Autobauer
Der letzte Elchtest für Saab

Nicht einmal daheim in Schweden findet Saab-Chef Jan Åke Jonsson noch jemanden, der seinen Konzern retten will. Die schwedische Kultmarke steht vor dem Aus. In der kleinen Saab-Stadt Trollhättan haben viele längst Abschied genommen.

TROLLHÄTTAN. "Release me" tönt aus den Lautsprechern. "Befreit mich!" Jan Åke Jonsson singt nicht selbst, der Chef von Saab lässt das die Popgruppe Oh Laura erledigen. Aber auch Jonsson ersehnt die Befreiung, als er am grau-kalten Freitag auf das Podium steigt. Erzwingen will er sie durch Optimismus. Ein weiteres, wie er sagt, "hoffentlich erfolgreiches" Kapitel möchte der Saab-Chef der stolzen Geschichte seines Unternehmens hinzufügen.

Ein Erfolg für Jonsson wäre es schon, wenn es den schwedischen Autobauer in drei Monaten überhaupt noch gibt.

"60 Jahre Saab" preisen die schmucken Plakate neben Jonsson. 60 Jahre vom tropfenförmigen Kultauto, dem Modell "92" von 1949, bis zu den Turbomotoren der Neuzeit. Jonsson beschwört die Tradition, er hat in den Vorlesungssaal des Firmenmuseums im westschwedischen Trollhättan geladen.

Mag sein, dass das Museum bald das Einzige ist, was von Saab noch übrig ist. Denn Jonsson hat nur wenige Verbündete in seinem Kampf um Befreiung vom Schicksal, die erste Automarke zu sein, die die Weltwirtschaftskrise dahinrafft. Der Mutterkonzern General Motors (GM) will Saab schon länger loswerden und wälzt sich selber in Agonie hin und her. Europäische Schwestermarken wie Opel denken auch nur an sich. Und die Regierung sieht nicht ein, Saab mit Milliardenbürgschaften zu retten - weil sie längst nicht mehr glaubt, dass das Unternehmen überleben kann.

Saab-Chef Jonsson muss glauben, dass sie alle unrecht haben. Er verkündet tapfer, seine Firma wolle den Gläubigerschutz, unter den sie sich nun geflüchtet hat, zur eigenen Rettung nutzen. "Rekonstruktion" heißt das im schwedischen Recht; in sieben von zehn Fällen steht am Ende dennoch die Pleite. Doch Jonsson spricht unverdrossen von einem "Neustart", einen Neuanfang ohne die Lasten des schlingernden Riesen GM. Völlig loslösen wolle man sich von der Mutter im fernen Detroit, ganz allein weitermachen, auch ohne die deutsche GM-Tochter Opel.

Saab: Von der Kultkutsche zum 08/15-Auto

Aber in Rüsselsheim soll doch ab Sommer dieses Jahres der Saab 9-5 gebaut werden? Klar, eine Kooperation sei denkbar, aber alle Saab-Modelle müssten fortan in Trollhättan gebaut werden, sagt Jonsson. Der Standortwettbewerb zwischen Deutschen und Schweden, der immer wieder aufflammte, er lodert wieder lichterloh.

Aber erst einmal muss Saab die nächsten Monate überleben. "Das, was wir jetzt brauchen, ist eine Bürgschaft, eine Kreditgarantie", sagt Jonsson immer und immer wieder in seinem kleinen Museum. Ja, Saab habe Finanzierungsprobleme, könne die Rechnungen der Zulieferer nicht zahlen. Deshalb habe er einen Kredit bei der Europäischen Investitionsbank EIB beantragt. Was fehlt, sei nur die Bürgschaft für so einen Kredit.

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