Autobauer
Opel-Belegschaft verfolgt europäische Lösung

Die Zukunft von Opel liegt in Europa. Dieser Meinung ist zumindest die Belegschaft in Person von Klaus Franz, dem stellvertretenden Opel-Aufsichtsratschef und Gesamtbetriebsrat des Unternehmens. Derweil warnt Bundesfinanzminister Peer Steinbrück vor den Folgen einer Insolvenz des Autobauers.

CARSTEN HERZ | FRANKFURT

SVEN AFHÜPPE | BERLIN

Im Ringen um die Zukunft von Opel hat die einflussreiche Arbeitnehmerseite entschieden, welches Ziel sie verfolgen will: "Das Zukunftskonzept kann nur ein europäisches Geschäftsmodell sein und keine isoliert deutsche Lösung für Opel", sagte der stellvertretende Opel-Aufsichtsratschef und Gesamtbetriebsrat des Unternehmens, Klaus Franz, dem Handelsblatt. Dazu stünden die Belegschaftsvertreter "in engem Kontakt mit dem flämischen Premierminister, der österreichischen, der englischen und der spanischen Regierung".

Das Problem sei vor allem, dass der Rettungsplan mitten in der schwersten Branchenkrise seit Jahrzehnten entwickelt werden müsse. Die Betriebsräte wollen daher "temporäre Einlagen der Länder und Regierungen bekommen, um uns in hohem Maße unabhängig von GM zu machen". Wenige Tage vor der Vorlage eines neuen Konzepts für das Unternehmen legt sich die Belegschaft damit auf eine europäische Lösung fest. Der Opel-Aufsichtsrat will bereits am Freitag den Rettungsplan diskutieren, den das Management der Regierung vorlegen wird.

Das Konzept, das die Regierung zur Bedingung über eine Entscheidung über staatliche Hilfen für den Autobauer macht, nimmt damit erste Konturen an. "Wir sind auf dem Weg zur Ablösung vom Mutterkonzern General Motors", sagte Franz. Dies gestalte sich allerdings nicht sehr einfach. Da Opel nach 80 Jahren als GM-Tochter nicht einmal ein eigenes Bankkonto habe, stehe eine Operation von großer Tragweite an.

Auf jeden Fall solle GM jedoch einen Minderheitsanteil am neuen Unternehmen halten, um weiter den Austausch von Technik und die so genannten Skaleneffekte in Produktion und Einkauf sicherzustellen, erläutert Franz. Ein Opel-Sprecher wollte die Aussagen nicht kommentieren.

Im Moment sei es so, dass die Adam Opel GmbH der so genannte Risikonehmer von allen Geschäften von GM in Europa sei, sagt Franz. Wenn beispielsweise viele Autos unter dem Namen der Schwestermarke Vauxhall in England verkauft würden, trage Opel das Währungsrisiko. Die Einnahmen klingelten dagegen bei GM Europa in der Kasse. "Ein neues Zukunftsmodell muss aber sicherstellen, dass auch überall da, wo Opel/Vauxhall draufsteht, auch das Unternehmen dahinter steckt", fordert Franz. "Alles, was die Vertriebsorganisationen in den einzelnen Ländern abführen, muss dann auch bei den Unternehmen landen."

In Berlin sorgten unterdessen Äußerungen von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) für Unmut. Steinbrück wies darauf hin, dass eine Insolvenz von Opel 25 000 Mitarbeiter direkt und noch einmal so viele in Zulieferfirmen arbeitslos machen würde. Den Staat und die Sozialversicherungen würde das nach den Berechnungen des Finanzministers wahrscheinlich zwei bis drei Mrd. Euro kosten. Steinbrück sagte, es stelle sich daher die Frage, ob es nicht sinnvoller sei dabei zu helfen, die Beschäftigen in Lohn und Brot zu halten.

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) warnte dagegen vor Vorfestlegungen. Für staatliche Hilfen müssten grundsätzlich "klare Kriterien angelegt werden, auf deren Grundlage wir dann entscheiden", sagte der Minister. Dazu zähle, dass das Unternehmen vor der Krise gesund gewesen sei, ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept für die Zukunft habe und keine Jobs zu Lasten anderer Arbeitsplätze gerettet würden.

In der Bundesregierung geht man davon aus, dass eine mögliche Rettung von Opel auch Thema beim Treffen der Koalititonsspitzen Anfang nächster Woche werden könne. Maximal könne es ohnehin nur um die zeitlich befristete Gewährung von Bürgschaften gehen, hieß es in Regierungskreisen.

Die schwedische GM-Tochter Saab hatte am Freitag Insolvenz angemeldet und damit die Furcht vor einer Opel-Pleite weiter geschürt. Der angeschlagene US-Mutterkonzern hatte vergangene Woche erstmals auch eine teilweise Trennung von seiner deutschen Tochter Opel in Aussicht gestellt. GM hatte weltweit den Abbau von 47 000 Stellen angekündigt.

Franz rechnet damit, dass auch Opel davon nicht komplett verschont bleibt. "Ich gehe davon aus, dass wir uns im Rahmen der Verhandlungen über ein neues Sparpaket auch des Themas Kapazitätsauslastung annehmen werden, weil dies für die Szenarien für die Bundesregierung eine wichtige Rolle spielt", sagte der Opel-Gesamtbetriebsrat. Auf dieser Grundlage werde dann entschieden, wo Arbeitsplätze abgebaut würden und wo nicht.

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