Autobauer entscheidet sich für Standort
Volkswagen baut US-Werk in Tennessee

Der Volkswagen-Konzern will in Chattanooga sein Werk in den USA errichten. Zunächst sollen in Tennessee nur Modelle der Kernmarke VW gebaut werden. Danach kann aber auch eine gemeinsame Produktion mit der Schwestermarke Audi ins Auge gefasst werden.

mcs/HB WOLFSBURG/HAMBURG. Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff, der dem VW-Aufsichtsrat angehört, erklärte nach einer Sitzung des Kontrollgremiums: "VW wird mit der heutigen Entscheidung, eine Fabrik in Chattanooga/Tennesee zu errichten, endgültig zum globalen Unternehmen, unabhängiger von kontinentalen Konjunkturschwankungen und von Währungsdisparitäten, insbesondere zwischen Dollar und Euro." Das Land Niedersachsen besitzt gut 20 Prozent der VW-Aktien, Wulff vertritt die Interessen des Landes im Aufsichtsrat. Der CDU-Politiker betonte, nach den Werken in Russland und Indien sei das Werk in den USA "ein weiterer Baustein, Nummer zwei in der Welt zu werden, weiter anzugreifen und durch Mengen- und Stückzahleffekte erfolgreich zu bleiben".

Volkswagen-Chef Martin Winterkorn will nach Handelsblatt-Informationen trotz der dramatischen Probleme auf dem US-Markt gut 600 Mill. Euro in ein eigenes Werk dort investieren. Weitere US-Projekte will der Aufsichtsrat später beschließen. „Wir entscheiden erst einmal grundsätzlich über die Investition“, hatte Volkswagens Betriebsratschef und Aufsichtsrat Bernd Osterloh vor wenigen Tagen dem Handelsblatt gesagt. „Die Frage, ob wir Fabriken für Motoren und Getriebe bauen, wird zu einem späteren Zeitpunkt geklärt.“ Branchenkenner schätzen die dafür anfallenden Kosten auf noch einmal mindestens 300 Mill. Euro.

Der Zeitplan ist eng. Europas größter Autobauer will bereits ab 2010 in der neuen Fabrik produzieren. In einer ersten Stufe sind rund 150 000 Autos pro Jahr geplant. Während viele Branchenkenner angesichts der Krise auf dem US-Automarkt skeptisch sind, bekommt Konzernchef Winterkorn Rückenwind von den Arbeitnehmervertretern. „Ich glaube fest an den Erfolg von VW in den USA. Das wird klappen“, sagte Osterloh trotz des jüngsten Absatzeinbruches.

Der größte Automarkt der Welt schrumpfte allein im Juni um mehr als 18 Prozent. Schuld sind die Sparzwänge der rezessionsgefährdeten Amerikaner, die Häuserkrise und der hohe Spritpreis. Osterloh schreckt das nicht: „Die Probleme im US-Markt sind sogar eine Chance für den VW-Konzern mit seinen sparsamen Motoren.“ Große Autos bekämen zunehmend Imageprobleme.

Zustimmung für seinen Schritt findet Winterkorn auch bei Christoph Stürmer vom Marktforscher Global Insight. „Das ist der beste Zeitpunkt für eine US-Offensive“, sagte der Branchenexperte. „Jetzt sind Marktstrukturen im Fluss. Loyalitäten werden aufgebrochen.“ Skeptisch ist Stürmer aber, ob das Image der Marke das geplante US-Wachstum wirklich trägt.

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