Autobauer im VW-Skandal
Wenn der Diesel aus der Flotte fällt

Deutschlands Autohersteller brauchen den Diesel. Ohne die Technologie sind die CO2-Vorgaben nicht zu erreichen. Der Manipulationsskandal bei Volkswagen könnte auch die unbeteiligten Konzerne teuer zu stehen kommen.
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DüsseldorfAls Volkswagen im Jahr 2011 das erste US-Werk eröffnete, schien die Welt für den Diesel noch in Ordnung. Selbst Obamas damaliger Verkehrsminister Ray LaHood jubelte bei der Einweihung der Werkshallen in Chattanooga: „Wir stehen am Anfang eines neuen Verkehrssystems für ein neues Jahrhundert – und die Clean-Diesel-Technologie muss ein Teil hiervon sein.“

Vier Jahre später liegt der Ruf des Diesels in den USA in Trümmern. Die Manipulation von Abgaswerten hat der Technologie, die jahrelang als „Clean Diesel“ beworben wurde, ein Imageproblem sondergleichen beschert. Der Flurschaden für „Made in Germany“ ist noch gar nicht abzusehen. Wie es mit dem Diesel in den USA weitergeht, ist ungewiss. Volkswagen hat die Zulassung der neuen Modelle derzeit auf Eis gelegt.

Noch wichtiger für die Hersteller ist allerdings, dass der Dieselabsatz in Europa nicht unter dem Skandal leidet. Seit 1990 ist der Anteil der Fahrzeuge mit Dieselmotor in Westeuropa von 13,8 Prozent auf 53,1 Prozent gestiegen. Besonders die deutschen Premiumhersteller hängen vom Diesel ab: Bei Audi und BMW machen die Selbstzünder mehr als zwei Drittel des Absatzes aus. Die Technologie gilt für die Deutschen als unverzichtbar, um die strengen CO2-Vorgaben der EU einzuhalten.

Die Vertrauenskrise wird darum auch zum Problem für Hersteller wie BMW und Mercedes, die sich der Manipulation nach eigener Auskunft nicht schuldig gemacht haben. Nach einer aktuellen Prognose des Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen könnte ein sinkender Dieselabsatz massive Folgen für die Hersteller haben, insbesondere wenn die EU an ihren Strafgrenzen festhält.

Seit dem Jahr 2015 hat jedes Gramm CO2, das über dem Grenzwert von 130 Gramm liegt, massive finanzielle Folgen. Während die EU für das erste Gramm noch eine moderate Strafe von 5 Euro pro Auto veranschlagt, sind es ab dem vierten Gramm schon 95 Euro pro Fahrzeug. Bei einem Absatzrückgang des Diesels von fünf Prozent könnte der Flottenschnitt nach Berechnungen des CAR-Instituts um ein Gramm steigen. Damit würden der Branche zusätzliche Strafzahlungen von 70 Millionen Euro drohen. Eine Summe, die sicher zu verkraften wäre.

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  • Mich wundert es , dass alle Welt es so darstellt,
    als hätte es nie Alternativen bei der Dieselabgasbehandlung gegeben. Die Einführung des Dieselkatalysators halte ich für einen der größten Fehler in der Technikgeschichte. Schon damals gab es bessere Lösungen für ein gesundheitlich unbedenkliches Dieselabgas ohne Umweltbelastungen. Die Einspritzung von Wasser in die Zylinder verhindert die Bildung von Stickoxiden. Das Wasser kann entweder mit dem Treibstoff oder durch eine separate Einspritzung zugeführt werden. Das hätte nicht zu einer Erhöhung des Verbrauchs um 20%v wie beim Kat , sondern zu einer Senkung um 30% geführt. Die Bildung von Rußpartikeln verhindert eine zylindergenaue Einspritzung.
    Die „Lösung“ mit der Betrugssoftware passt zu meinen Erfahrungen, die ich mit der jüngeren Ingenieursgeneration gemacht habe. Fehler, die wegen der Physik und der Chemie vorhanden sind, wollen sie mit Software beheben. Gedanken, wie man solche Fehler schon bei ihrer Entstehung verhindert, machen sie sich nicht. Die entsprechenden naturwissenschaftlichen Kenntnisse fehlen vermutlich.
    Der Abgasskandal beweist, dass unsere Autoindustrie nicht in der Lage oder willens ist, einen 120 Jahre alten Antrieb für kommende Umweltauflagen weiterzuentwickeln. Wie kann ich dann ein wirklich zukunftsfähiges Auto von dieser Industrie erwarten? Dieses Auto hat 4 leichte Radmotoren und eine Brennstoffzelle. Diese ist zwar seit fast 200 Jahren bekannt, wird aber nicht ernsthaft entwickelt. Das Leergewicht darf nicht über 600kg liegen.

  • „Zuletzt hatte Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal gefordert, die finanziellen Vorteile für den Diesel innerhalb der nächsten fünf Jahre abzuschaffen.“ Die Medien hatten schon Ende 2014, also vor knapp einem Jahr, darüber berichtet, dass Frankreich den Ausstieg aus den Diesel-Subventionen vorantreibt – zusammen mit einer Förderung von bis zu 10.000 € für ein neues Elektrofahrzeug. Diese Überlegungen sind also nicht neu und nicht durch Dieselgate verursacht.

  • Doch Herr Delli, wir haben etwas besseres als den Verbrennungsmotor - den Elektromotor. Fragen Sie die Eisenbahner. ;)

    Ich bin mir sicher, dass es sich die deutsche Autoindustrie auf Dauer nicht leisten kann, Entwicklungen bei der Batterietechnik zu "übersehen". Schon mit der heutigen Akku-Technologie hat man eine Reichweite von locker 150 - 300 km. Für die Millionen Autofahrer, die ihr Gefährt für vielleicht 10-15.000 km im Jahr brauchen, reicht das allemal.

    Die großen Hürden vor dem Kauf eines E-Cars sind meiner Meinung nach der teilweise bewusst überteuerte Anschaffungspreis (der sich durch die geringeren Betriebskosten relativiert) und die unzureichende bzw. nicht vorhandene Infrastruktur zum Nachladen. Wer hat schon Lust aufs Autofahren, wenn er ständig die Erreichbarkeit der wenigen Ladestationen im Hinterkopf haben muss.

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