Autobauer FAW
Chef von chinesischem VW-Partner festgenommen

Chinas Kampagne gegen Korruption zieht immer weitere Kreise unter Autobauern. Ermittler gingen nun gegen den Chef des chinesischen VW-Partners FAW vor. Die Branche ist verunsichert.
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PekingChinas oberste Anti-Korruptionsermittler haben den Chef des Volkswagen-Partners FAW festgenommen. Xu Jianyi stehe unter Verdacht „schwerwiegend gegen die Parteidisziplin und Gesetze“ verstoßen zu haben, wie die parteiinterne Disziplinarkommission am Sonntag mitteilte. Damit werden in der Regel Korruptionsvorwürfe umschrieben. Im Gemeinschaftsunternehmen FAW-Volkswagen hatte es während der vergangenen Monate bereits Korruptionsermittlungen gegeben. FAW war zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Volkswagen war zusammen mit anderen Autobauern zur gleichen Zeit in China in die Schlagzeilen geraten. Chinas Staatsfernsehen CCTV hatte in einem Beitrag den Service von internationalen Automarken als „minderwertig“ gebrandmarkt. In der am Sonntag ausgestrahlten Sendung zum Weltverbrauchertag prangerten die Staatsjournalisten Probleme bei Volkswagen, Daimler, Range Rover und Nissan an.

Jedes Jahr teilt CCTV wie in einem Ritual zum Verbrauchertag gegen ausländische Firmen aus. In diesem Jahr schickten die Journalisten mit versteckter Kamera Autos mit kleinen Problemen in Werkstätten. Ihr Vorwurf: Obwohl sich die Probleme einfach beheben ließen, tauschten die Mechaniker aufwendig Teile aus und stellten dann den Kunden überteuerte Reparaturen in Rechnung.

Volkswagen entschuldigte sich auf Anfrage am Montag für jegliche Unannehmlichkeiten. Das Unternehmen überprüfe regelmäßig die Qualität der Händler. „Wir laden Kunden ein, sich direkt an uns zu wenden, falls sie Probleme mit den Dienstleistungen unserer Händler haben“, teilte Volkswagen mit.

China ist der wichtigste Markt für Europas größten Autobauer Volkswagen. Das Reich der Mitte brachte den Wolfsburgern 2014 anteilig 5,2 Milliarden Euro operativen Gewinn, wie sie vergangene Woche mitteilten. Das sind rund 21 Prozent mehr als 2013. Der Konzern hatte zuletzt mehr als jedes dritte Fahrzeug (36 Prozent) in China verkauft. Das Riesenreich ist vor den USA der weltgrößte Automarkt.

Die Ermittlungen gegen Xu Jianyi kommen nicht überraschend. FAW steht seit Monaten im Fokus der Anti-Korruptionsermittler. Die Untersuchungen leitet die mächtige Disziplinarkommission der Kommunistischen Partei. Erst nach Abschluss ihrer Untersuchungen werden die Fälle den Justizbehörden übergeben. Oft werden die Verdächtigten monatelang festgehalten. Was genau bei den Verhören passiert, wird weder öffentlich noch rechtlich unabhängig überwacht.

Wie alle internationalen Automobilkonzerne muss Volkswagen in China mit einem chinesischen Partner zusammenarbeiten. Bei dem Gemeinschaftsunternehmen FAW-Volkswagen hatte es vergangenes Jahr bereits Korruptionsermittlungen gegeben. Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping hatte eine Landesweite Kampagne gegen Korruption angestoßen.



Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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