Autobauer in der Krise
„Das Ende von Opel wäre ein schwerer Schlag“

Volkswagens Betriebsratschef Bernd Osterloh sieht die ehrgeizigen Absatzziele des VW-Vorstands für 2009 und 2010 in Gefahr. Hilfe für die krisengeschüttelten Opelaner begrüßt der Arbeitnehmerführer ausdrücklich und fordert ein langfristiges Konzept.

Herr Osterloh, welche Konsequenzen ziehen Sie strategisch aus dem Drama der Autobranche?

Wir glauben als Betriebsrat weiter an die langfristigen Wachstumsziele von Volkswagen und konkret an die Strategie 2018 von VW-Chef Martin Winterkorn. Aber das wird sich nicht in Westeuropa vollziehen, sondern in China, Nordamerika, Russland und später hoffentlich auch in Indien und andernorts. Um die Standorte hierzulande und in Westeuropa zu sichern, muss der Vorstand aus unserer Sicht rechtzeitig über ergänzende Geschäftsfelder nachdenken. Denn wenn wir Jahr für Jahr in unseren Werken zehn Prozent Produktivität schaffen, dann brauchen wir Alternativen für die Beschäftigungssicherung.

Meinen Sie weitere Komponenten?

Nicht nur, aber auch. Unsere Komponentenbereiche arbeiten überaus erfolgreich. Hier braucht es vor allem eine Internationalisierungsstrategie. Wenn wir in Deutschland mit unserer Hausanfertigung zweistellige Renditen einfahren, dann sollten wir das nach unserer Auffassung auch im Ausland nicht anderen überlassen. Es geht uns aber insgesamt um mehr, beispielsweise um den Ausbau automobilnaher Bereiche.

Was heißt das konkret?

Gerade sind wir zum Beispiel in den Bau von Blockheizkraftwerken eingestiegen. Grundlage dafür sind Motoren, die wir in Salzgitter bauen. Jetzt muss das ganze richtig vermarktet werden. Es geht darum, weitere solcher Projekte zu identifizieren. Wir haben im Welt-Konzern Volkswagen ein riesiges Know-How. Wir sind als Automobilhersteller natürlich ein sehr technikgetriebenes Unternehmen. Aus dieser Kompetenz unserer Kolleginnen und Kollegen kann man viel machen. Und damit dann auch gutes Geld verdienen. Mit solchen ergänzenden Geschäftsfeldern, wie den Blockheizkraftwerken, wollen wir die Beschäftigung zusätzlich langfristig sichern. Klar ist aber: Das Auto ist und bleibt unser Kerngeschäft. Daran hängt unser Herz.

Lässt sich Volkswagens ehrgeiziger Wachstumskurs bis zum Jahr 2018 angesichts der dramatischen Absatzeinbrüche überhaupt durchhalten?

Wir stehen besser da als die Konkurrenz. Trotzdem sind die Ziele der Strategie 2018 in den Jahren 2009 und 2010 kaum zu erreichen. Wenn das Wachstum überall ausbleibt, schafft Volkswagen das trotz eigener Stärke auch nicht. Das liegt auf der Hand.

Befürworten Sie als Konkurrent Staatshilfe für Opel?

Ich bin kein Konkurrent. Ich bin Arbeitnehmer in der Automobilindustrie, Betriebsratsvorsitzender und Vorstandsmitglied der IG Metall. Deshalb: Das Ende von Opel wäre nicht nur ein Schlag für die Beschäftigten bei Opel, sondern für alle Automobilisten. Die sich daraus ergebende Kettenreaktion würde Zulieferer in Mitleidenschaft ziehen und deren Kunden, zu denen auch Volkswagen gehört. Ich habe das ja schon mehrfach gesagt: Ja, ich möchte das den Opelanern geholfen wird. Aber dazu braucht es ein langfristiges Konzept. Ich gehe davon aus, dass GM, unsere Betriebsratskollegen bei Opel und die Bundesregierung jetzt daran arbeiten, die Arbeitsplätze bei Opel zu erhalten.

Was kann VW kurzfristig tun, um zu sparen?

Wieder viel mehr im Konzern selbst machen als bisher. Externe Anbieter sind nicht zwangsläufig günstiger. Bei uns herrscht kein Mangel an intelligenten Menschen. Besonders im Bereich Forschung und Entwicklung liegt unsere Fremdvergabequote aber aus unserer Sicht wesentlich zu hoch. Es gibt bei Volkswagen für diesen Bereich keine konsequente Vergabephilosophie. Das muss sich ändern.

Eigentlich wollten Sie schon längst die Einzelheiten der Einigung mit Volkswagens Großaktionär Porsche über die Machtverteilung in der neuen Holding verkündet haben. Woran hakt es?

Es hakt gar nicht. Grundsätzlich sind wir uns einig. Sie wissen doch aber: Der Teufel liegt im Detail. Und da müssen jetzt die Anwälte ran. Wir werden da nichts überstürzen. Wichtig ist, dass das Ergebnis am Ende für alle Beteiligten stimmt.

Porsche will so bald wie möglich den Anteil an VW auf 75 Prozent erhöhen. Stört Sie das?

Die Volkswagen Aktie ist immer eine gute Investition. Da kann ich jeden nur ermutigen. Wir wollen, dass das VW-Gesetz und die VW-Satzung erhalten bleiben. Beides sieht gut aus. Und damit ist sichergestellt, dass Volkswagen auch Volkswagen bleibt. Denn einen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag wird es dann nicht geben.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
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