Autoabsatz in Europa VW verliert weiter Marktanteile

Der Abgas-Skandal bremst Volkswagen auf dem europäischen Markt weiter aus. Im November legte der Konzern erneut deutlich weniger zu als seine Konkurrenten. Insgesamt zeigt sich der Markt aber stark.
Update: 15.12.2015 - 12:14 Uhr
Der Konzern ist im November weniger stark gewachsen als seine Konkurrenten. Quelle: dpa
VW-Händler in Großbritannien

Der Konzern ist im November weniger stark gewachsen als seine Konkurrenten.

(Foto: dpa)

BrüsselTrotz des Abgas-Skandals bei Volkswagen ist Europas Automarkt stark wie lange nicht. In der Europäischen Union wurden im November mit knapp 1,1 Millionen Autos 13,7 Prozent mehr neu zugelassen worden als ein Jahr zuvor, wie der Branchenverband Acea am Dienstag mitteilte. Das war der 27. Anstieg in Folge - und der stärkste Novemberwert seit 2009, wie der deutsche Branchenverband VDA unterstrich. Volkswagen büßte kräftig Marktanteile ein.

Im Oktober hatte sich das Verkaufsplus noch deutlich auf 2,9 Prozent abgeschwächt. Der Skandal bei VW war Ende September öffentlich geworden. Die Wolfsburger selbst hatten mit einem vergleichsweise mageren Plus von 4,1 Prozent im November weiter an den Vorfällen zu knabbern. Die anderen deutschen Hersteller steigerten den Verkauf weitaus deutlicher. So setzte Daimler 22,8 Prozent mehr Fahrzeuge ab, BMW legte um 10,1 Prozent zu. Auch Ford (+20,5 Prozent) und Opel (+18,3) legten zweistellig zu - und wuchsen damit schneller als der Markt.

Die lange Liste der Offenbarung
Porsche Cayenne Diesel mit 3,0 Liter-V6, Modelljahrgang 2015
1 von 23

Für manche Nicht-Auto-Experten war es ja überraschend, dass Porsche überhaupt Diesel verkauft. Doch zumindest dieses Modell wird nach den neuesten Vorwürfen in der Abgas-Affäre nun in den USA nicht mehr verkauft. Dies sei eine reine Vorsichtsmaßnahme, sagte ein Sprecher am 4. November 2015.

Wie die Konzernmutter VW hat Porsche die kürzlich von der US-Umweltbehörde EPA genannten Manipulationen auch größerer Diesel-Aggregate bislang nicht eingeräumt. Noch werden die Vorwürfe geprüft, wobei man mit der EPA kooperiert.

Porsche hat seit dem Jahresbeginn in den USA gut 12.000 Cayennes ausgeliefert, rund 3.000 davon hatten einen Dieselmotor. Die beanstandeten Motoren kommen von Audi.

Porsche Cayenne Diesel mit 3,0 Liter-V6, Modelljahrgang 2015
2 von 23

Von den Ermittlungen der US-Umweltbehörde EPA sind rund 3.000 Dieselfahrzeuge des Sportwagenbauers Porsche betroffen, dies hat die VW-Tochter bestätigt. Bei den Fahrzeugen handelt es sich um Diesel-Cayennes, die von Januar bis September in den USA ausgeliefert wurden. Das ist knapp ein Viertel aller 2015 in den Vereinigten Staaten an die Kunden übergebenen Cayennes.

Bisher sagte Porsche auf Fragen zu etwaigen Verwicklungen in den Abgasskandal, man habe damit nichts zu tun, auch weil es nur um Vierzylinder-Motoren gehe - so kleine Motoren habe man aber gar nicht im Sortiment.

Unter Verdacht: Ältere 3-Liter-Diesel
3 von 23

Die US-Umweltschutzbehörde EPA teilte am 20. November mit, Vertreter von VW und Audi hätten erklärt, dass alle in den USA verkauften Autos mit Drei-Liter-Dieselmotoren der Modelljahre 2009 bis 2016 mit einer nicht zugelassenen Software-Funktion zur Abgaskontrolle ausgerüstet seien.

Bis zu diesem Zeitpunkt war nur von rund 10.000 Fahrzeugen der Modelljahre 2014 bis 2016 die Rede gewesen. Nach Angaben der EPA geht es nun um rund 75.000 zusätzliche Fahrzeuge aus den Jahren davor, also insgesamt 85.000 Autos.

Von den neuen Vorwürfen betroffen sind die Audi-Modelle A6, A7, Q5 und Q7 mit dem 3,0-Liter-TDI-Motor der Modelljahrgänge 2009 bis heute.

Angeblich betroffen: Volkswagen Touareg, 3.0 L Diesel V6
4 von 23

Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. Die Motoren werden im VW Touareg (Modelljahrgang 2014) und Porsche Cayenne (Modelljahrgang 2015) sowie in größeren Audi-Modellen des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

Angeblich betroffen: Audi A8 und A8 Langversion
5 von 23

Nach Porsche stoppten per Mitteilung vom 4. November auch Audi und Volkswagen den Verkauf von V6-TDI-Dieseln in den USA. Betroffen sind unter anderem die Audi-Modelle A6, A7 und A8 sowie die Geländewagen Q5 und Q7 mit TDI-Motor. Bei Volkswagen ist der VW-Touareg betroffen.

Die Marken reagieren damit auf den Vorwurf, auch bei dem großen Dieselmotor die Abgaswerte manipuliert zu haben. Der VW-Konzern bestreitet den Vorwurf, da es sich um ein gängiges und legales System zur Abgasregulierung handele, das der Konzern bei der Zulassung in den USA aber nicht angegeben habe.

Angeblich betroffen: Audi Q5
6 von 23

Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. VW wies die Behauptung zurück. Die Motoren werden bei Audi im A6 quattro, A7 quattro, A8, A8L und Q5 des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

Betroffen: Audi A6 quattro
7 von 23

Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern vor, nicht nur bei den bisher bekannten Motoren, sondern auch bei 3,0-Liter-V6-Dieselaggregaten die Abgaswerte manipuliert zu haben. VW wies die Behauptung zurück. Die Motoren werden bei Audi im A6 quattro, A7 quattro, A8, A8L und Q5 des Modelljahrgangs 2016 eingesetzt.

Mitte September hatte VW eingeräumt, mit Hilfe einer Software die Stickoxidwerte bei Abgasmessungen manipuliert zu haben. Seither verlieren die Wolfsburger Marktanteile: Mit 24,3 Prozent im November lag der Anteil deutlich unter dem Vorjahreswert von 26,6 Prozent. Vor allem die Pkw-Kernmarke VW büßte an Marktmacht ein. Aber auch Audi, Skoda und Seat gaben im Jahresvergleich Anteile an die Konkurrenz ab.

Unter den wichtigsten Absatzmärkten legte Deutschland mit 8,9 Prozent nur unterdurchschnittlich zu. Am kräftigsten stiegen die Verkäufe in Spanien (+25,4 Prozent), gefolgt von Italien (+23,5) und Frankreich (+11,3). Schlusslicht war Großbritannien mit plus 3,8 Prozent.

Die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young rechnen zum Jahresende erneut mit einem spürbaren Plus bei den Neuzulassungen. Damit dürften 2015 insgesamt etwa 13,6 Millionen Neuwagen in der EU verkauft werden, gut acht Prozent mehr als im Vorjahr, schätzt EY-Partner Peter Fuß: „Billiges Benzin, hohe Rabatte und gute Finanzierungsbedingungen sorgen für ein starkes Wachstum auf dem europäischen Neuwagenmarkt.“ Vom Vorkrisenniveau sei der EU-Automarkt aber immer noch weit entfernt: 2007 waren EU-weit 15,6 Millionen Neuwagen verkauft worden.

Diese Marke wird nach der Prognose auch 2016 nicht erreicht. Zwar bleibe Europas Neuwagenmarkt dank der anhaltend guten Konjunktur und niedriger Finanzierungskosten auf Wachstumskurs, sagte Fuß voraus: „Allerdings mit niedrigeren Zuwachsraten als in diesem Jahr.“

  • dpa
Startseite

Mehr zu: Autoabsatz in Europa - VW verliert weiter Marktanteile

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%