Autoabsatz in Europa
VW verliert weiter Marktanteile

Der Abgas-Skandal bremst Volkswagen auf dem europäischen Markt weiter aus. Im November legte der Konzern erneut deutlich weniger zu als seine Konkurrenten. Insgesamt zeigt sich der Markt aber stark.

BrüsselTrotz des Abgas-Skandals bei Volkswagen ist Europas Automarkt stark wie lange nicht. In der Europäischen Union wurden im November mit knapp 1,1 Millionen Autos 13,7 Prozent mehr neu zugelassen worden als ein Jahr zuvor, wie der Branchenverband Acea am Dienstag mitteilte. Das war der 27. Anstieg in Folge - und der stärkste Novemberwert seit 2009, wie der deutsche Branchenverband VDA unterstrich. Volkswagen büßte kräftig Marktanteile ein.

Im Oktober hatte sich das Verkaufsplus noch deutlich auf 2,9 Prozent abgeschwächt. Der Skandal bei VW war Ende September öffentlich geworden. Die Wolfsburger selbst hatten mit einem vergleichsweise mageren Plus von 4,1 Prozent im November weiter an den Vorfällen zu knabbern. Die anderen deutschen Hersteller steigerten den Verkauf weitaus deutlicher. So setzte Daimler 22,8 Prozent mehr Fahrzeuge ab, BMW legte um 10,1 Prozent zu. Auch Ford (+20,5 Prozent) und Opel (+18,3) legten zweistellig zu - und wuchsen damit schneller als der Markt.

Mitte September hatte VW eingeräumt, mit Hilfe einer Software die Stickoxidwerte bei Abgasmessungen manipuliert zu haben. Seither verlieren die Wolfsburger Marktanteile: Mit 24,3 Prozent im November lag der Anteil deutlich unter dem Vorjahreswert von 26,6 Prozent. Vor allem die Pkw-Kernmarke VW büßte an Marktmacht ein. Aber auch Audi, Skoda und Seat gaben im Jahresvergleich Anteile an die Konkurrenz ab.

Unter den wichtigsten Absatzmärkten legte Deutschland mit 8,9 Prozent nur unterdurchschnittlich zu. Am kräftigsten stiegen die Verkäufe in Spanien (+25,4 Prozent), gefolgt von Italien (+23,5) und Frankreich (+11,3). Schlusslicht war Großbritannien mit plus 3,8 Prozent.

Die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young rechnen zum Jahresende erneut mit einem spürbaren Plus bei den Neuzulassungen. Damit dürften 2015 insgesamt etwa 13,6 Millionen Neuwagen in der EU verkauft werden, gut acht Prozent mehr als im Vorjahr, schätzt EY-Partner Peter Fuß: „Billiges Benzin, hohe Rabatte und gute Finanzierungsbedingungen sorgen für ein starkes Wachstum auf dem europäischen Neuwagenmarkt.“ Vom Vorkrisenniveau sei der EU-Automarkt aber immer noch weit entfernt: 2007 waren EU-weit 15,6 Millionen Neuwagen verkauft worden.

Diese Marke wird nach der Prognose auch 2016 nicht erreicht. Zwar bleibe Europas Neuwagenmarkt dank der anhaltend guten Konjunktur und niedriger Finanzierungskosten auf Wachstumskurs, sagte Fuß voraus: „Allerdings mit niedrigeren Zuwachsraten als in diesem Jahr.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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