Autobauer
Opel-Händler greifen GM an

Im Ringen um eine Zukunft von Opel wächst die Verärgerung über das Vorgehen des Mutterkonzerns. Erstmals äußerten auch die Händler massive Kritik an General Motors. Auf der anderen Seite sind die Händler bereit, einen Fonds zu gründen und sich an Opel zu beteiligen. Und zwar nicht nur die in Deutschland, sondern europaweit.

FRANKFURT/BERLIN. "Mit großer Sorge beobachten wir, dass GM in der Diskussion um Opel eine Hinhaltetaktik betreibt", kritisierte Thomas Bieling vom Verband Deutscher Opel-Händler. "Das schadet Opel und untergräbt das Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens." Der Verband erneuerte seine Bereitschaft, sich an Opel zu beteiligen. Über einen Zeitraum von bis zu drei Jahren solle ein Teil der Gewinne von jedem verkauften Neuwagen in einen geschlossenen Fonds eingezahlt werden, der seinerseits eine Beteiligung an Opel erwerben solle. Die europäische Händlerorganisation Euroda hatte von einigen Hundert Euro pro Wagen gesprochen.

Nach der Belegschaft geht damit auch das Händlernetz auf Distanz zum Vorgehen von GM in der Diskussion um mögliche Staatshilfen für Opel. Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz hatte das Management bereits am Wochenende zu einer Kurskorrektur aufgefordert. Das Management muss sich damit heute auf eine kontroverse Opel-Aufsichtsratssitzung einstellen. Die Betriebsratsvorsitzenden aller deutschen Opel-Standorte und die verantwortlichen Bezirksleiter der IG Metall hatten gestern ihre Position für die Verhandlungen mit dem Management abgesteckt. Ziel sei es, eine tragfähige Zukunft für die Standorte im Rahmen einer europäischen Lösung zu finden.

Das Management strebt laut Gewerkschaftsangaben einen Lohnverzicht im zweistelligen Prozentbereich an und will die Lohnerhöhung von 2,1 Prozent, die zum 1. Februar fällig gewesen wäre, nicht zahlen. Der Frankfurter IG-Metall-Bezirksleiter Armin Schild hatte im Handelsblatt bereits klargemacht, dass die IG Metall einen einfachen Verzicht der Arbeitnehmer nicht akzeptieren werde.

Eine Entscheidung über Staatshilfen für Opel wird sich nach Angaben der Regierung noch einige Wochen hinziehen. Opel dringt auf rund 3,3 Mrd. Euro staatliche Hilfen von den europäischen Regierungen, um sein Überleben zu sichern. Die Wirtschaftsminister von Bund und Ländern sprachen sich gestern gegen eine Sonderbehandlung angeschlagener Unternehmen wie Opel bei der Vergabe von Staatshilfen aus. Die Ressortchefs der Länder stellten sich klar hinter das Vorgehen der Regierung. "Gravierende Wettbewerbsverzerrungen müssen vermieden werden", sagte Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) nach dem Treffen.

Das Opel-Management schließt unterdessen auf der Suche nach einem möglichen Investor keine Option mehr aus und zeigte sich auch offen für einen Finanzinvestor. "Wenn es jemanden gibt, der als privater Investor bei uns einsteigen will, sind wir dafür offen", hieß es im Führungszirkel von GM Europa. Ein Manager behauptete, erste Interessenten aus der Finanzszene hätten bereits angeklopft. Opel-Aufsichtsratsvertreter setzen indes keine großen Hoffnungen auf ein Interesse aus der Finanzbranche. "Finanzinvestoren sind in erster Linie am Cash-Flow interessiert - und der wird bei Opel noch Jahre lang negativ sein", hieß es. GM rechnet erst 2011 wieder mit schwarzen Zahlen in Europa.

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch hatte bereits Anfang der Woche ein neues investorengestütztes Modell für Opel im Handelsblatt ins Spiel gebracht und erklärt, es gebe durchaus private Investoren, die über einen Einstieg bei Opel nachdächten. Die Wunschkandidaten von Opel, Daimler und BMW, haben aber bereits erklärt, sich nicht beteiligen zu wollen. Die Europäische Kommission berief für Freitag ein hochrangiges Treffen der von der Krise von GM betroffenen EU-Länder ein.

Die VW-Arbeitnehmer setzten sich derweil für die Rettung von Opel ein. "Den Volkswagen-Beschäftigten ist klar, wenn bei Opel die Lichter ausgehen, wird der Kampf um den Erhalt der Arbeitsplätze in der derzeitigen Krise noch schwieriger", heißt in einer Resolution.

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