Im Übernahmekampf zwischen den Konkurrenten Continental
und Schaeffler kann der Hannoveraner Zulieferkonzern nicht auf große Schützenhilfe der deutschen Autoindustrie bauen. Bedeutende Großkunden von Conti
aus der Autoindustrie stellten sich generell hinter die Pläne des fränkischen Familienkonzerns. Und die Worte der Autobosse haben großes Gewicht.
VW-Chef Martin Winterkorn und VW-Großaktionär Porsche sind grundsätzlich für ein mögliches Zusammengehen der beiden Autozulieferer Continental und Schaeffler. Foto: Reuters
FRANKFURT. Im Übernahmekampf zwischen den Konkurrenten Continental
und Schaeffler kann der Zulieferkonzern aus Hannover nicht auf große Schützenhilfe der deutschen Autoindustrie bauen. Bedeutende Großkunden von Conti
aus der Autoindustrie stellten sich generell hinter die Pläne des fränkischen Familienkonzerns. So befürwortete Contis
wichtigster Kunde, VW
-Chef Martin Winterkorn, ebenso wie VW
-Großaktionär Porsche
grundsätzlich ein mögliches Zusammengehen der beiden Autozulieferer Continental
und Schaeffler. Er sehe die Entwicklung "insgesamt positiv", sagte Winterkorn in Wolfsburg. Er warnte Schaeffler aber ausdrücklich vor einer feindlichen Übernahme.
Conti
hatte bisher einer Verbindung mit Schaeffler jede industrielle Logik abgesprochen und den Vorstoß als feindlich abgelehnt. Doch in der Industrie stößt der Vorstoß offensichtlich auf Wohlwollen. Mit einer Beteiligung von Schaeffler an Conti
von mehr als 30 Prozent wäre auch die Grundlage dafür gelegt, "dass der Konzern in deutscher Hand bleibt und nicht womöglich bei einem ausländischen Hedge-Fonds landet", sagte ein Porsche
-Sprecher. Die Opel-Muttergesellschaft GM
erklärte: "Wichtig ist die Stabilität der Zusammenarbeit." Ein Conti
-Sprecher wollte die Äußerungen nicht kommentieren.
Die Autoindustrie schaltet sich damit erstmals offen in den Konflikt ein und signalisiert ihr grundsätzliches Einverständnis mit dem Deal. Für Schaeffler sind das wichtige Punkte im Übernahmekampf. Denn die Worte der Autobosse haben großes Gewicht: Der deutschen Autoindustrie fällt als wichtigstem Kunden der beiden Zulieferer bei dem umstrittenen Einstieg von Schaeffler eine bedeutende Rolle hinter den Kulissen zu. So hatten sich die Hersteller schon beim Verkauf der Autozulieferersparte VDO von Siemens eingemischt und die Münchener in informellen Gesprächen gedrängt, die Sparte an Continental
zu verkaufen.
Nun dringen die Autobosse beide Seiten offen, eine harte Übernahmeschlacht zu verhindern. Experten schließen deshalb nicht aus, dass die versöhnlicheren Töne von Conti
-Boss Manfred Wennemer vom Wochenende bereits eine Reaktion auf die Appelle der Großkunden ist.
"Volkswagen kann sehr gut mit einem Conti
-Kernaktionär Schaeffler leben", sagte BHF-Bank-Analyst Albrecht Denninghoff. VW
gehe es in erster Linie um eine stabile Lieferantenbeziehung und die würden die Franken im Gegensatz zu einem Finanzinvestor auch bieten. Eine Übernahmeschlacht könnte dagegen die Produktionsabläufe gefährden.
Schaeffler hatte Anfang vergangener Woche ein offizielles Angebot für den dreimal größeren Autozulieferer aus Hannover vorgelegt und sich bereits mittelbar den Zugriff auf 36 Prozent der Conti
-Aktien gesichert. Conti Wennemer
-Chef hatte Schaefflers Vorgehen als "egoistisch, selbstherrlich" und "rechtswidrig" gegeißelt und bereits die Finanzaufsicht auf den Plan gerufen. Mittlerweile klingt der Ton aus Hannover schon versöhnlicher. So bot Conti
weitere Verhandlungen an und rief dazu auf, eine vernünftige Lösung zu finden.
Ein Positionswechsel, der in der Autoindustrie auf Beifall stoßen dürfte. So betonte Winterkorn, wenn beide Unternehmen zusammengingen, klinge das "zunächst mal sehr positiv". Conti
sei in der Elektronik stark, die Schaeffler-Gruppe in der Mechanik. Er warnte die Franken aber vor einer feindlichen Attacke. "Wenn sich da zwei Großkonzerne im Zuliefererbereich ein halbes Jahr lang bekriegen, wer das Sagen hat, da hätte ich schon Probleme mit." Er stellte aber klar, dass Volkswagen
Conti
nicht als "weißer Ritter" zu Hilfe eilen würde. Auch VW
-Großaktionär Porsche
äußerte sich zustimmend zum Schaeffler-Vorstoß: "Es zeigt die Leistungsfähigkeit von Familienunternehmen", sagte ein Sprecher. Die Hersteller BMW
, Daimler
und MAN
wollten sich dagegen nicht zu der möglichen Conti
-Übernahme äußern. Nach Aussagen eines Schaeffler-Sprechers habe das Unternehmen zustimmende Reaktionen von seinen Kunden zu den Übernahmeplänen bekommen.

