ethische und rechtliche Fragen zu klären. Das zeigte sich in den vielen Diskussionen vergangene Woche auf dem Handelsblatt Auto-Gipfel in Stuttgart. Derzeit werden Schritt für Schritt die rechtlichen Grundlagen für das automatisierte Fahren erarbeitet, ein erstes Gesetz ist auf den Weg gebracht. Der frühere Bundesverfassungsrichter und Professor Di Fabio leistet als Vorsitzender der Ethik-Kommission für automatisiertes Fahren seinen Beitrag.

Die Technologien sind bereits weit entwickelt. „Die Maschine ist sicher zuverlässiger, sie kennt keine Emotionen“, sagte Renata Jungo Brüngger, Vorstandsmitglied für Integrität und Recht bei Daimler und ebenfalls Mitglied der Ethik-Kommission. Ziel sei „360-Grad-Sicherheit“, die Unfälle komplett vermeidet. Doch noch glauben viele Autofahrer, dass sie es besser können. Je autonomer die Systeme seien, desto mehr zweifelten die Menschen an der Sicherheit, berichtete Matthias Schubert, der das weltweite Mobilitätsgeschäft beim Tüv Rheinland verantwortet, unter Berufung auf eine umfassende Befragung von Verbrauchern.

Werden Menschen verletzt, kommt man in ein Dilemma
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