Autobauer
„Opel hat kein Lohnkostenproblem“

Den Opel-Mitarbeitern geht es ans Gehalt. Fraglich ist nur, wie sehr. Armin Schild, Opel-Aufsichtsrat und Frankfurter IG-Metall-Bezirksleiter, hält Kürzungen für überflussig. Opel habe kein Lohnkostenrproblem. Aber die Mitarbeiter seien für die Rettung Opels zu allem bereit.

Herr Schild, das GM-Management strebt im Rahmen eines Sparpakets einen zweistelligen Lohnverzicht der Opel-Belegschaft an. Ist das mit Ihnen zu machen?

Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es überhaupt keine Veranlassung, mit dem Management über Lohnzugeständnisse zu verhandeln. Wir wissen nicht einmal, ob Opel in sechs Wochen oder in acht Wochen noch existiert. Wir wären ja wahnsinnig, wenn wir jetzt, wo wir nicht wissen, ob es zu Kündigungen kommt, den Leuten die Löhne zusammenstreichen. Es würde Opel auch nichts bringen, denn der Hersteller hat auf keinen Fall ein Lohnkostenproblem. Wenn die Politik am Ende Beiträge für Opel an eine sogenannte Restrukturierung bindet, dann wird sich die Belegschaft dem nicht verweigern - aber wir werden da nicht in Vorleistung treten.

Also liegen die Verhandlungen bei Opel über ein Sparpaket faktisch auf Eis?

Wir beteiligen uns im Moment an Gesprächen über Sparpakete nicht. Wenn die Bundesregierung und die europäischen Regierungen sich entscheiden, Opel zu unterstützen und das Zukunftskonzept steht, wird das aber an den Arbeitnehmern nicht scheitern. Es wird allerdings keinen Lohnverzicht geben. Es wird nichts geben, was die Opel-Arbeitnehmer in dieses Unternehmen einfach als gegenleistungsfreie Morgengabe hineinstecken. Wenn überhaupt, dann gibt es ein innovatives Modell, über das es im Moment über grundsätzliche Gedanken hinaus nichts zu berichten gibt. So haben wir immer signalisiert, dass wir bereit sind, darüber zu reden, mögliche Ansprüche der Belegschaften in eine Beteiligung an dem Unternehmen umzuwandeln. Konkrete Pläne sind da aber nicht auf dem Tisch. Das heißt, auf die einfache Formel gebracht: Mitsprache bei Beteiligung.

Konkret steht aber die Lohnerhöhung der IG Metall an. Wie ist da der Stand der Dinge?

Das Unternehmen hat bei uns schriftlich einen Antrag gestellt, die 2,1 Prozent Lohnerhöhung, die zum 1. Februar fällig gewesen wäre, nicht zahlen zu müssen. Dazu haben wir aber noch keine Position bezogen. Das werden wir im Verlauf der nächsten Tagen auf europäischer Ebene tun. Aber zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine Zusagen und auch keine Überlegungen für Zusagen, die über das hingehen, was ich Ihnen gerade mitgeteilt habe. Dass jemand Lohnsenkungen im zweistelligen Prozentbereich diskutiert habe, ist eine absolute Falschmeldung. Nur weil in Deutschland zufälligerweise eine Lohnerhöhung ansteht, werden wir nicht den Kostenwettbewerb aus den deutschen Standorte heraus eröffnen. Auf keinen Fall werden wir einen einfachen Verzicht der Arbeitnehmer akzeptieren.

Trägt der in Berlin vorgestellte Opel-Zukunftsplan nicht auch zur Verwirrung bei?

Der Opel-Zukunftsplan arbeitet mit drei Szenarien. Das erste Szenario unterstellt, dass alles gut wird. Nummer zwei, dass nicht alles gut wird und Nummer drei, dass alles kritisch wird. Das spricht aber doch nicht gegen die Solidität eines Konzeptes, dass es mit verschiedenen Variablen arbeitet. Im Moment wird das Unternehmen Opel von allen möglichen Interessengruppen in Grund und Boden geredet. Ich glaube mittlerweile, das schadet dem Unternehmen mehr als man jemals wieder gut machen kann.

Was erwarten Sie jetzt vom Management von Opel und GM?

Ich habe schon meine Zweifel, ob wir mit der gebotenen Offensivität operieren. Wenn man sich mal vorstellt, dass man mit dem Opel-Zukunftsplan direktem Zugriff auf die gesamte Technologie von General Motors erhält, inklusive der Fähigkeit ein reines Elektroauto anbieten zu können, dann wundere ich mich schon, warum wir uns derzeit in eine kleinkarierte Ordnungspolitik-Debatte verzetteln. Während US-Präsident Barack Obama 14 Tage nach Amtsantritt erklärt hat, natürlich werden wir die US-Autoindustrie retten, vergeigt die deutsche und die europäische Politik den industriepolitischen Zugriff auf eine Zukunftstechnologie, die auch aus Sicht des Steuerzahlers so günstig wie nie zu bekommen wäre.

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