Autobauer Fiat-Boss Marchionne bringt Magneti Marelli an die Börse

Sergio Marchionne kommt beim Konzernumbau voran: Nach Ferrari bringt der Fiat-Chef jetzt den Zulieferer Magneti Marelli an die Börse.
Update: 05.04.2018 - 14:53 Uhr Kommentieren
Magneti Marelli: Autobauer Fiat Chrysler startet Ausgliederung Quelle: Reuters
Sergio Marchionne

Im nächsten Jahr verlässt Sergio Marchionne den Konzern. Bis dahin soll der Zulieferer Magneti Marelli aus dem Kerngeschäft ausgegliedert werden. Der Aktienkurs des Unternehmens stieg nach dieser Ankündigung stark.

(Foto: Reuters)

RomFiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne zieht seinen Strategieplan Schritt für Schritt durch. Wie der italienisch-amerikanische Autokonzern am Donnerstag mitteilte, hat der Verwaltungsrat bei einer Sondersitzung grünes Licht für die Abspaltung des hauseigenen Zulieferers Magneti Marelli gegeben.

Ende des Jahres oder Anfang 2019 werde die neue Holding dann an der Mailänder Börse notiert, heißt es in einer Ankündigung aus London, wo Fiat-Chrysler (FCA) seinen Sitz hat.

Schon beim Autosalon in Genf hatte Marchionne angekündigt, Magneti Marelli nicht verkaufen zu wollen. Man denke eher an ein Spin-Off, bei dem die Aktien der Tochter an die FCA-Aktionäre gehen sollten. Neu ist jetzt, dass die neue Holding an die Börse gehen soll.

„Es geht um einen Schlüsselbestandteil unseres Strategieplans 2018 bis 2022, den wir im Juni vorstellen werden“, sagte Marchionne zu der Trennung von dem Unternehmensteil. Die Aufteilung schaffe Wert für die FCA-Aktionäre und gebe Magneti Marelli die nötige Flexibilität für strategisches Wachstum in den kommenden Jahren. Außerdem können sich mit dem Spin-Off FCA besser auf das eigene Portfolio konzentrieren und die eigene Kapitalstruktur verbessern.

Die 1919 gegründete Fiat-Tochter Magneti Marelli mit Sitz in Corbetta bei Mailand fertigt elektrische und elektronische Komponenten für die Autoindustrie. Sie ist auch Zulieferer von Einspritzsystemen. In Deutschland ist der Zulieferer ebenfalls vertreten.

Schon vor Monaten hatte Marchionne die Abtrennung der Komponententochter angekündigt. Erstmals war unter Analysten darüber spekuliert worden, als Anfang 2017 die ersten Nachrichten über eine Verwicklung des Autobauers in den Dieselskandal in den USA zu kursieren begannen. Das Unternehmen müsse Geld zurücklegen für eventuelle Forderungen nach Zivilklagen wegen gefälschter Emissionswerte der Modelle Jeep Grand Cherokee und Ram 1500, hieß es. Die Verfahren sind noch nicht abgeschlossen.

Ferrari-Ausgliederung war der erste Schritt

Der siebtgrößte Autohersteller der Welt mit einem Markenwert von 17 Milliarden Dollar hat gerade erst gute Quartalszahlen für die USA vorgelegt. Der Absatz in Europa ging jedoch zurück. Mit Spannung wird auf den Investorentag Anfang Juni gewartet, wann Marchionne, der seit 2004 Chef von Fiat und danach FCA ist, den neuen Plan vorlegen will. Ende 2019 will der 65-Jährige aufhören.

Seine erste Ausgliederung war die von Ferrari, das er im Oktober 2015 an die New Yorker Börse brachte. 2016 folgte die Zweitnotierung der roten Rennwagen in Mailand.

Seit 2014 ist Marchionne auch Vorsitzender im Ferrari-Verwaltungsrat, wo er Luca Cordero di Montezemolo ablöste. Seit Mai 2016 ist er zusätzlich als CEO für das operative Geschäft zuständig, nachdem Amedeo Fedisa nach 26 Jahren in Maranello zurückgetreten war. Auch wenn er FCA verlässt, bei Ferrari will Marchionne bis mindestens 2021 bleiben.

Maranello dreht an der Leistungsschraube
Ferrari 812 Superfast
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Ferrari wird 70 Jahre alt - und gibt sich kein bisschen leise. Auf dem Genfer Autosalon zeigt man eine neue F12-Generation namens 812 Superfast. Das neue Topmodell der Marke ist der bislang stärkste rein mit Verbrennungsmotor angetriebene Serien-Ferrari überhaupt.

Ferrari 812 Superfast
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Bereits in den 1960er-Jahren gab es ein 400 PS starkes V12-Coupé namens 500 Superfast. Beim neuen Superfast hat sich die Leistung exakt verdoppelt.

Der 6,5-Liter-V12, der über eine 350-bar-Direkteinspritzung und variable Ansaugrohre verfügt, stemmt 588 kW/800 PS und 718 Newtonmeter Drehmoment an die Hinterräder.

Ferrari 812 Superfast
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Der Pilot soll den Standardspurt des 1,5-Tonners in 2,9 Sekunden erleben und über 340 km/h schnell werden. Schon der Prüfstand-Verbrauch ist mit 15 Litern entsprechend hoch.

Ferrari 812 Superfast
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Neben mehr Leistung bietet das neue F12-Derivat als erster Ferrari die neue elektrische Servolenkung EPS, die im Zusammenspiel mit den mitlenkenden Hinterrädern ein besonders gutes Handling in engen Kurven ermöglichen soll.

Für Freunde des gepflegten Drifts ist der Superfast zudem mit der neuesten Version der Side-Slip-Control ausgestattet.

Ferrari 812 Superfast
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Obwohl unverkennbar ein Ableger des F12, wurde das Design des 812 in vielen Details modifiziert. So gibt es LED-Scheinwerfer und vier statt bisher zwei runde Rückleuchten. Auch das Aerodynamikdesign wurde in umfassend verändert und soll mehr Abtrieb als bisher garantieren.

Ferrari 812 Superfast
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Angaben zum Marktstart und zum Preis hat Ferrari noch nicht gemacht. In seiner bisher schärfsten Ausbaustufe mit Namenszusatz „tds“ kostete der F12 rund 380.000 Euro. Gut möglich, dass der Superfast teurer wird.

In Mailand löste die Nachricht an der Börse am Donnerstag einen Kurssprung nach oben um 4,2 Prozent aus. In den vergangenen Tagen war die Aktie wegen der schlechten Absatzzahlen in Italien und des drohenden Handelskriegs mit den USA stark unter Druck geraten. Das Brokerhaus Banca Akros schätzt den Wert von Magneti Marelli auf rund 5,5 Milliarden Euro.

Die Nachricht sei positiv, wenn auch längst erwartet, sagte ein Analyst der Agentur MF-Dowjones. Spekuliert wird in Mailand bereits über die nächste Ausgliederung: die in Turin ansässige Tochter Comau, die industrielle Automatisierungsprodukte, Systeme und Dienstleistungen anbietet und deren Wert auf rund eine Milliarde Euro geschätzt wird.

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