Autobauer

Ein Hoffnungsschimmer aus Russland

Das Jahr 2016 war eine Katastrophe für den russischen Automarkt. Doch der steigende Ölpreis und ein mögliches Ende der Sanktionen lassen Experten wieder hoffen. Für Autobauer wie VW wäre das enorm wichtig.
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Der russische Automarkt hat ein katastrophales Jahr hinter sich. Quelle: AP
Stau in der Moskauer Innenstadt

Der russische Automarkt hat ein katastrophales Jahr hinter sich.

(Foto: AP)

MoskauDraußen rasen in hoher Geschwindigkeit Autos durch den Moskauer Schneematsch. Drinnen im VW-Autosalon „Deutsches Haus“ ist es dagegen still. In der Woche ist nicht viel los, schon gar nicht am Vormittag. Verkäufer Witali Pawlow sitzt allein und eher gelangweilt am Schreibtisch und füllt ein paar Zettel aus. Schließlich kommt doch ein potenzieller Kunde in den Saal und sieht sich die vier ausgestellten Fahrzeuge an: Tiguan, Touareg, Passat und Polo.

Das sei nicht alles, was sie hätten, versichert Witali dem Mann. Den Jetta habe er noch im Angebot und eine größere Anzahl VW-Nutzfahrzeuge sei in einer anderen Filiale zu bekommen. Doch den Kunden interessiert ein Golf. „Der wird nicht mehr importiert, die Nachfrage ist zu schwach“, sagt Witali.

Der Rückgang der Verkaufszahlen hat ausländische Hersteller trotz einer teilweise bereits erfolgten Verlagerung der Produktion stärker als einheimische Autobauer getroffen Quelle: Bloomberg
VW-Produktion in Nischni Nowgorod

Der Rückgang der Verkaufszahlen hat ausländische Hersteller trotz einer teilweise bereits erfolgten Verlagerung der Produktion stärker als einheimische Autobauer getroffen

(Foto: Bloomberg)

Tatsächlich taucht der Golf nicht einmal in der vom Verband der europäischen Auslandsinvestoren (AEB) herausgegebenen Statistik der 25 meistverkauften Autos in Russland auf. Nur der in Kaluga südwestlich von Moskau produzierte Polo schafft es auf Rang fünf. Dafür sind gleich drei Lada-Modelle in den Top-10.

Allerdings war 2016 insgesamt eine Katastrophe für Russlands Autohändler. Gerade einmal 1,4 Millionen Neuwagen wurden im vergangenen Jahr in Russland verkauft; ein Minus von elf Prozent gegenüber 2015. Noch 2012 waren es mit knapp drei Millionen Autos doppelt so viele. 300 Autohändler mussten im Jahresverlauf dicht machen.

Was die weltweit wichtigsten Autoländer bewegt
Ausblick auf den Automarkt
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Ob ein Automarkt floriert oder einbricht, hängt immer öfter mit dem staatlichen Handeln zusammen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Kreditversicherers Euler Hermes. Weltweit haben die Experten die Situation auf den Automärkten analysiert und zeigen den starken Einfluss von Subventionen, Steuersenkungen und Marktanreizen. Ein Überblick.

China
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Der chinesische Markt war jahrelang das El Dorado der Branche. Großes Wachstum und ebenso große Margen gingen Hand in Hand. Durch staatliche Anreize dürfte der Autoabsatz in China das Jahr mit einem Plus von acht Prozent abschließen. Nächstes Jahr soll es mit einem Plus von fünf Prozent auf 24 Millionen Fahrzeuge etwas langsamer vorangehen.

USA
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erWegen des niedrigen Ölpreises und der niedrigen Zinsen steuert der US-Markt auf ein neues Rekordjahr zu. Allerdings fällt der Zuwachs mit einem Prozent sehr mager aus. Im kommenden Jahr rechnen die Experten sogar damit, dass der Markt um zwei Prozent auf 17,6 Millionen verkaufte Fahrzeuge schrumpfen könnte.

Japan
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Der japanische Automarkt ist seit Jahren auf einer Achterbahnfahrt – gefangen zwischen starkem Yen und neuen Kaufanreizen durch die Regierung. Nach einer Mehrwertsteuererhöhung und einem Absturz hat sich der Absatz dieses Jahr wieder bei fünf Millionen verkauften Fahrzeugen stabilisiert. Im kommenden Jahr wird ein Wachstum von fünf Prozent erwartet.

Großbritannien
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Auf der Insel geht das Brexit-Gespenst um. Obwohl noch nicht einmal die Verhandlungen über den Ausstieg aus der EU begonnen haben, rechnen die Experten mit einem Abschwung des Automarktes. Im Jahr 2016 legt der Markt zwar noch leicht zu, für 2017 wird ein Absturz um neun Prozent erwartet.

Deutschland
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Der deutsche Automarkt hat sich von seiner Schwäche erholt und dürfte das laufende Jahr mit einem Plus von fünf Prozent und 3,35 Millionen verkauften Fahrzeugen abschließen. Im Jahr 2017 soll es langsamer vorangehen. Vorausgesagt wird ein Wachstum von einem Prozent.

Frankreich
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Die französischen Autobauer PSA und Renault können aufatmen. Ihr Heimatmarkt entwickelt sich mit eine Plus von sechs Prozent oder 2,1 Millionen verkauften Fahrzeugen wieder überdurchschnittlich, allein der Diesel schwächelt. Allerdings soll das Absatzplus im kommenden Jahr mit drei Prozent deutlich geringer ausfallen.

Von Moskaus einst hochfliegenden Ambitionen, Deutschland als Automarkt Nummer eins in Europa ablösen zu wollen, ist wegen Rubelkrise und sinkenden Reallöhnen der Russen wenig übriggeblieben. Doch immerhin sehen Experten nun einen Aufwärtstrend: Jörg Schreiber, Leiter des Automobilkomitees bei der AEB, prognostizierte dem Markt bereits zu Jahresbeginn ein „bescheidenes Wachstum“ von vier Prozent. Die Ratingagentur Moody's rechnet damit, dass das Volumen der Autokredite um 2 bis 7 Prozent zulegt.

Die Analysten des Informationsdienstleisters IHS sind sogar noch optimistischer: 2017 werde der russische Markt um 8,5 Prozent wachsen und 2019 die Schwelle von zwei Millionen verkauften Neuwagen wieder überschreiten. Bis 2026 sei sogar der Anstieg auf drei Millionen Pkw möglich. Voraussetzungen dafür seien allerdings ein steigender Ölpreis und die Abschaffung der westlichen Sanktionen gegen Russland, die IHS schon im zweiten Halbjahr 2017 fallen sieht.

Verbraucher haben Nachholbedarf
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