Die Autoindustrie von morgen

Ölriese kooperiert mit deutschen Autobauern Shell tritt der Schnelllader-Allianz bei

Shell schließt sich dem Gemeinschaftsprojekt Ionity der deutschen Autohersteller BMW, Daimler und VW an. Bis 2019 will der Tankstellenbetreiber europaweit Schnellladestationen für Elektrofahrzeuge aufstellen.
Update: 27.11.2017 - 12:02 Uhr 4 Kommentare
Ionity: Shell kooperiert mit VW, BMW, Daimler und Co. Quelle: Reuters
Shell-Tankstelle

Der Ölkonzern kooperiert mit Autoherstellern wie BMW, Daimler, und Volkswagen.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfKaum ein Thema nervt die Ölkonzerne so sehr wie die Debatte ums Elektroauto. Der einhellige Tenor von BP, Exxon Mobil und Co. lautete bisher stets: Das ist ein riesiger Hype. Bitte mehr Realismus! Schließlich gibt es in Deutschland laut Kraftfahrtbundesamt aktuell kaum mehr als 43.000 rein elektrisch betriebene Pkw. Das entspricht einem Anteil von weniger als einem Prozent am Gesamtbestand von mehr als 45 Millionen Personenkraftwagen hierzulande.

Ein schnelles Ende des Verbrennungsmotors? Aus Sicht der Ölmultis völlig lachhaft. „Die Debatte um Elektroautos ist oftmals weder ökologisch noch ökonomisch durchdacht, sondern vielmehr ideologisch getrieben“, findet etwa Wolfgang Langhoff, Europachef des britischen Energieriesen BP. Der Anteil der Elektroautos werde laut Langhoff zwar deutlich zunehmen, aber ein flächendeckendes E-Tankstellennetz sei derzeit dennoch nicht wirtschaftlich. Stromzapfsäulen gibt es bei Aral daher nur an einigen Pilotstationen. Unter der Marke Aral betreibt BP das größte Tankstellenetz Deutschlands mit mehr als 2.400 Stationen

So weit kommen Elektroautos mit einer Akkuladung
Elektroautos
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In Deutschland gibt es immer mehr Ladesäulen für Elektrofahrzeuge. In knapp 1000 Städten und Gemeinden finden sich mittlerweile öffentlich zugängliche Ladepunkte. Es sollen noch mehr werden. Bei den Reichweiten, die die aktuellen Modelle mit einer Akkuladung packen, ist das auch notwendig. Mit welchen Elektroautos Sie am weitesten kommen.

Anmerkung: Damit die Werte vergleichbar sind, werden hier die Reichweiten mit Normverbrauch angegeben. Die reale Reichweite liegt in der Regel darunter.

Platz 10: Nissan Leaf (2016)
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Kam die erste Version des Nissan Leaf im Jahr 2010 gerade einmal 160 Kilometer weit, sind es bei einem Leaf des Jahrgangs 2016 immerhin 250 Kilometer. Bis zum Ende seiner Bauzeit hat Nissan das Akkupaket immer wieder an die neuen Entwicklungen angepasst. Zuletzt lag die Kapazität bei 30 Kilowattstunden (kWh). Der Nachfolger, der Anfang 2018 auf den Markt kommt, reiht sich deutlich weiter vorne ein.

Platz 9: Hyundai Ioniq Electric
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Mit dem Ioniq setzt Hyundai auf das Konzept eines leichten Elektroautos mit kleiner Batterie: Das Akkupaket ist mit 28 kWh das kleinste in den Top Ten. Das reicht bei 120 PS für eine Normreichweite von 280 Kilometern. Die Konkurrenz auf Platz 8 bietet kaum mehr Reichweite, braucht aber dazu einen größeren Akku.

Platz 8: VW e-Golf
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Mit seinem neuen Akku (35,8 kWh) schafft es auch die aktuellste Ausgabe des e-Golf auf 300 Kilometer nach NEFZ. Der Elektro-Golf ist damit im alltagstauglichen Bereich angekommen – und die Wahl für jene Autofahrer, die auf gewohnten Komfort und Ausstattung eines Golf nicht verzichten oder die futuristischen Karosserien eines BMW i3 nicht haben wollen.

Platz 7: BMW i3
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Als der i3 auf den Markt kam, bot er eine Reichweite von 190 Kilometern. Eine Modellpflege und neue Akku-Generation später ist die Kapazität des Stromspeichers auf 33,2 kWh gestiegen – und die Reichweite auf 300 Kilometer. Inzwischen gibt es auch einen sportlicheren i3s. Der bietet aber bei derselben Akku-Größe etwas mehr Leistung – und damit weniger Reichweite.

Platz 6: Tesla Model 3
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Die ersten Fahrzeuge sind ausgeliefert, doch es hakt bei der Produktion des Model 3. Aber darauf kommt es in diesem Ranking nicht an, hier zählt nur die Reichweite. Bei der Standardvariante sind es 220 Meilen, also rund 345 Kilometer. Interessant: Während beim Model S und Model X sich die Modellbezeichnungen auf die Größe des Akkus beziehen (Model S 70 hat 70 kWh), wird diese Benennung beim Model 3 abgeschafft und durch eine „verständlichere“ Unterscheidung ersetzen. Sprich: Neben dem Model 3 mit ungefähr 50 kWh wird es noch ein Model 3 „Long Range“ geben, dessen 75-kWh-Akku für 500 Kilometer reichen soll.

Platz 5: Nissan Leaf (2018)
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Während die meisten Autobauer noch an ihren Elektro-Offensiven basteln, bringt Nissan bereits die zweite Generation des Leaf auf den Markt. In Europa startet der Wagen Anfang 2018. In seine Entwicklung sind die Erfahrungen aus sieben Jahren Bauzeit und mehreren Millionen elektrisch gefahrenen Kilometern eingeflossen. Ein Feedback der Kunden: Wir wollen nicht unendlich viel Reichweite, sondern lieber ein günstigeres Auto. Deshalb hat Nissan den Akku nur moderat von 30 auf 40 Kilowattstunden vergrößert. Das ermöglicht dem auf 150 PS erstarkten Leaf eine theoretische Reichweite von 378 Kilometern. Später kommt noch der Leaf E-Plus mit größerer Batterie und 220 PS – und vor allem 500 Kilometern Reichweite. Dann lockt sogar Platz 4.

So wie BP sahen das bisher auch die meisten anderen Ölkonzerne mit ihren Tankstellenmarken. Auch bei Shell, Total, Esso und Jet gibt es bundesweit aktuell nur einige Dutzend Stromzapfsäulen. Doch Shell schert nun aus dieser Allianz aus und investiert massiv in E-Ladestationen.

Europas größter Ölkonzern kooperiert mit den deutschen Auto-Herstellern beim Aufbau von Schnellladestationen. Der britisch-niederländische Rohstoffriese schloss sich am Montag dem Gemeinschaftsprojekt Ionity von BMW, Daimler, Volkswagen und Ford an. Shell plant im Jahr 2019 in mehreren europäischen Ländern zunächst mit Schnellladestationen an 80 Autobahnstationen.

Ionity plant in Europa bis 2020 rund 400 solcher Lademöglichkeiten. In Deutschland kooperiert Ionity mit der Autobahn-Servicefirma Tank und Rast. Bislang spielen Elektroautos noch eine Nebenrolle, weil die Reichweite begrenzt ist, es wenig Ladestationen gibt und das Aufladen zudem lange dauert. Laut Shell soll Ionity den Ladeprozess potenziell auf fünf bis acht Minuten verkürzen.

Shell setzt mit dem Einstieg in die Schnellladekooperation die Konkurrenz im Tankstellengeschäft weiter unter Zugzwang. Denn schon im Oktober verkündete der Konzern groß in das Geschäft mit batterieelektrischen Fahrzeugen einsteigen zu wollen. Shell hat eine Vereinbarung zum Kauf der Firma New Motion aus Amsterdam abgeschlossen. New Motion verfügt über mehr als 30.000 Ladestationen für zu Hause und an Unternehmensstandorten in Europa und hat in Deutschland Zugang zu 10.000 öffentlichen Ladepunkten.

Der Gesinnungswandel bei Shell im Bereich der Elektromobilität ist von ganz oben verordnet. Erst im Sommer setzte Shell-Chef Ben van Beurden ein persönliches Zeichen. Sein nächstes Auto werde kein reiner Verbrenner, sondern ein Elektroauto sein, erklärte der Niederländer damals. Die Wahl des Shell-Chefs fiel auf einen Mercedes-Benz S500e. Der Wagen ist ein Plug-in-Hybrid, der zumindest eine zweistellige Anzahl an Kilometern ganz ohne Diesel oder Benzin fahren kann.

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4 Kommentare zu "Ölriese kooperiert mit deutschen Autobauern: Shell tritt der Schnelllader-Allianz bei"

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  • Zitat: "Ionity plant in Europa bis 2020 rund 400 solcher Lademöglichkeiten." ... ja da bin ich aber schwer beeindruckt. Bei einem Bestand von 14.500 konventionellen Tankstellen sind das satte 2.5%. Wenn man das proportional zu 40 Mio Kfz rechnet, plant man also mit 100.000 eAutos. Gut, jetzt verdoppeln wir die Zahl noch auf 200.000, was dann 5% des Fuhrparks entspricht. Da scheint mir auch der Grenzwert zu liegen, es sei denn unsere Regierung (welche eigentlich?) subventioniert mal wieder bis zur völligen Schieflage. Und! Wichtigste Frage! Woher kommt der Strom noch mal? Ach ja, aus der Steckdose - hatte ich vergessen!

  • +++ 15.41 Uhr: Glyphosat-Zulassung um fünf Jahre verlängert +++

    Die EU-Länder haben der Zulassung des umstrittenen Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat für weitere fünf Jahre zugestimmt. Dies teilte die EU-Kommission soeben mit. Das in der Landwirtschaft breit eingesetzte Mittel steht unter anderem im Verdacht, krebserregend zu sein.

    Endlich mal gute Nachrichten

  • Ölkonzern beteiligt sich an Elektroautoladestation??

    Verkaufen wohl bald kein Öl mehr?

  • Das erklärt auch , warum du als Normalbürger, keine Baugenehmigung für eine SchnellLadestation für drei Stellplätze auf eigenem Grund , bekommst .

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