Autobauer mit guten Zahlen

VW macht deutlich mehr Gewinn

Volkswagen überrascht mit starken Zahlen: Die Wolfsburger haben bei der Kernmarke VW die Kosten gedrückt – und ihren Gewinn überraschend deutlich gesteigert. Doch der Diesel-Skandal ist noch nicht durchgestanden.
Update: 27.10.2017 - 10:57 Uhr 3 Kommentare
Der Autobauer hat am Freitag Quartalszahlen vorgelegt. Quelle: dpa
VW-Zentrale in Wolfsburg

Der Autobauer hat am Freitag Quartalszahlen vorgelegt.

(Foto: dpa)

WolfsburgVolkswagen hat inmitten des Dieselskandals und laufender Kartellermittlungen einen Rekordgewinn eingefahren und traut sich eine höhere Ertragskraft zu. Der um Sondereinflüsse bereinigte Betriebsgewinn kletterte im dritten Quartal überraschend deutlich um 15 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro, wie die Wolfsburger am Freitag mitteilten.

Analysten hatten im Schnitt mit einem Ergebnis knapp unter vier Milliarden gerechnet. Abzüglich weiterer Rückstellungen für den Dieselskandal in den USA halbierte sich das operative Ergebnis fast auf 1,72 Milliarden Euro. Auch hier hatten Experten weniger erwartet. Der Quartalsumsatz erhöhte sich um rund sechs Prozent auf 55 Milliarden Euro. An der Börse zählte die Volkswagen-Aktie am Freitagmorgen mit einem Plus von rund zwei Prozent zu den größten Gewinnern im Leitindex Dax.

Vor allem die Kernmarke VW Pkw hat in den ersten neun Monaten im laufenden Geschäft deutlich mehr Gewinn abgeworfen. Das um Sonderkosten bereinigte operative Ergebnis der Stammmarke kletterte im Jahresvergleich auf rund 2,5 Milliarden Euro. Der Wert lag damit etwa doppelt so hoch wie zum Ende des dritten Quartals 2016.

Das waren die 2016er Bestseller von VW
Platz 10: VW Touran - 164.248 verkaufte Fahrzeuge
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Den Auftakt in der Reihe der zehn Bestseller von VW macht der Kompaktvan. Ein Grund für seinen Erfolg liegt sicherlich in seinem wenig polarisierenden Design, dem großzügigem Platz, viel Komfort und der guten Sitzvariabilität. Ein echter Freund der Familie.

Quelle: VW Konzernbericht 2016

Platz 9: VW Up - 169.970 verkaufte Fahrzeuge
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Trotz gesunkener Verkaufszahlen reicht es noch für Platz neun: Der Kleinstwagen von VW überzeugt mit pfiffigen Lösungen auf engstem Raum. Agilität in der City und geringe Kosten, damit kann der Zweitürer ebenso punkten.

Platz 8: VW Bora - 236.427 Verkäufe
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Dass der Name der fünftürigen Limousine zwischen Golf- und Passat-Größe überhaupt noch geführt wird, ist der Bedeutung des chinesischen Automarktes zu verdanken, der für die Wolfsburger so unglaublich wichtig geworden ist. Und egal was man von der Formgebung in Europa hält: Chinesen lieben nun mal klassische Limousinen...

Platz 7: VW Santana - 312.177 verkaufte Fahrzeuge
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Auch die dritte Generation ist ein echter Verkaufserfolg. In Deutschland führte das damals noch sehr kantige Modell eher ein Langweiler-Schattendasein, machte aber international Karriere: 2013 wurde ein komplett neu entwickelter Santana speziell für den chinesischen Markt vorgestellt.

Platz 6: VW Lavida - 547.187 verkaufte Fahrzeuge
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Und noch eine Limousine, wobei diese untere Mittelklasse sogar in China entwickelt wurde. Den hierzulande unbekannten Lavida bietet VW seit zwei Jahren auf dem größten Wachstumsmarkt an. Mit Erfolg.

Platz 5: VW Tiguan - 548.687 verkaufte Fahrzeuge
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Vom globalen Boom der mehr oder weniger kompakten City-Geländewagen oder SUV profitiert natürlich auch der aktuell größte Autohersteller der Welt. 53 Prozent der Tiguan-Auslieferungen rollen auf den asiatisch-pazifischen Markt, gefolgt von Europa mit 31,6 Prozent.

Platz 4: VW Passat/Magotan - 711.878 verkaufte Fahrzeuge
7 von 10

Platz, Qualität und High-Tech überzeugen viele Käufer. Die geräumige untere Mittelklasse ist in Deutschland vor allem als Kombi für Dienstwagen-Fuhrparks gefragt, der Rest der Welt findet die Limousine interessanter. Den Absatz des Bestsellers, den es schon seit mehr als 40 Jahren gibt, hält VW im Vergleich zum Vorjahr in etwa stabil.

Zwar sind die Zahlen nicht direkt mit dem Vorjahreswert vergleichbar, weil VW mehrere ausländische Importgesellschaften nicht mehr zur Marke zählt. Das schlägt sich aber vor allem im Umsatz nieder. Dieser sank von 77,7 Milliarden Euro auf zuletzt 58,8 Milliarden Euro. Die Kernmarke profitierte unter anderem vom guten Lauf in China. Aber vor allem das Spar- und Umbauprogramm „Zukunftspakt“ soll eine Rolle gespielt haben. Es wurde im vergangenen Jahr auf den Weg gebracht.

Bei der operativen Rendite erwartet der weltgrößte Autobauer nun, dass die bisher für 2017 in Aussicht gestellte Spanne von 6,0 bis 7,0 Prozent „moderat“ übertroffen wird. Mehrere Analysten hatten bereits mit einer Prognoseerhöhung gerechnet, da Volkswagen schon zur Jahresmitte über dieser Spanne gelegen hatte. Den Ausblick für den Umsatz bekräftigte das Management um Konzernchef Matthias Müller. Demnach sollen die Erlöse in diesem Jahr um mehr vier Prozent zulegen.

Höhere Rückstellungen

In den ersten neun Monaten kletterte der Betriebsgewinn vor Sondereinflüsse um 17 Prozent auf 13,2 Milliarden Euro. „Das ist ein starkes Fundament, auf das wir aufbauen können,“ betonte Finanzchef Frank Witter. Mit einer Nettoliquidität von mehr als 25 Milliarden Euro im Kerngeschäft habe Volkswagen zudem ein ausreichendes Finanzpolster.

Das ist auch nötig, denn ein Ende von „Dieselgate“ ist noch nicht absehbar. Auch gut zwei Jahre nach Bekanntwerden der Manipulation von Abgaswerten musste Volkswagen seine Rückstellungen aufstocken, weil die Nachrüstung und der Rückruf der betroffenen rund 500.000 Fahrzeuge mit 2,0-Liter-Dieselmotor stockt. Im dritten Quartal schlug deswegen bisher nicht kalkulierte Kosten von knapp 2,6 Milliarden Euro zu Buche, die den Betriebsgewinn schmälerten.

Nachrüstung stockt
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3 Kommentare zu "Autobauer mit guten Zahlen: VW macht deutlich mehr Gewinn"

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  • Wer wirklich einen Schaden hat , bekommt auch Schadenersatz !

  • Es ist schon interessant das von den Verantwortlichen des Diesel Skandals nur jemand in den USA in Haft sitzt. In Deutschland läuft das "Business as Usual" ab. Und das die Kunden betrogen wurden, niedrigere Verkaufswerte haben und auf dem Betrugsautos sitzen blieben interessiert niemanden, auch keine Staatsanwaltschaft und keinen Verbraucherschutz. Das zeigt schon sehr gut wie weit der deutsche Rechtsstaat gekommen ist.

  • Volkswagen, das Vorzeigeunternehmen der BRD wird seinen weg gehen. Auch wenn man erst einmal mit der verseuchten Software (Motorsteuerung, Diesel) von BOSCH überwinden muss, so wird das Unternehmen gestärkt daraus hervorgehen.

    wir sollten nie vergessen, die Software ist von BOSCH und nicht von Volkswagen erstellt und getürkt worden.

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