Autobauer BAIC will bei Daimler einsteigen
Roter Stern Stuttgart

Der chinesische Autobauer BAIC will sich an Daimler beteiligen. Die Gespräche laufen offenbar bereits. Der Stuttgarter Konzern zeigt sich für die Geldspritze von dem Staatskonzern aus China offen.
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MünchenWer in der Autoindustrie derzeit über China spricht, der meint vor allem die Krise. Beinahe im Wochentakt kommen neue Schreckensmeldungen aus dem größten Automarkt der Welt, der schon länger nicht mehr boomen will. BMW drosselt die Produktion, Audi kassiert seine Absatzziele, Jaguar senkt die Preise. Und Daimler? – Redet mit den Chinesen über eine Beteiligung. Schon bis Jahresende, so lässt sich Xu Heyi, Chef der staatlichen Beijing Automotive Group (BAIC) in chinesischen Medien zitieren, könne das Unternehmen einen „signifikanten Anteil“ an Daimler übernehmen.

Die Schwaben nehmen die Avancen wohlwollend zur Kenntnis. „Wir freuen uns immer über Interesse an unserem Unternehmen“, heißt es in Stuttgart. Man wolle weiterhin attraktiv für potenzielle langfristige Investoren sein. „Dabei sind uns auch Investoren aus China willkommen“, betont ein Sprecher. Immerhin sei man mit BAIC bereits über mehrere Joint Ventures verbunden und halte selbst zehn Prozent an der Autosparte des chinesischen Konglomerates. Finanzkreisen zufolge werde auch schon über Details eines Einstiegs geredet, der für die Chinesen aber angesichts des relativ hohen Kurswertes der Daimler-Anteile ein teures Unterfangen werden dürfte.

Doch anders als beim Einstieg von Abu Dhabi 2009, als der Kurs am Boden lag und Daimler dringend Geld brauchte, geht es dieses Mal vor allem um strategische Fragen. Mit einer Kapitalbeteiligung an Daimler spekulieren die Chinesen auf einen Technologietransfer und die Modernisierung ihrer eigenen Industrie. Denn auch zwei Jahrzehnte nach der Öffnung des chinesischen Marktes für ausländische Autohersteller haben es die chinesischen Joint Venture-Partner wie BAIC nicht geschafft, technologisch zu ihren Partnern aufzuschließen.

Daimler hat mit den Chinesen wenig Berührungsängste. „Unsere Aktivitäten in China können keine Einbahnstraße sein“, betont Konzernchef Zetsche gerne. Erst vor wenigen Wochen verkauften die Stuttgarter 18 ostdeutsche Autohäuser an chinesische Investoren.

Als Anteilseigner wäre BAIC sehr willkommen. Anders als BMW und Volkswagen mit ihren Ankeraktionären Quandt, Porsche und Piëch sind die Stuttgarter auf viele wohlwollende, langfristig orientierte Aktionäre angewiesen. Dieser Kreis ist mit Kuwait (6,8 Prozent) und Renault Nissan (3,1 Prozent) überschaubar, auch weil sich Abu Dhabi nach dem Einstieg 2009 schnell wieder verabschiedet hat. Denn obwohl es Daimler aktuell sehr gut geht und die Aktionäre zufrieden sind, schwebt über dem Unternehmen latent die Gefahr des Einstiegs unliebsamer Hedgefonds.

Zum anderen hält man China in Stuttgart trotz aller aktuellen Probleme für den wichtigsten Zukunftsmarkt. Zwar hat Mercedes anders als Audi und BMW den Boom in Fernost zunächst verschlafen, doch seit zwei Jahren kommt die Marke mit dem Stern mit Macht. So baut Zetsche das Joint Venture mit BAIC kräftig aus und will in diesem Jahr erstmals mehr als 300.000 Autos im Reich der Mitte verkaufen. Und anders als die Konkurrenten aus München und Ingolstadt lässt Mercedes auch nach den jüngsten Turbulenzen keine Zweifel daran, dass dieses Ziel erreicht wird. Für Spitzenmodelle wie die S-Klasse ist das Riesenreich schon jetzt der wichtigste Einzelmarkt.

In Stuttgart, München und Wolfsburg geht man davon aus, dass China nicht nur als Absatzmarkt, sondern auch als Technologietreiber immer wichtiger wird. Elektromobilität, Vernetzung und autonomes Fahren dürften sich in den von Luftverschmutzung und Staus gebeutelten Metropolen als erstes durchsetzen. Einem chinesischen Anteilseigner mit guten Verbindungen zur Zentralregierung macht man vor diesem Hintergrund gerne die Türen auf.

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