Auto-Zulieferer
Gute Zeiten, schlechte Zeiten  

Für die deutschen Autozulieferer läuft es rund. Allein Schaeffler machte im ersten Halbjahr 6,7 Milliarden Euro Umsatz. Doch die Unsicherheit in der Branche wächst. Ein wichtiger Markt könnte zum Hemmschuh werden.
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Düsseldorf/MünchenDie Existenzangst ist weg. Dabei haben Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn Georg sieben turbulente Jahre hinter sich. An der Übernahme des dreimal so großen Konkurrenten Continental hatte sich der fränkische Wälzlagerspezialist fast verhoben. Mit Glück und Geschick überstanden die Schaefflers das existenzbedrohende Tief und machten sich in kleinen Schritten an den Schuldenabbau.  

Schließlich taumelte der Zulieferer auch noch in eine Führungskrise: Der langjährige Boss Jürgen Geißinger musste gehen, sein designierter Nachfolger Klaus Deller trat den neuen Job gar nicht erst an.

Doch unter der Führung von Klaus Rosenfeld sind die Krisen jetzt abgehakt. Mit dem Strategieprogramm „Mobilität für morgen“ will er das Unternehmen auf Wachstumskurs halten. Aktuell zumindest läuft es weiter ordentlich bei dem Autozulieferer. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz – auch dank günstiger Währungseffekte – um 12,4 Prozent auf 6,7 Milliarden Euro. Wegen des schwächelnden Industriegeschäfts schrumpfte die Rendite jedoch. Die Ebit-Marge sank auf 12,2 Prozent. Um wieder profitabler zu werden, kündigte das Management die Neuausrichtung der Industriesparte an, bei der in Europa und Deutschland in den kommenden zwei Jahren bis zu 500 Stellen in Vertrieb und Verwaltung wegfallen sollen.

Treiber des Wachstums war erneut die größere Automobilsparte, die ihren Umsatz dank guter Geschäfte in China und den USA um 14 Prozent auf gut fünf Milliarden Euro steigerte. Die Industriesparte wuchs im gleichen Zeitraum um 7,5 Prozent auf rund 1,7 Milliarden Euro, währungsbereinigt sanken die Erlöse jedoch um 0,8 Prozent. Der Umbau der Sparte soll diesen Trend stoppen.

Neben dem Stellenabbau soll das Geschäft dabei stärker auf die einzelnen Regionen ausgerichtet werden. Zudem will Schaeffler die Produktion von Standard-Wälzlagern ausbauen, die wegen des großen Volumens eine bessere Auslastung der Anlagen verspricht. Die Marge des Bereiches soll dadurch bis 2018 um drei Prozentpunkte auf 13 Prozent steigen.

Der Aufwind scheint die Branche erfasst zu haben: Bei den Autozulieferern läuft es derzeit rund – die Krisenjahre scheinen auf einmal weit weg. So vermeldeten zum Beispiel Leoni und Stabilus für das Quartal zweistellige Zuwachsraten beim Umsatz. Mehrere Autozulieferer haben ihre Prognosen für das Gesamtjahr angehoben. „Mit den immer neuen Rekordmarken der Hersteller haben sich auch die Renditen der Zulieferer positiv entwickelt“, konstatiert Autoprofessor Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management. Besonders die großen Zulieferer profitieren von der Internationalisierung und den hohen Investitionen in neue Technologien. „Die Wertschöpfung verschiebt sich immer weiter in Richtung Zulieferer“, sagt Bratzel.

Auch bei Schaefflers wichtigster Beteiligung, dem einstigen Übernahmeziel Continental, läuft es trotz starken Gegenwinds immer noch gut. Organisch und um Währungseffekte bereinigt wuchs Conti im zweiten Quartal noch einmal um 4,4 Prozent, in Asien legten die Erlöse dabei prozentual zweistellig zu. Im ersten Halbjahr kam Continental – auch dank günstiger Währungseffekte – mit 19,6 Milliarden Euro auf ein Umsatzplus von knapp 16 Prozent. „In einem anspruchsvollen Umfeld haben wir Stärke bewiesen“, sagte Conti-Chef Elmar Degenhart.

Auch mit der Gewinnentwicklung bei Conti konnte der Großaktionär Schaeffler zufrieden sein. Das bereinigte operative Konzernergebnis – wichtigste Ertragskennziffer bei der Steuerung von Conti -  verbesserte sich im ersten Halbjahr um knapp 18 Prozent 2,3 Milliarden Euro. Die Umsatzrendite vor Zinsen und Steuern legte auf dieser Basis von 11,6 auf 12,2 Prozent zu. Im Gesamtjahr rechnet Degenhart hier nun mit rund elf Prozent und ist damit nun etwas optimistischer als bislang.

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