Autobauer investieren mehr
Dürr baut auf China

Beim Maschinen- und Anlagenbauer Dürr stehen rosige Zeiten an. Die Prognose für das laufende Jahr kann nach oben korrigiert werden. Die guten Zahlen aus China veranlassen auch andere Autobauer zu weiteren Investitionen.
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StuttgartGute Geschäfte in China sorgen beim Maschinen- und Anlagenbauer Dürr weiter für Rückenwind. Da die Autobranche im Reich der Mitte seit Jahresbeginn mehr Autos als geplant verkauft habe, kämen schon jetzt einige Projekte auf den Tisch, die die Autohersteller eigentlich erst nächstes Jahr angehen wollten, sagte Vorstandschef Ralf Dieter in einem am Montag veröffentlichten Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. „Wenn der Absatz steigt, dann zieht das Investitionen nach sich“, sagte der Manager des Herstellers von Lackier- und Montageanlagen.

Auch in den USA seien die Kunden positiv gestimmt. Es werde in die Modernisierung der Autofabriken investiert, die die wegen des ungebrochenen Booms bei Pickups vielfach rund um die Uhr liefen. Mit der guten Auftragslage im Rücken liebäugelt Dürr mit einer Anhebung seiner Geschäftsprognosen, will dafür aber noch die nächsten Wochen abwarten. "Wir werden im dritten Quartal beurteilen, ob wir eine Aktualisierung der Prognosen vornehmen", sagte der Vorstandschef. „Über eine Korrektur nach unten werden wir sicher nicht diskutieren.“ Die zu Jahresbeginn erwartete Abschwächung der Geschäfte in der zweiten Jahreshälfte werde nicht so stark ausfallen. "Das Investitionsklima hellt sich auf", sagte der Manager.

Jüngste Wirtschaftsdaten nähren derzeit die Furcht vor einer Konjunkturschwäche in China. Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) senkten ihre Wachstumsprognosen für die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft bereits: Der IWF kappte seine Prognose auf 7,75 von 8,00 Prozent, die OECD ihre Schätzung auf 7,8 von 8,5 Prozent. Das versetzte zu Wochenbeginn den im Nebenwerteindex MDax gelisteten Dürr-Aktien nach monatelanger Hausse einen Tiefschlag: Die Papiere verloren mehr als sechs Prozent.

Dürr ist wie kaum ein zweites Unternehmen in Deutschland von der weiteren Expansion der Wirtschaft in China abhängig: 1600 der insgesamt 7600 Beschäftigten sind dort tätig, mehr als ein Drittel der Aufträge über knapp 2,6 Milliarden Euro sammelte Dürr dort ein. "Wir setzen auf China, aber nicht nur auf China", sagte der Vorstandschef. Aus den Schwellenländern - zu denen Dürr neben China auch Russland, Brasilien, Indien, Mexiko, die Türkei und Staaten Osteuropas zählt - wurden im ersten Quartal 70 Prozent der Aufträge hereingeholt. Vier von fünf Euro setzt Dürr mit der Autobranche um, die bei den Schwaben auch Reinigungs- und Auswuchtmaschinen einkauft.

Furcht vor Handelsstreit – „Maschinenbau lebt von China“

Dass die Geschäfte in China rund laufen, ist für Dürr existenziell. "Ich kann vor einem Handelsstreit mit China nur warnen", mahnte der Vorstandschef. „Der Maschinenbau lebt von China, Deutschland steht in Europa nicht zuletzt wegen des großen chinesischen Absatzmarktes so gut da.“ Dagegen laufe etwa in Frankreich wegen der Talfahrt der Neuwagen-Nachfrage in Europa „fast gar nichts“, sagte der Manager.

Dürr setzt nach dem Rekordjahr 2012, das dem Konzern mit Erlösen von 2,4 Milliarden Euro eine Umsatzverdoppelung im Vergleich zu 2010 einbrachte, dieses Jahr auf Konsolidierung und Stabilisierung der Ertragskraft. Der Auftragseingang soll 2013 zwischen 2,3 bis 2,5 Milliarden Euro liegen, die Rendite vor Steuern und Zinsen sieben bis 7,5 Prozent erreichen. „Wir werden bei Auftragseingang und operativer Marge voraussichtlich das obere Ende der prognostizierten Spannen erreichen“, ist der Vorstandschef schon jetzt überzeugt. Die Schwaben rangieren bei Lackieranlagen mit einem Weltmarktanteil von 50 Prozent weit vor dem ebenfalls in Schwaben ansässigen Wettbewerber Eisenmann sowie ABB aus der Schweiz und Taikisha aus Japan.

Vor einer möglichen Verschärfung der ausgeuferten Kreditvergabe in China ist dem Vorstandschef nicht bange: Die großen Autohersteller in China finanzierten ihre Investitionen aus dem Cashflow, eine strengere Reglementierung treffe eher Mittelständler. Und bei privaten Autokäufen - dem Gradmesser für die Investitionsbereitschaft der Industrie - spiele die Kreditfinanzierung nur eine geringe Rolle, sagte Dieter. In den USA blies der Manager wegen der Niedrigzinsen die anvisierte Übernahme eines für Boeing tätigen Dienstleisters ab: Der Kaufpreis sei "nicht mehr attraktiv" gewesen, das niedrige Zinsniveau treibe die Preisvorstellungen in die Höhe.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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