Die Autoindustrie von morgen

Ladestationen für Elektroautos Starkstrom für die Autobahn

Das Elektroauto ist die Zukunft. Darin ist sich die Autoindustrie einig. Doch für den Massenmarkt fehlen Ladestationen, insbesondere auf der Langstrecke. Der Wettbewerb um die besten Standorte hat begonnen.
5 Kommentare
Elektroauto News: Starkstrom-Ladestationen für die Autobahn Quelle: dpa
Es muss schnell gehen

Ladestationen für Elektroautos sollen nicht nur flächendeckend verfügbar sein, sondern auch schneller laden als bisher.

(Foto: dpa)

DüsseldorfMichiel Langezaal freut sich über den neuen Mitstreiter. „Es ist gut, dass Ionity an den Start geht“, sagt der Unternehmer aus Amsterdam. „Aber die deutsche Autoindustrie kommt mit dem Projekt zu spät und es ist zu wenig“, stichelt der Co-Gründer des Startups Fastned. Denn während die deutsche Konkurrenz noch ihre Website pflege, „machen wir pro Woche eine Station auf“, sagt Langezaal im Gespräch mit dem Handelsblatt.

An Selbstbewusstsein mangelt es den Fastned-Gründern nicht. Die Niederländer sehen sich als Avantgarde in einem Markt, der jetzt ins Rollen kommt. Mehr als 60 Stationen hat das Unternehmen in den Niederlanden in Betrieb, für weitere 200 hat man Lizenzen. Die Verfügbarkeit von solchen Schnellladestationen an praktisch jeder Raststätte ist eine Voraussetzung dafür, dass unser Nachbarland bei der Verbreitung von Stromautos ein gutes Stück voraus ist. Langezaal reicht das aber nicht mehr. „Wir wollen ein großes Netzwerk in Europa aufbauen“, sagt der Niederländer. Allein für Deutschland liegen Pläne für mehrere Dutzend Stationen auf dem Tisch.

Seit Jahren wird in Deutschland über die Einführung von Stromautos diskutiert. Doch bislang hatte die deutsche Autoindustrie weder attraktive Modelle, noch fanden sich genug Investoren für die notwendige Ladeinfrastruktur. Beides ändert sich nun. Mit einer großen Modelloffensive will die deutsche Industrie den Rückstand auf den Elektropionier Tesla aufholen. Und auch das Schnellladenetz entlang der deutschen Autobahnen soll rasch Gestalt annehmen. Anfang November gründete die deutsche Autoindustrie mit „Ionity“ eine eigene Gesellschaft zum Aufbau eines Schnellladenetzes, das schon im kommenden Jahr die ersten Anschlüsse legen will, aber bislang nur einen Briefkasten hat.

Der Plan ist ambitioniert: 400 Stationen sind in Europa bis 2021 geplant, alleine 100 in Deutschland. Weitere Anbieter stehen bereit: Neben Ionity und Fastned sind auch der niederländische Betreiber Allego und Smatrics aus Wien in den Startlöchern, auch die deutschen Versorger wollen in den Markt. Das größte Netz in Europa hat aber nach wie vor Tesla: Die Amerikaner betreiben mittlerweile 300 Stationen mit fast 2000 Schnellladestationen nur für den Bedarf ihrer Kunden. 55 solcher „Supercharger“ stehen davon in Deutschland, sechs sind aktuell in Bau. Damit hat Tesa heute schon ein Netz, das die deutsche Autoindustrie erst in den kommenden drei Jahren im Hauruck-Verfahren aufbauen will.

Welcher Stecker für welches Elektroauto?
Ladestecker des Hyundai Ioniq Electric
1 von 17

Wer ein Elektroauto fährt, muss regelmäßig an die Steckdose. Wie schnell und komfortabel das geht, hängt nicht nur mit der Infrastruktur vor Ort zusammen, sondern auch mit dem On-Board-Ladegerät des Fahrzeugs sowie dem vom Fahrzeughersteller verwendeten Stecker-Standard.

Die deutschen Marken verwenden für das Schnellladen in der Regel den CCS-Stecker, japanische und französische Hersteller ziehen den hierzulande an Säulen seltener verwendeten Chademo-Anschluss vor. Beide sind nicht kompatibel. Tesla kocht außerdem sein eigenes Süppchen, und das neue europäische Schnellladenetz Ionity bringt wieder was neues...

Der Typ-2-Stecker, oder auch Mennekes-Ladestecker
2 von 17

Der Typ 2-Stecker ist quasi der aktuelle europäische Standard. Die deutschen Autohersteller verwenden ihn für ihre e-Fahrzeuge, und er kommt in der abgebildeten Form sowohl am Fahrzeug als auch an der Ladesäule zum Einsatz. Die typischen Merkmale: Wechselstrom (AC), ein- bis dreiphasig, 7 Kontakte, max. Ladeleistung: 43,5 kW

Typ 2-Stecker
3 von 17

Deutschlands derzeit beliebtestes E-Auto, der Renault Zoe, nutzt beispielsweise den Typ 2-Stecker sowohl beim Normal-, als auch beim auch beim Schnellladen. Weil der Mennekes-Stecker serienmäßig alle drei Stromphasen nutzt, holt er je nach Säule bis zu 43 kW aus der Leitung. 2015 wurde die Leistung jedoch vom französischen Hersteller auf 22 Kilowatt gedrosselt. In ähnlichen Regionen ist auch der technisch weitläufig verwandte Smart ED unterwegs.

Zum Hintergrund: Wechselstrom-Ladesäulen sind vergleichsweise relativ günstig zu bauen, daher gibt es vergleichsweise viele davon. Und auch an Gleichstrom-Säulen ist in der Regel ein Typ-2-Zugang vorhanden.

Combined Charging System, oder CCS-Stecker, auch Combo Typ 2 genannt
4 von 17

Im Bereich der Schnellladesäulen gilt dieser Gleichstrom-Stecker als der Standard in Europa und Nordamerika. Wie sein Name schon andeutet, ist der CCS eine Kombination aus Typ 2-Stecker und Typ 1-Stecker und zwei weiteren Kontakten, die eine Schnellladung ermöglichen. Merkmale: 9 Kontakte, Gleichstrom (DC), aktuelle Ladeleistung: 50 kW, max. Ladeleistung: 170 kW.

In Deutschland dürfte man mit der CCS-Buchse am E-Auto die größten Chancen haben, einen passenden Schnelllader zu finden
5 von 17

Die heimischen Hersteller haben sich geschlossen diesem Standard verschrieben. Und auch die Ladesäulenverordnung sieht vor, dass in Deutschland alle neuen öffentlichen Schnellladesäulen mit mehr als 22 kW Leistung über einen CCS-Stecker verfügen. Andere Anschlusstypen sind hingegen freiwillig.

Rund 600 Stationen gibt es zurzeit, doch die Zahl soll bald deutlich steigen. In der Regel stellen sie eine Ladeleistung von 50 kW zur Verfügung, theoretisch können es bis zu 350 kW sein. Aktuell gibt es aber dafür keine passenden Fahrzeuge. Nutzbar sind die Stecker außer von deutschen Modellen wie BMW i3, VW E-Golf und Opel Ampera-e auch von koreanischen Autos wie dem Hyundai Ioniq.

Chademo-Stecker, auch bekannt als Charge de Move
6 von 17

Der Chademo-Stecker wird wie der CCS-Stecker im Bereich der Schnellladung mit Gleichstrom verwendet. Weil mit ihm bidirektionales Laden möglich ist, können E-Autos mit Chademo-Technik auch als Notstromaggregate oder Energiespeicher verwendet werden. Der hauptsächlich von den japanischen Herstellern verwendete Stecker weist folgende Merkmale auf: 4 Kontakte, Gleichstrom (DC), max. Ladeleistung: 100 kW, bidirektionales Laden.

Der weltweit wichtigste Konkurrenz-Standard heißt Chademo
7 von 17

Entwickelt wurde er unter anderem von Nissan und Mitsubishi, die auch in Deutschland auf diese Technik setzen. Weltweit gesehen ist rund jede dritte Schnellladestation mit Chademo-Steckern ausgerüstet, in Deutschland sind es allerdings nur rund 450. Ob noch sehr viele noch dazukommen, ist aufgrund des geringen Interesses der deutschen Autohersteller fraglich.

Bei den Leistungsdaten entspricht der japanische Standard aktuell weitgehend dem europäischen: bis zu 50 kW sind die Regel, 150 kW theoretisch und 350 kW künftig möglich.

Nutzbar sind die Stecker vor allem von asiatischen und französischen Modellen wie dem Nissan Leaf, dem Kia Soul EV, dem Mitsubishi Outlander PHEV, und dem Peugeot iOn. Auch Tesla-Fahrzeuge können an Chademo laden, wenn sie über den passenden Adapter verfügen.

Ionity hat sich mit dem Rasthausbetreiber Tank & Rast verbündet, der über die meisten Flächen entlang der Autobahnen verfügt. Dort teilt man die großen Pläne eines flächendeckenden Ladenetzes, muss aber einschränken: „Teilweise verzögern bauliche und technische Voraussetzungen den Aufbau der Schnellladesäulen“ , erklärt das Unternehmen auf Anfrage. So müssen die Leitungen und Trafos entlang der Autobahnen aufgerüstet werden. Deshalb setzt der Bonner Rasthausbetreiber auf mehrere Pferde: Neben eigenen Ladesäulen arbeitet man eng mit den Stromversorgern zusammen. So hat die Essener RWE-Tochter Innogy bereits 150 Ladesäulen bei Tank & Rast installiert, auch EnBW und Eon haben Standorte bei dem Bonner Dienstleister.

Mit Ausnahme von Tesla haben sich alle europäischen Autohersteller auf den Ladestandard Combined Charging System (CCS) geeinigt, eine wichtige Voraussetzung für Investitionen. Der Ausbau soll auch mit Steuergeld finanziert werden: Alleine die Bundesregierung will bis zum Jahr 2020 Fördermittel in Höhe von 300 Millionen Euro für die Entwicklung des Ladenetzes verteilen. Von den 15.000 geplanten Ladesäulen, sollen 5000 mehr als 50 Kilowatt leisten. Dann will die deutsche Autoindustrie mit Modellen wie dem „Audi Q6-etron“, dem VW-ID und dem Mercedes EQ-C die nächste Welle ihrer Stromautos auf die Straßen schicken.

„Die Kunden werden bereit sein, höhere Preise zu zahlen“
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Ladestationen für Elektroautos - Starkstrom für die Autobahn

5 Kommentare zu "Ladestationen für Elektroautos: Starkstrom für die Autobahn"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Tja, die DDR kommt wieder: Schlange stehen - demnächst für eine Akku-Ladung. ;-)
    Okay, an den Tankstellen stehen die deutschen Autofahrer auch Schlange - allerdings an den Luxemburger Tanken, und das vorzugsweise am Wochenende, weil der deutsche Fiskus den Rachen nicht voll bekommt.
    Und immer schön an die ökonomische Effizienz denken: Dauer Tankstop versus Dauer Akkuladezeit. ;-)

  • Geballter Schwachsinn oder Propaganda für eine unterlegene Technologie ... Da lacht jeder Ingenieur herzhaft! Wir leben zunehmend in einer ideologisierten Zeit.

  • Elektroautos kommen. Alles andere ist irrelevant...Anpassungsprobleme

  • Letztens hatte ich mit nem Postboten der DHL gesprochen, wie es denn mit den neuen E-Auslieferfahrzeugen läuft.

    Er hat das Gesicht verzogen und es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht einer liegenbleibt und dann ein Transport mit Verbrenner gemietet und umgeladen werden muss.
    So viel zur Zukunftstauglichkeit. Wie viele Winter übersteht so ein Akku im E-Auto eigentlich?

  • Kohle-Strom brauchen die Kisten ? Ich dachte die fahren mit Akkus.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%