Autobanken
Rekordjagd von VW-Finanztochter jäh gestoppt

Nicht nur die Autobauer haben es derzeit schwer, auch ihre Banken. Das gilt nicht zuletzt für die Finanztochter Volkswagens. Die hatte jahrelang stets für neue Rekordergebnisse gesorgt. Diese Serie ist nun zu Ende. Für zusätzlichen Ärger sorgt der Streit um die Staatshilfe, die die VW-Bank bekommt.

FRANKFURT. Wegen der Finanz- und Konjunkturkrise rechnet die erfolgsverwöhnte Finanztochter des Volkswagenkonzerns mit zwei harten Jahren. Von der Sonderkonjunktur in Deutschland durch die Abwrackprämie abgesehen brächen in vielen Ländern die Autoverkaufszahlen drastisch ein. Die Refinanzierung bleibe teuer, und die Risikokosten dürften steigen, sagte der Vorstandschef von Volkswagen Financial Services, Frank Witter, gestern.

Witter rechnet deshalb nach einem um zwei Prozent niedrigeren Vorsteuergewinn von 792 Mio. Euro 2008 für das laufende Jahr mit einem weiter sinkenden Ergebnis und ist auch für 2010 vorsichtig. Vor allem bei der Finanzierung von Autohändlern, die rund 30 Prozent des Geschäftsvolumens ausmacht, erwartet der Finanzanbieter eine stark steigende Risikovorsorge. 2008 war die gesamte Risikovorsorge schon um 46 Prozent auf 350 Mio. Euro gestiegen.

Der Vorstandschef erwartet eine Konsolidierung unter den Autobanken. Die Situation sei für andere Anbieter „schwierig, wenn nicht sogar Existenz bedrohend“. Finanzdienstleister ohne gute Eigenkapitalbasis oder Zugang zu Kundeneinlagen hätten es schwer. VW Financial Services hat über die Tochter Volkswagen Bank vom Bankenrettungsfonds Soffin Staatsgarantien über zwei Mrd. Euro gewährt bekommen. Er warte nun darauf, vom Soffin ein zeitliches Fenster für die Emission zugewiesen zu bekommen, sagte Witter.

In diesem Jahr muss VW Financial Services rund sechs Mrd. Euro neu refinanzieren. Kundeneinlagen machen ein Fünftel der Refinanzierung aus. Die Einlagen stiegen wie bei anderen Autobanken stark. Legten sie 2008 um ein Drittel auf 12,8 Mrd. Euro zu, brachten allein die elf Wochen dieses Jahres noch einmal einen Anstieg um knapp 27 Prozent auf 16,3 Mrd. Euro. Witter verteidigte sich gegen die Kritik von Sparkassen und Volksbanken, Staatshilfen an Autobanken würden den Wettbewerb verzerren. Es sei klar, dass Autobanken als Direktbank bessere Konditionen böten als Filialbanken.

Konzernmutter VW kann sich eventuell über einen Geldsegen freuen. Sie hatte ihrer Finanztochter 600 Mio. Euro an Eigenkapital zugeschossen, damit diese die Eigenkapitalanforderungen des Soffin für Bankgarantien erfüllt. Da die Garantien nun aber anders als ursprünglich geplant voll über die Volkswagen Bank und nicht über deren Mutter Financial Services laufen, ist das zusätzliche Eigenkapital eigentlich nicht mehr nötig.

Mit dem niederländischen Flottenmanager LeasePlan steht ein Zukauf an. Nachdem die beiden arabischen Minderheitsteilhaber von ihrer Verkaufsoption Gebrauch gemacht haben, wird VW Financial Services in diesem oder im kommenden Jahr die restlichen 50 Prozent übernehmen. Deren Wert wird mit rund 1,3 Mrd. Euro beziffert.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%