Autobauer
Daimler-Betriebsrat kritisiert Vorstand

Daimler-Betriebsratschef Erich Klemm hat den Daimler-Vorstand aufgefordert, gemeinsam die Krise zu überwinden und kritisiert, dass die Unternehmensführung die Lage ausnutzen will, um erneut die Kosten zu drücken.

STUTTGART. Erstmals kritisiert Klemm in einer internen Betriebsratszeitung, die dem Magazin auto motor und sport vorliegt, dass das Unternehmen zu spät auf die Entwicklung von Umwelt-Technik gesetzt hat.

Deutlich nimmt Klemm den Vorstand unter Beschuss, dem außer einem neuen Kostensenkungsprogramm nichts einfalle. So tauge "das alte, aber immer wieder neu aufgelegte Sanierungskonzept - Kosten senken, umstrukturieren, Personal abbauen - nicht in dieser Krise", schreibt Klemm. "Egal wie schlank, effizient und flexibel die Automobilunternehmen derzeit sind, sie verkaufen trotzdem zu wenig Autos." Dabei macht Klemm auch dem eigenen Vorstand den Vorwurf versäumt zu haben, "die Fahrzeuge rechtzeitig auf den neuesten Stand der Umwelttechnik zu bringen".

Auf diese Probleme mit einem neuen Kostensenkungsprogramm zu reagieren, sei falsch. "Wir im Werk Sindelfingen haben umfangreiche Rationalisierungsprogramme gerade hinter uns und produzieren die beste Qualität im Automobilbau weltweit. Es liegt wirklich nicht an uns, dass der Absatz stockt." Klemm nennt es "unwürdig", dass die Unternehmensspitze nun juristisch gegen den Betriebsrat vorgeht, der sich für die Sicherung der Einkommen einsetzt.

"Es ist unwürdig, jetzt juristische Kleinkriege mit dem Betriebsrat anzuzetteln, weil dieser die Entgelte der vom Absatzeinbruch betroffenen Beschäftigten so gut als eben möglich absichern will. Die Produktionsbeschäftigten können nichts für den Arbeitsmangel und die Krise darf nicht allein auf ihrem Rücken bewältigt werden" so Klemm.

"Es ist auch mehr als kontraproduktiv, wenn der Vorstand in diesen Tagen versucht, die Führungsmannschaft in der Produktion gegen die Belegschaft und den Betriebsrat in Stellung zu bringen, wie es derzeit auf dem Feld der Arbeitsorganisation geschieht." Stattdessen fordert Klemm, wieder mehr Arbeiten zurück ins Werk zu holen und das Insourcing auszubauen. "Lasst uns Arbeiten ins Unternehmen zurückholen, die in der Vergangenheit fremd vergeben wurden und neue sinnvolle Aufgaben entwickeln."

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